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Landratskandidaten im Rhein-Sieg-Kreis: Videodebatte zu den Themen Wohnen und Pflege

Landratskandidaten im Rhein-Sieg-Kreis : Videodebatte zu den Themen Wohnen und Pflege

Sozialverbände haben die Landratskandidaten im Rhein-Sieg-Kreis in einer Videokonferenz zu sozialpolitischen Themen befragt. Bei Wohnen und Pflege zeigen sich zum Teil große Unterschiede.

Wo sind die sozialpolitischen Unterschiede der Landratskandidaten? Die AG Wohlfahrt im Rhein-Sieg-Kreis befragte am Montag bei einer Wahl-Videokonferenz Sebastian Schuster (CDU), Denis Waldästl (SPD), Christian Koch (FDP), Michael Otter (Linke) und Wilhelm Windhuis (Grüne). Patrick Ehmann, Sprecher der AG und Geschäftsführer der Diakonie An Sieg und Rhein, und der Geschäftsführer des Paritätischen im Rhein-Sieg-Kreis, Reiner Mathes, moderierten.

■ Thema Wohnen: Die Wohnsituation beschäftigte die Runde am stärksten. Immerhin müssen laut einem Gutachten des Kreises bis 2030 zusätzliche 30 000 Wohneinheiten geschaffen werden. Vor allem die Bevölkerungsgruppen mit schmalerem Portemonnaie haben zunehmend Probleme, bezahlbaren Wohnraum zu finden, darauf wiesen die Sozialverbände hin.

„Die Bautätigkeit nahm 2019 im Vergleich zum Vorjahr zwar um 15 Prozent zu, das reicht aber nicht, um den zu erwartenden Bedarf bis 2030 zu decken“, gab Schuster zu. Aber die Bereitschaft in den einzelnen Kommunen, die vorrangig dafür zuständig sind, sei recht unterschiedlich, und als Landrat könne er da nur gut zureden. „Ich werde nach der Wahl auf die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zugehen und konkrete Vorschläge machen, wie es weitergehen kann“, versprach Schuster.

Die Forderungen seiner Mitbewerber nach einer aktiveren Rolle des Kreises über die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) nannte Schuster eine „unsinnige Forderung“, zumal der Kreis ja nur einer von zwölf Gesellschaften sei und längst nicht alle Kommunen in der GWG seien.

Windhuis vertrat die Grünen in der Runde, weil die Partei keinen Landratskandidaten aufgestellt hat. Er appellierte an alle Parteien, beim sozialen Wohnungsbau an einem Strang zu ziehen. „Bei der Arrondierung am Alfterer Rathaus hatten wir ursprünglich geplant, 50 Prozent der Wohnungen öffentlich zu fördern. Nachdem es Protest aus der Bevölkerung gab, knickten etliche Fraktionen ein, sodass am Ende nur 20 bis 25 Prozent preiswerter Wohnraum angeboten werden konnten.“

Waldästl wies darauf hin, dass der Kreis immerhin 61,86 Prozent der GWG halte. Außerdem könnte der Kreis die Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau nutzen, statt diese an Privatinvestoren zu verteilen, sagte der SPD-Kandidat. Und auch die Wohnraumberatung könnte personell gestärkt und der Ausbau von Dachgeschossen und die Bebauung von Baulücken forciert werden. „Wenn man den Anspruch als Landrat hat, den Kreis gestalten zu wollen, dann geht das auch“, sagte Waldästl.

Otter wies darauf hin, dass der Kreis selbst Eigentum habe und auch Eigentum erwerben könne, um selbst zu bauen. „Als Landrat würde ich nicht abwarten, bis andere etwas tun, sondern selbst etwas machen.“ Es sei nicht so einfach, wie es sich SPD und Linke vorstellen, meinte FDP-Mann Koch. Einschränkungen durch Lagen und andere Strukturanforderungen seien über den Kreis hinweg sehr unterschiedlich.

Thema Pflege: Ähnlich kontrovers ging es bei diesem Thema zu. Waldästl plädierte für eine Vernetzung des Pflegeplans mit einem Gesundheitskonzept, weil immer weniger Ärzte bereit seien, in ländlichen Gebieten zu praktizieren. Für ihn sei es sogar denkbar, dass der Kreis einen eigenen Pflegebetrieb aufbaut. Auch Otter meinte, wegen des demografischen Wandels müsse der Kreis sich stärker in der flächendeckenden gesundheitlichen Versorgung einbringen. Windhuis und Schuster verwiesen auf Gutachten, die auf den Weg gebracht worden seien. Die Ergebnisse müssten abgewartet werden.

Schuster betonte, mit ihm seien weitere staatliche Übernahmen von Krankenhäusern und Pflegebetrieben nicht zu machen, was Koch begrüßte. Schuster möchte eine Pflegeschule gründen, um die Ausbildung entsprechenden Personals sicherzustellen. Theresia Engel von der Caritas Rhein-Sieg sagte indes, dass die Ausbildung nicht das Problem sei, sondern junge Leute für diese Tätigkeiten zu gewinnen.