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Große Ehre für Godesbergerin: Frauen müssen ihre Chance bekommen

Große Ehre für Godesbergerin : Frauen müssen ihre Chance bekommen

Als ausgebildete Erzieherin und Mutter von vier Kindern schaffte sie es in einflussreiche überregionale Leitungsämter: Hildegard Rometsch erhielt im Alten Rathaus das Bundesverdienstkreuz.

Eines zieht sich wie ein roter Faden durch Hildegard Rometschs von ehrenamtlichem Engagement geprägtes Leben: „Mir ging es immer darum, dass Frauen ihre Chance bekommen, zu zeigen, was in ihnen steckt,“ führt die 81-Jährige aus. Rometsch, die am Freitag im Alten Rathaus das Bundesverdienstkreuz erhielt, ist selbst das beste Beispiel dafür. Als ausgebildete Erzieherin und Mutter von vier Kindern schaffte sie es in einflussreiche überregionale Leitungsämter: Sie war von 1990 bis 1998 Diözesanvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), von 1996 bis 2006 Beraterin der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, von 2002 bis 2005 Bundesvorsitzende der Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Müttergenesung und von 2008 bis 2017 Vorsitzende des donum vitae-Regionalverbands Bonn/Rhein-Sieg, um nur einige Ämter zu nennen.

„Meine berufliche Tätigkeit war eigentlich das Ehrenamt, das sich im kirchlichen Umfeld bewegte“, bewertet Rometsch selbst ihre Leistung. „Und ein Amt hat dann eigentlich immer wieder das nächste ergeben.“ Eine Zeitlang habe sie 60-Stunden-Ehrenamtswochen gelebt. „Und dabei eines meiner Kinder unter den Arm geklemmt, und los ging’s“, berichtet die 80-Jährige schwungvoll. Rometsch stammt aus der bekannten Godesberger Politikerfamilie Hauser. Sie war eines von neun Geschwistern. „Und zwar eines in der Mitte. Ich hatte immer eine vermittelnde Rolle“, blickt sie zurück. Das habe sie ebenso geprägt wie die im besten Sinne katholische Erziehung. „Jeder hat bei uns frei seinen eigenen Weg finden können.“ Bei ihr ging es in den Erzieherinnenberuf: Sie sei in den Kindergärten am Clara-Fey-Gymnasium und an der Kirche Frieden Christi beschäftigt gewesen. Bevor es eben nach der vierten Geburt ins Ehrenamt ging.

Mit einer weiteren Frau im Gremium taktisch Gehör verschaffen

„Erst habe ich es weit von mir gewiesen, in einem Frauenverband mitzuarbeiten“, erinnert sich Rometsch schmunzelnd. Dann habe sie sich die Akten der Katholischen Frauengemeinschaft aber näher angeschaut und verstanden, dass sie hier auch in spannende politische Arbeit hineinkommen konnte. Denen, die sie beriefen, habe sie als „nicht radikal“ gegolten, sagt die Godesbergerin lächelnd. „Die haben gedacht: Mit der gehen wir kein Risiko ein.“ Und anfangs hätten die Herren in den Gremien ihr auch brav Kaffee eingeschenkt. „Aber wenn ich etwas sagte, gingen sie einfach zur Tagesordnung über.“ Aber nicht mit Hildegard Rometsch. Sie habe sich eine weitere Frau ins Gremium geholt und sich mit ihr taktisch Gehör verschafft. Rometsch lacht.

Wichtig sei ihr vor allem die Arbeit des Vereins donum vitae, der nach dem für sie enttäuschenden Ausstieg der katholischen Bischöfe aus dem gesetzlichen Schwangerenberatungssystem 1999 gegründet wurde, berichtet die Powerfrau. „Diese Arbeit ist ein Seismograf unserer gesellschaftlichen Situation“, meint die Frau, die seit 2003 in Bonn/Rhein-Sieg die Vereinsarbeit mitgestaltete. Wenn Schwangere wegen Armut, Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot oder fehlender Kinderbetreuung keinen Nachwuchs wollten, dann gehe das uns alle an. Womit Rometsch wieder bei ihrem lebenslangen Engagement für Frauen angelangt wäre.