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Alle Parteien in Bad Honnef pochen auf mehr Schutz des Klimas

Kommunalwahl 2020 : Kein prima Klima in Bad Honnef

Nicht erst der massive Befall durch den Borkenkäfer hat gezeigt: Der Klimawandel ist auch in Bad Honnef angekommen. Dass etwas passieren muss, darin sind sich alle Parteien einig. Die Frage ist nur, wie es geschehen soll.

Endlich durchatmen! Nach den Hitzewochen sehnen sich die Menschen nach einem kühlen Hauch, nach einem ergiebigen Landregen. Den hat vor allem die Natur bitter nötig. Der dritte Trockensommer in Folge hat auch in Bad Honnef Spuren hinterlassen. Verdorrte Bäume im Stadtwald, die teils mit lautem Bersten ankündigen, dass sie endgültig vor der Trockenheit kapitulieren. Kahlflächen, wo einstige Fichten-Monokulturen dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind. Und Starkregen, der die Bäche anschwellen lässt und Erdreich weg spült, statt in ihm zu versickern. Es ist, als sage uns die Natur: Bis hierhin und nicht weiter.

Der Klimawandel, er kündigt sich nicht erst an, er ist da. Es ist ein Weckruf nicht nur für die Politik. Tote Fichten im Stadtwald abholzen und auf den Brachen standortgerecht und klimastabiler aufforsten? Oder die Natur sich selbst überlassen? Die kontroverse Diskussion um den Umbau des Waldes zeigt, dass auch beim Thema Klimawandel und dem Umgang mit seinen Folgen die Meinungen aufeinanderprallen. Klar ist: Der Weg, wie der globalen Herausforderung und ihren Folgen auch lokal am besten begegnet werden kann, muss gemeinsam beschritten werden. Die Natur hat keine Zeit für Dogmen.

Beim Klimaschutz müssen alle mitmachen. Und die größte Herausforderung ist es, das Verhalten im Alltag zu verändern“,  sagt Kathrin Schmidt, seit März Koordinatorin für Klima und Mobilität der Stadt Bad Honnef. Die Frage nach klimaneutraler Mobilität ist da naturgemäß nicht weit. Bad Honnef ist mehr Auto- denn Radfahrerstadt. Auf rund 27 000 Einwohner und knapp 12 000 Haushalte kommen nach Angaben des Rhein-Sieg-Kreises aktuell 19 447 „aktive“, also fahrbereite, Fahrzeuge. Darunter sind beachtliche 15 513 Personenkraftwagen. Statistisch hat also jeder Haushalt mindestens ein Auto. Und, so viel ist sicher, bewegt es auch.

Um klimaneutraler Mobilität zu mehr Geltung zu verhelfen, hat die Stadt das Radverkehrskonzept aufgelegt (siehe „Erster Förderbescheid“). Eine Erhebung zum Konzept ergab, dass 78 Prozent der Befragten zwar ein Fahrrad besitzen, aber nur 14 Prozent es täglich nutzen. Hingegen gaben 67 Prozent an, Tag für Tag am Steuer ihres Autos zu sitzen – meist auf dem Weg zur Arbeit. Dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kommt damit eine große Rolle zu, um Pendler zum Umsteigen zu bewegen. Der ÖPNV muss attraktiver werden, die Stadt will das ihrige tun. Aber das geht nur mit dem Rhein-Sieg-Kreis als Verkehrsträger und der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft.

Die Ziele, die sich Bad Honnef hier steckt: Innerorterschließung der Nord-Süd- sowie der Ost-West-Achse verbessern, Selhof durch Kleinbusse anbinden und sich um Förderung einer Schnellbuslinie Bad Honnef-Windhagen bewerben sowie „Feinlinien“ in die Ortsteile bieten, um die Versorgung ganz Aegidienbergs zu verbessern. Zum Nulltarif geht das nicht. Eine Taktverdichtung würde Schätzungen des Kreises zufolge 60 000 Euro im Jahr kosten, eine Verdopplung des ÖPNV-Angebots gar Mehrkosten von 500 000 Euro jährlich.

Im Klimaschutz ist das Geld gut angelegt. Radwege und ÖPNV sind aber nur zwei Bausteine. Klimaschutz ist eine, wenn nicht die Querschnittsaufgabe. Den einen großen Wurf gibt es nicht. Jedes Projekt, und sei es noch so klein, muss auf seine Nachhaltigkeit überprüft werden bis hin zur Planung von Wegen, Plätzen, Häusern. Bessere Park- und Ride-Angebote in Rhöndorf, Energiesparlampen in den Straßenlaternen, Solarzellen auf Gebäuden oder ein „Mini-Kraftwerk“ auf dem Dach der Gemeinschaftsgrundschule Am Reichenberg, vieles ist schon auf den Weg gebracht. Und jeder Beitrag zählt.

Vernetzt denken, ist die Devise. Das Stichwort lautet Klimaschutzmanagement. „Klimaschutz ist eine Managementaufgabe“, sagt die Energieagentur Rhein-Sieg, an der Bad Honnef beteiligt ist. Die Fäden dafür laufen nun bei Schmidt zusammen. „Programmmanagement Klimaaktivitäten“ hat sie überschrieben, was sie in einem ersten Fahrplan bis August 2021 umsetzen möchte. Bei null beginnen muss sie nicht. Neben Einzelmaßnahmen wie den genannten hat der Stadtrat die Fokusberatung Klimaschutz auf den Weg gebracht, die im Zuge der nationalen Klimaschutzinitiative gefördert wird. Der erste Förderbescheid liegt schon vor. Ziel ist es zunächst, alle Einzelprojekte zu bündeln. Es folgen ein integriertes Klimaschutzkonzept und dessen Umsetzung. Gegründet wurde zudem ein Bad Honnefer Klimabeirat, in dem Experten etwa für Stadtökologie, Mobilität, Energie und Artenvielfalt vertreten sind und die Stadt beraten.

Der Jugend kommt eine besondere Rolle zu. Und sie nimmt sie rege wahr, so im Netzwerk „Bad Honnef lernt Nachhaltigkeit“, in dem seit Jahren Hunderte Kinder und Jugendliche zu Nachhaltigkeits-Botschaftern werden. „Die Klimakrise ist eine reale Bedrohung für die menschliche Zivilisation. Die Bewältigung der Klimakrise ist die Hauptaufgabe des 21. Jahrhunderts“, heißt es bei „Fridays for Future“. Wer will dem widersprechen?