1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Swisttal

Telekom nach Flut unter Druck: Wenn das Telefon in den Flutgebieten still bleibt

Telekom nach Flut unter Druck : Wenn das Telefon in den Flutgebieten still bleibt

Die Wiederherstellung von Festnetzanschlüssen kann noch drei Monate dauern. Der Netzbetreiber Telekom plant eine kostenlose Interimslösung.

Durch das Hochwasser fielen Strom und Kommunikation aus. Etliche Einrichtungen der Infrastruktur wurden beschädigt. Und bis jetzt, mehr als sieben Wochen später, sind nicht alle Häuser wieder ans Telefonnetz angeschlossen. Besonders betroffen ist da Heimerzheim, in Odendorf gibt es ebenfalls noch Haushalte ohne Anschluss.

Wobei das kuriose Fälle ergeben kann. Bei Familie Werner in Odendorf gibt es eine Zuleitung zum Haus. Innen sind zwei Wohnungen, eine mit Telekom-Festnetzanschluss, eine mit Anschluss über b:nt. Während ihre Schwiegermutter über die Telekom schon telefonieren konnte, so Frauke Werner, sei bei ihnen der andere Anschluss aber noch außer Funktion gewesen. An anderer Stelle in Odendorf ist die Verbindung nicht stabil, bricht immer wieder tage- oder stundenweise weg.

1000 weitere Anschlüsse in Arbeit

Den Anbietern ist das Problem bekannt. Zur Lage in Meckenheim, Rheinbach und Swisttal teilte Telekom-Sprecher Stephan Althoff mit: „In den genannten drei Gebieten waren von den heftigen Regenfällen und Fluten zusammen circa 10 400 Festnetzschlüsse der Telekom betroffen. Von diesen sind inzwischen knapp 80 Prozent wieder voll funktionsfähig. Weitere circa 1000 Anschlüsse werden wir sukzessive in den kommenden Wochen in Betrieb nehmen können, der Rest wird sich leider aufgrund der besonders schweren Zerstörungen länger als drei Monate hinziehen.“

Betroffen war in den Flutregionen auch der Mobilfunk. Da Helfer und Hilfsorganisationen auf diesen angewiesen waren, habe sich die Telekom zunächst um dessen Wiederherstellung bemüht. „Unser Mobilfunknetz war trotz der massiven Beschädigungen nach kurzer Zeit zu 90 Prozent, nach einer Woche zu 100 Prozent wieder verfügbar“, so die Information der Telekom.

Mobilfunk war und ist darüber hinaus für viele die Lösung, um wieder auf das Internet zugreifen zu können. Die Telekom verteilte beispielsweise in den betroffenen Gebieten LTE-Router mit einem Starterpaket und einem inkludierten Datenvolumen von 60 Gigabyte. Diese Beschränkung hatte schon Fragen aufgeworfen. Dem GA schrieb Althoff für die Telekom allerdings, dass betroffene Kunden kostenlos Datenvolumen nachbuchen könnten. Außerdem sei geplant, den eigenen Kunden kostenlose Interimslösungen auf LTE-Basis für zwölf Monate zur Verfügung zu stellen. Nützlich sind die aber nur, wenn das Mobilnetz auch die entsprechenden Kapazitäten aufweist, was nicht bei allen Telekom-Nutzern immer der Fall war.

Engpässe weiterhin möglich

„Aufgrund der vermehrten Nutzung unseres Netzes durch Kunden ohne funktionierenden Festnetzanschluss sowie der riesigen Zahl der Helfer und Einsatzkräfte in den Katastrophengebieten, die ebenfalls über ihre Handys kommunizieren, kann es in den ersten Wochen nach einer solchen Zerstörung natürlich zu temporären Engpässen kommen“, so die Telekom. Man erweitere daher kontinuierlich die vorhandenen Kapazitäten in den jeweiligen Regionen.

Für Gewerbetreibende, die mit Kunden in Kontakt bleiben, Warenbestellungen und oftmals auch größere Datenmengen versenden müssen, sind stabile Verbindungen existenziell. In Heimerzheim war die Frage der schnellen Internetverbindung für die Firma Hemgesberg schon vor Jahren Grund, über einen Umzug nachzudenken. Damals gelang es, eine eigene Glasfaserleitung legen zu lassen, die das Hochwasser überstanden hat. „Wenn wir keine Glasfaser hätten, könnten wir unsere Arbeit nicht tun“, so CEO Günther Hemgesberg.

13 Arbeitsplätze im Ort hängen daran, unter anderem Betreuen sie Webauftritte von Firmen in der Automobilbranche. Diese schnelle und, wie sich gezeigt hat, hochwassersichere Leitung koste aber einen höheren dreistelligen Betrag jeden Monat.