1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Bornheim

Gottesdienste nach der Flutkatastrophe: Gemeinsame Gebete und stille Fürbitten sollen Betroffenen Hoffnung bieten

Gottesdienste nach der Flutkatastrophe : Gemeinsame Gebete und stille Fürbitten sollen Betroffenen Hoffnung bieten

Bei Gottesdiensten in Kardorf und Heimerzheim erinnern Gläubige gemeinsam an die durchstandene Zeit. Dabei stehen Trauer, Trost und Hoffnung für Flutbetroffene im Mittelpunkt.

Klage, Leid, Hoffnung, Zuversicht: In einer Andacht in der Kardorfer Pfarrkirche und bei einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Heimerzheimer Höhenring dankten Christen in den vergangenen Tagen den zahllosen Helfern für ihren selbstlosen Einsatz während der Flutkatastrophe. Zugleich appellierten die Gläubigen an Gottes Unterstützung. Sie baten um Mut, Kraft und Hoffnung.

Gemeinsames Trauern in Heimerzheim

Über 120 Swisttaler beteten auf dem Parkplatz neben der Dreifachturnhalle in Heimerzheim gemeinsam mit Vertretern aller örtlichen christlichen Gemeinden. Stille Fürbitten, gemeinsamer Gesang und instrumentale Musik ergänzten die Gebete. In der Dramaturgie des Gottesdienstes thematisierten sie Klage, Leid und Hoffnung der Menschen.

„Wir sind hier, um gemeinsam zu trauern. Wir in Swisttal haben erfahren, dass Menschen aus der Nachbarschaft geholfen haben. Das hat uns über Konfessions-, Vereins- und Dorfgrenzen hinweg verbunden. Wir sind dankbar für die Hilfe und voller Hoffnung“, sagte dabei Pfarrerin Claudia Müller-Bück. Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner zeigte sich dankbar für die Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer, ohne „die alles noch viel schlimmer wäre. Die Hilfe gibt uns Kraft“.

Das Leid lässt sich nicht wegtrösten

Dass die Betroffenen Hoffnung für die Zukunft brauchen, betonte Albrecht Roebke, Koordinator der Notfallseelsorge für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis. Dabei sei es wichtig zu verstehen, dass Trost und Hoffnung nicht von außen an die Menschen herangetragen werden könnten, sondern nur die Betroffenen selber dazu in der Lage seien. „Wenn Menschen alles verlieren, gibt es keinen Trost. Das Leid können wir nicht wegtrösten, sondern wir müssen es ernst nehmen. Erst daraus schöpfen die Menschen selber die Kraft, weiterzumachen. Diese Kraft müssen wir als Geschenk annehmen“, so Roebke.

 Über 120 Menschen beten gemeinsam beim ökumenischen Gottesdienst in Heimerzheim.
Über 120 Menschen beten gemeinsam beim ökumenischen Gottesdienst in Heimerzheim. Foto: Axel Vogel

Eine Flut-Madonna gelangte aus Swisttal nach Kardorf

Um Beistand und Segen baten auch die Gläubigen in Kardorf. Im Rahmen der Gottesdienstreihe „Haltestelle“, einem Format zum Innehalten mit Gebet, Musik und Meditation, hatte der Liturgiekreis um die Vorsitzende Anne Lange und Eva Festerling die Andacht gestaltet. „Wir möchten die Trauer um die Toten und Vermissten und unsere Hilflosigkeit zum Ausdruck bringen. Wir bitten um Beistand für alle, die irgendwie betroffen sind“, so Festerling im Vorfeld. Zwischen den Bänken in der St. Joseph-Pfarrkirche stand dabei die „Flut-Madonna“.

Gemeindereferentin Ute Trimpert, seit Wochen im Katastrophengebiet in Odendorf und Heimerzheim unterwegs, hatte die Figur nass und schlammbedeckt aus einem Berg von Gegenständen vor einem Haus gerettet. Mitgebracht hatte die Seelsorgerin auch Scherben eines Tellers. Diese entsorgten Gegenstände, die Trimpert vor den Haustüren gesehen habe, seien für sie kein Müll, sondern verlorene Erinnerungen.

Mut und Zuversicht werden gebraucht

„Trotz Flut gibt Gott den Menschen Hoffnung weiterzumachen. Ein Zeichen sind dabei die Menschen, die helfen. Sie sind der verlängerte Arm Gottes“, sagte Lange. Sie thematisierte auch die Bedeutung von Hochwasser in allen Kulturen im Laufe der Menschheitsgeschichte am Beispiel der Sintflut und des Baus der Arche durch Noah. Mut und Zuversicht konnte unter anderem die Mertenerin Doris Schmidt gerade gut gebrauchen: „Eine Angehörige von mir wird noch in Ahrweiler vermisst“.