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Mordfall Claudia Ruf: DNA-Test - 200 Männer fehlen noch bei Ermittlungen

200 DNA-Proben fehlen noch : Polizei rechnet im Mordfall Claudia Ruf bald mit neuen Ergebnissen

Mehr als 2200 Männer sind bislang im Fall Claudia Ruf überprüft worden. Der Täter wurde noch nicht gefasst. Aktuell werden Proben ausgewertet. Weiterhin fehlt die DNA von rund 200 Männern. Und diese zu bekommen, ist teils schwer.

25 Jahre nach dem Mord an der elfjährigen Claudia Ruf fehlen den Ermittlern noch DNA-Proben von rund 200 Männern oder ihren Hinterbliebenen. Das berichtete die Bonner Polizei am Dienstag. So sei es besonders schwierig, von Männern, die mehrfach umgezogen und schließlich im Ausland gestorben sind, noch Angehörige für einen DNA-Abgleich zu ermitteln. „Da wissen wir nicht, wo die sich aufhalten oder wo sie verstorben sind“, erklärt Polizeisprecher Robert Scholten.

Claudia Ruf war am 11. Mai 1996 in ihrem Heimatort Grevenbroich-Hemmerden südwestlich von Düsseldorf entführt, sexuell missbraucht und umgebracht worden. Ihre Leiche wurde 70 Kilometer entfernt auf einem Feldweg in Euskirchen gefunden. An ihr konnte DNA sichergestellt werden, die vom Täter stammen dürfte. Vor mehr als eineinhalb Jahren hatten die Ermittler den „Cold Case“ neu aufgerollt und einen großen DNA-Massentest gestartet.

Bei den 200 Männern, von denen noch DNA-Proben fehlen, habe die Polizei „zu großen Teil Hinweise, ob sie noch leben oder verstorben sind“, sagt Scholten. Die Schwierigkeit bestehe unter anderem darin, Umzüge - zum Teil auch ins Ausland - nachzuvollziehen. Scholten erklärt das an einem Beispiel: „Bei Personen, die in den 90er Jahren aus Hemmerden weggezogen sind, können wir den ersten, zweiten, dritten Umzug innerhalb Deutschlands noch nachvollziehen. Auch einen Umzug ins Ausland können wir mit ein bisschen Aufwand noch nachvollziehen.“ Die Schwierigkeiten würden beginnen, wenn weitere Umzüge im Ausland stattgefunden haben. „Wir können uns nicht immer auf Datensysteme verlassen, wenn sie über mehrere Ebenen fahren“, sagt Scholten.

Mordfall Claudia Ruf: In 15 Ländern laufen Rechtshilfeersuchen

Für weitere DNA-Proben von Männern, die ins Ausland verzogen sind, laufen aktuell 15 Rechtshilfeersuchen mit den USA, Großbritannien, Serbien, Frankreich, Niederlande, Belgien und Portugal. „Das ist zu Recht ein sehr formaler Vorgang“, sagt Scholten. Auch hierzu nennt er ein Beispiel: „Ganz zu Beginn der Ermittlungsphase meldete sich ein ehemaliger Bewohner aus Hemmerden, der in die Schweiz gezogen war und dort seine DNA-Probe abgeben wollte.“ Der Mann wollte die Ermittlungen unterstützen und schlug vor, für die Untersuchung einfach zur Schweizer Polizei zu gehen. „Das hört sich erst einmal super an, aber so einfach geht das gar nicht“, sagt Scholten. „In einem anderen Land herrscht ein völlig anderes Rechtssystem. Da müssen wir über die Staatsanwaltschaft ein Rechtshilfeersuchen anstoßen.“

Die Ermittler nehmen von allen Männern, die 1996 in Hemmerden wohnten, oder sich dort aufgehalten haben, DNA-Spuren. Mehr als 2200 Männer, die überwiegend freiwillig DNA-Proben abgegeben hatten, können als Mörder inzwischen ausgeschlossen werden. Auch der deutsche Verdächtige im Mordfall „Maddie“ McCann war auf eine Täterschaft überprüft worden. Er konnte durch einen DNA-Abgleich im Fall Claudia Ruf als Täter ebenfalls rasch ausgeschlossen werden.

Claudia Ruf: Polizei rechnet in den nächsten Wochen mit neuen Ergebnissen

32 weitere Proben seien zwar bereits genommen, müssten aber noch analysiert und abgeglichen werden. Diese DNA-Proben sind Scholten zufolge erst vor geraumer Zeit abgenommen worden, nachdem sich Hinweise auf Menschen ergeben haben, die zum Tatzeitpunkt in Hemmerden lebten, dort aber nicht gemeldet waren. „Leute, die über längere Zeit zu Besuch waren oder dort gearbeitet haben“, so Scholten. „Viele Lebenssachverhalte lassen sich ja über Melderegister nicht abdecken.“ Mit den Ergebnissen dieser 32 Proben rechnet er in den nächsten Wochen.

Insgesamt zeigt sich Scholten positiv gestimmt, den Mörder von Claudia Ruf 25 Jahre nach der Tat noch zu fassen. „Wir haben alles schon erlebt. In einem Mordfall war Spur Nummer 20 der Treffer, in einem anderen Spur Nummer 1750 von 1780. Aufgrund der belegbaren Aktivität sind wir aber optimistisch, dass wir den Fall klären. Die Möglichkeiten, die uns dafür zur Verfügung stehen, werden immer besser.“

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(mit dpa)