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Neue Eishockey-Saison: Wo die Kölner Haie künftig spielen, ist noch ungewiss

Neue Eishockey-Saison : Wo die Kölner Haie künftig spielen, ist noch ungewiss

Die Kölner Haie sind ihrer Rettung dank der Unterstützung der Dauerkarten-Inhaber ein großes Stück nähergekommen. Möglicherweise wird das Team seine Heimspiele in der nächsten Saison nicht in der Lanxess Arena bestreiten.

Die Kölner Haie können sich auf ihre Fans verlassen. Obwohl die vergangene Saison einem sportlichen Fiasko gleichkam, waren durchschnittlich 13 333 Besucher zu den Hauptrunden-Heimspielen in die Lanxess Arena geströmt. Damit schwang sich der KEC zum Zuschauerkrösus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) auf. Als es nun darum ging, den von der Pandemie hart getroffenen achtfachen Meister vor einem finanziellen Desaster zu bewahren, waren die Haie-Fans erneut zur Stelle.

Dank ihrer großen Beteiligung an der „#immerwigger“-Rettungsaktion befindet sich das Urgestein des deutschen Eishockey-Oberhauses auf einem guten Weg, die ursprünglich millionengroße Etatlücke komplett zu schließen. Rund eine Woche vor der entscheidenden Gesellschafterversammlung der DEL am 19. November ist eine Kölner Zusage zur Teilnahme an der kommenden Erstliga-Saison in „greifbare Nähe“ gerückt, wie Philipp Walter bei einem Zwischenfazit am Donnerstag erleichtert resümierte.

Noch kann der Geschäftsführer des KEC aber nicht endgültig Entwarnung geben. Zum einen steht noch die Bewilligung der beantragten 800.000 Euro an staatlichen Hilfen aus. Zum anderen fehlen noch etwa 140.000 Euro aus dem Verkauf weiterer symbolischer Unterstützerkarten. Einen entscheidenden Beitrag zu der sich abzeichnenden Sicherung des Eishockey-Standorts Köln haben die Dauerkartenbesitzer geleistet. Der Großteil der 5000 Inhaber eines Saisontickets gab sein Einverständnis, trotz des wahrscheinlichen Zuschauerverbots auf eine Rückerstattung des bereits bezahlten Beitrags in Teilen oder sogar komplett zu verzichten.

Haie-Chef Walter sprich von "Riesen-Push"

Damit überlassen die Stammbesucher ihrem Club in der Summe rund 500.000 Euro. Haie-Chef Walter sieht darin einen „Riesen-Push, um unser Ziel zu erreichen“. Zusammengerechnet mit dem Verkauf der Unterstützerkarten (bis Donnerstag waren etwa 36.000 der zehn Euro kostenden Tickets abgesetzt), hat sich der KEC seinem Vorhaben, eine Million Euro zu generieren, deutlich angenähert. Wie aus Clubkreisen zu hören ist, legt Frank Gotthardt auf genau dieses Signal aus der Kölner Bevölkerung großen Wert. Denn den alleinigen Retter in der Not will der Koblenzer Unternehmer und Hauptgesellschafter der Haie nicht spielen.

Offen ist noch, wo der KEC seine Heimspiele in der kommenden Saison austragen würde. Angesichts drohender leerer Ränge stellt ein Umzug in das ebenfalls zur Lanxess Arena gehörende Trainingszentrum der Haie an der Gummersbacher Straße eine ernsthafte Option dar. Stefan Löcher kündigte eine „sehr zeitnahe“ Entscheidung an. „Wir führen ergebnisoffene Gespräche, weil es für beide Spielorte Argumente gibt“, berichtete der Geschäftsführer der Lanxess Arena.

Ziel sei es, „eine tragfähige Lösung für beide Seiten zu finden“. Die Herausforderung bestehe darin, „dass wir überhaupt nicht wissen, wie sich das Pandemie-Geschehen weiter entwickelt. Sollten Geisterspiele während der kommenden Eishockey-Saison aufgehoben werden, wollen wir nicht ständig zwischen der Lanxess Arena und dem Trainingszentrum hin und her wechseln“, sagte Löcher.

Trainingszentrum müsste umgebaut werden

Deutschlands größte, bei Eishockeyspielen 18.600 Zuschauer fassende Multifunktionshalle ist seit 1998 die Heimat der Haie. Das benachbarte Trainingszentrum bietet dagegen nur 500 Besuchern Platz und müsste unter anderem noch fernsehtauglich umgebaut werden. Gelingt die Rettung, würde Trainer Uwe Krupp mit seinem Team Anfang Dezember in eine auf wenige Wochen verkürzte Saisonvorbereitung starten. 

Weitere Neuzugänge neben Torhüter Justin Pogge (34 Jahre), Center James Sheppard (32/beide Eisbären Berlin) und Offensiv-Verteidiger Maury Edwards (33/ERC Ingolstadt) sind trotz Kurzarbeit und des Verzichts der Profis auf bis zu 60 Prozent ihrer Gehälter nicht realisierbar. „Wir müssten unsere sportlichen Ziele neu ausrichten“, meinte Krupp. „Gleichzeitig wäre dies aber eine riesige Chance für die jungen Spieler.“