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Landgericht Bonn: Männer gestehen Überfall auf Spielhalle in Bornheim

Prozess am Landgericht : Männer gestehen Überfall auf Spielhalle in Bornheim

2800 Euro erbeuteten die Täter bei einem Überfall auf eine Spielhalle in Bornheim. Ein Angeklagter wollte sich verlorenes Geld zurückholen. Vor Gericht gestanden die Angeklagten die Tat. Was waren ihre Motive?

Es war alles geplant: Nachts um 1 Uhr, in der Spielhalle in Bornheim war nicht mehr viel los, ging einer der Gäste unbemerkt zur Hintertür und ließ einen bis auf die Augen schwarz vermummten Räuber rein: „Geld her, alles Geld her!“, brüllte der bewaffnete Täter den Mitarbeiter der Spielhalle an und bedrohte ihn mit einem Messer.

Der 33-Jährige versuchte sich gar nicht erst zu wehren, öffnete die Kasse mit den Tageseinnahmen. Der Räuber griff zu und forderte „noch mehr Geld“ aus dem Tresor: Der Mitarbeiter zog den Tresorschlüssel aus der Hosentasche, öffnete den Safe und überreichte einen Beutel mit Geldscheinen. Zum Abschied griff der nächtliche Besucher noch nach zwei Gläsern mit Münzgeld und verschwand wie gekommen durch die Hintertür. Der vermeintliche Spielgast bot sich anschließend der Polizei als Zeuge an und berichtete von dem gerade erlebten Kriminalfall, den er selbst mitinszeniert hatte.

Anklage: Erpressung und Raub

Vor dem Bonner Landgericht müssen sich seit Dienstag die mutmaßlichen Täter, 34 und 42 Jahre alt, wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung sowie schweren Raubes verantworten. Nach dem 8. August 2020 hatte es einige Monate gedauert, bis die Ermittler den beiden Angeklagten auf die Spur kamen: Schließlich jedoch konnte über die Handyauswertung auch der vermeintliche Augenzeuge als Mittäter enttarnt werden. Unter anderem hatte der 42-Jährige dem Jüngeren, der vermummt vor der Hintertür wartete, per Whats-App das Signal zum Raub-Start gegeben. „Komm rein“, simste er von innen, und öffnete die Tür.

Beide Angeklagten legten am Dienstag Geständnisse ab. Gravierende Abweichungen gab es nur über die Hintergründe. Der 34-jährige Frontmann beteuerte, dass der Mitangeklagte sein Kokaindealer gewesen sei, bei dem er damals hohe Drogenschulden gehabt habe. Deswegen habe dieser ihn unter massiven Druck gesetzt, einen Raubüberfall zu begehen, um sich freizukaufen.

Spielsucht als Erklärung

Zunächst habe es sogar die Idee gegeben, eine Juwelierin zu überfallen, die täglich „mit zwei dicken Koffern voller Schmuck“ ihr Ladenlokal verlasse. Aber das habe er abgelehnt. Dann die Spielhallen-Idee: Sein Dealer habe ihn unter Koks gesetzt und ihm sämtliche Raubutensilien von der Waffe bis zur Sturmhaube in einer Plastiktasche in dessen Keller deponiert. Von dort aus sei er nachts zu Fuß zur Spielhalle gegangen, die keine 300 Meter entfernt lag. Die Beute habe er später ungezählt dem Komplizen überreicht, er habe gerade mal 300 Euro und etwas Kokain bekommen.

Der 42-jährige Angeklagte, seit vielen Jahren spielsüchtig, ließ über seinen Verteidiger erklären, dass er in den Tagen zuvor viel Geld just in dieser Spielhalle verloren hatte. Darüber sei er „so traurig, so verzweifelt“ gewesen sei, dass er beschloss, es sich wieder zurückzuholen. Da er nicht „mutig“ sei, habe er den Part des Gastes übernommen und dem Jüngeren, der auch dringend Geld brauchte, die Rolle an der Front überlassen. Deswegen auch habe er von der 2800-Euro-Beute weniger als die Hälfte bekommen.

Der 42-Jährige hat allerdings vor Gericht entschieden bestritten, dass er jemals Drogen verkauft, noch mit Kokain gehandelt habe. Für den Prozess sind vier Verhandlungstage angesetzt.