1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Swisttal

Hochwasser in Swisttal: 100 Jahre alte spanische Krippe gerettet

Hochwasser in Swisttal : 100 Jahre alte Krippe aus der Flut gerettet

Gudrun Kaumann de Muñoz aus Odendorf kann ihre Freude noch immer nicht wirklich in Worte fassen: Ihre rund 100 Jahre alte Krippe aus Spanien konnte nach der Flut gerettet werden.

„Wir sind immer noch sprachlos. Nach den Ereignissen im Juli letzten Jahres hatten wir gedacht, unser Sohn hätte alle Teile entsorgt“, erzählt die pensionierte Lehrerin in ihrem Wohnzimmer in Odendorf, dass voller Erinnerungen steckt. Ihr Mann Pedro Muñoz Serrano hatte im Alter von fünf Jahren im nordspanischen Palencia begonnen, mit seiner Mutter und den Geschwistern um die Weihnachtszeit immer an den Häusern für die Krippe zu basteln. „Das war 1940, kurz nach dem spanischen Bürgerkrieg“, erinnert sich der 86-jährige Diplom-Volkswirt. „Die Heizung war noch nicht wieder in Betrieb, weshalb wir alle zusammen in der Küche saßen und uns beschäftigt haben.“

Die liebevoll verzierten schlichten Gebäude, die typische Häuser in Kastilien darstellen, geben auch die Geschichte der Familie Muñoz Serrano wieder. So findet man unter anderem eine Mühle und einen Esel, da der Großvater Müller war. Sie besteht überwiegend aus Materialien wie Schuhkarton und Wellpappe. Einige Teile wurden mit einer Mischung aus Mehl, Wasser und Gips bemalt und mit Eiweiß verklebt, manche wurden aber auch nur einfach zusammengenäht.

1993 zog die Krippe nach Odendorf um

1964 lernte Gudrun ihren Pedro während des Studiums bei einem Intensivkursus für Spanisch in Palencia kennen. Kurze Zeit später wurde geheiratet. Viele Jahre war das Ehepaar gemeinsam im Ausland unterwegs. 1979 zog man von Bonn nach Odendorf und nach dem Tod von Pedros Mutter 1993 holte man die Häuser und Figuren der Krippe nach Swisttal. Seit 2008 wurde sie für die Familie regelmäßig zu Weihnachten im Wohnzimmer aufwendig mit einem Diorama aufgebaut.

 Gudrun Kaumann de Muñoz und Pedro Muñoz Serrano vor der Krippe in ihrem Wohnzimmer in Odendorf.
Gudrun Kaumann de Muñoz und Pedro Muñoz Serrano vor der Krippe in ihrem Wohnzimmer in Odendorf.

„Und dann, zwei Tage vor Weihnachten, steht auf einmal unser Sohn Pedro mit seiner Familie und jeder Menge Kartons vor der Tür“ berichtet die 81-Jährige noch immer aufgeregt. Zusammen mit seiner Frau Uta, den Kindern Frida und Paula sowie der Freundin Blomma hatte der Bonner alle Gebäude der Familienkrippe repariert und ausgebessert sowie die zum Teil fast 100 Jahre alten Figuren vom Schlamm befreit.

Zahnstocher als Leitersprossen

„So wurden unter anderem fehlende Sprossen einer Leiter mit Zahnstochern durch die Enkelinnen ersetzt“, schildert Pedro Muñoz Serrano und fasst dann abschließend treffend zusammen: „Die Geschichte vom Zusammenbasteln an der Krippe ist jetzt nicht nur meine Geschichte, sondern auch die unserer Enkelkinder. Das hat mich sehr getröstet.“