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Otto-Kühne-Schule: Alles über Tucholsky

Otto-Kühne-Schule : Alles über Tucholsky

"Tucholsky stirbt, als er alles weiß und nichts mehr kann." Mit diesen Worten beschließt Oliver Steller seinen kleinen feinen Lebenslauf über Kurt Tucholsky, geboren 1890 in Berlin "mit ungeheuren Nasenlöchern". Und damit eröffnet der Rezitator seinen Reigen an Texten des Journalisten und Schriftstellers, die er seit 2000 seinem Publikum in Wort und Lied präsentiert. Am Donnerstag war er mit diesem Programm in der Otto-Kühne-Schule (Päda), an der er selber 1987 das Abitur gemacht hat.

Tucholskys Scharfzüngigkeit spiegelt sich in nahezu jedem Text wider. So zitierte ihn Steller in der voll besetzten Aula mit der Frage: "Hochverehrtes Publikum, sag mal, bist du wirklich so dumm?" Ein Gedicht über das, was Verleger und Filmemacher dem Kultur konsumierenden Volk als Geschmack unterstellen.

Man erfährt über das "deutsche Schicksal, vor einem Schalter zu stehen", und das "deutsche Ideal, hinter dem Schalter zu stehen", einem Zustand, dem er durch Emigration entkommen wollte. Steller präsentierte einen Zeitungsartikel über einen Sanatoriumsaufenthalt, stellte mit Tucholsky fest, "der Reichtum ist der Lohn des Bösewichts", und erläuterte dessen Vermutung, der Nachruf auf seinen Tod sei ein einsilbiges "Ach".

Steller war zum vierten Mal im Päda. Inzwischen hat er 15 Bühnenprogramme - erstaunlich, dass er laut Lehrerin Andrea Wackertapp kein guter Deutschschüler gewesen sein soll - und bereitet mit Christian Morgenstern ein neues vor. Viel Arbeit: "Ich muss das Gesamtwerk und Sekundärliteratur lesen, viel auswendig lernen und Musik komponieren."