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Vebowag-Neubau in Plittersdorf: mehr Wohnungen auf altem Grundstück

Neubau der Vebowag in Plittersdorf : Bezahlbarer Wohnraum für die Bonner

Die Vebowag modernisiert ihren Bestand in Plittersdorf. 16 Wohnungen wurden abgerissen, 31 sind neu entstanden und weitere werden folgen. Die 63-jährige Mieterin Ute Krullmann profitiert von der Maßnahme.

Ausgerechnet die Küche! Drei Jahre lang hat Ute Krullmann nach einer Wohnung gesucht und nun scheitert der Umzug an der Küchenzeile. „Ich wollte sie mir nicht online zusammenstellen, aber die Termine sind dank Pandemie rar und die Lieferzeiten lang“, erzählt sie, während sie in der noch leeren Wohnung am Ende der Steinstraße steht. So zahlt sie seit dem 1. Juni Miete, ohne etwas von den „2ZKDB“ zu haben.

Krullmann hat sich in Mehlem wohlgefühlt und die Entscheidung, das nach vielen Jahren aufzugeben, war eine der Vernunft. „Ich gehe bald in Rente, dann brauche ich was Bezahlbares und fürs Alter Passendes“, betont die 63-Jährige. Sie meldete sich vor drei Jahren bei der Stadt als suchend für eine geförderte Wohnung. Ihr künftiges Zuhause ist der gerade fertiggestellte Neubau der Vebowag. „Den Bau aus den 50er Jahren, der vorher hier stand, haben wir abgerissen“, erzählt der Vorstand der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, Michael Kleine-Hartlage vor der Haustür.

Von 2700 Wohnungen sind bislang 540 saniert

Vorher gab es an dieser Stelle 16 Wohnungen, die nicht mehr zeitgemäß waren. Jetzt sind es 31, sodass sich die Investitionskosten von insgesamt 5,4 Millionen Euro für den Vorstand rechnen: „Wir erzielen durch solche Maßnahmen einen doppelten Effekt. Wir schaffen modernen Wohnungsbau, und wir verdoppeln auf eigenem Grundstück die Wohnfläche.“ Zudem bleibe die zusätzliche Versiegelung überschaubar, Bäume seien erhalten worden. Aber warum gerade die Steinstraße? „Wir schauen regelmäßig die Bestände durch nach ökologischen Gesichtspunkten, aber auch, was abgeschrieben ist“, sagt Kleine-Hartlage.

Dabei bedeutet der südlichste Bonner Stadtbezirk für die Vebowag sozusagen einen verlässlichen Posten in Sachen Arbeit. „Es ist unser größter Wohnstandort, und wir haben überwiegend ältere Bestände“, führt Kleine-Hartlage aus. Von 2700 Wohnungen seien in den vergangenen Jahren 540 saniert oder neugebaut worden, durch Nachverdichtung oder Dachausbau wie auch in der Amerikanischen Siedlung. „Ich kenne keinen Anbieter hier, der eine solche Stückzahl vorweisen kann“, meint der Vorstand.

Grundstücke sind Mangelware

In der ganzen Stadt gibt es 6500 Wohnungen, mit eher jüngeren Beständen in Bonn und Beuel. Er würde gerne 200 Wohnungen in Bonn pro Jahr schaffen. „Aber das gelingt nur, wenn wir Bauabschnitte von mindestens 70 Wohnungen am Stück haben“, betont er. Und Grundstücke dafür, die sind wie bei Privatleuten auch Mangelware.

Über 50 bis 70 Jahre würden die Häuser abgeschrieben, eins dieser alten Schätzchen steht direkt gegenüber des Neubaus und wird gerade ausgeschlachtet. „Hochparterre und kein ausgebautes Dach, zudem bis vor wenigen Jahren noch Kohleheizung“, sagt Martin Krüger, der als Kundenbetreuer der Vebowag in Bad Godesberg arbeitet. Husch, husch, seien diese nach dem Krieg hochgezogen worden und böten wenig Qualität, ergänzt sein Chef. Dafür aber eine Miete von 4,20 Euro pro Quadratmeter. „Bei unseren moderneren Wohnungen sind es durchschnittlich 5,80 Euro, auf dem freifinanzierten Markt gibt es kaum was unter 10 Euro“, preist er die Vebowag an. Wobei man bei aktuellen Neubauten durch Verteuerungen schon eher bei sieben Euro pro Quadratmeter liege, schiebt er hinterher. „Also etwas bei zehn Euro warm pro Quadratmeter, noch ohne Strom, Telefon und Internet“, sagt Kleine-Hartlage und betont, dass das an Fixkosten schon eine Hausnummer für manchen Mieter sei.

Gähnende Leere in der Tiefgarage

Was aber, wenn der für den Abriss seines Blocks umziehen muss und sich in einer zeitgemäßeren Wohnung Fußbodenheizung und Balkon nicht leisten kann? „Dann finden wir etwas in unseren älteren Beständen“, garantiert der Vebowag-Vorstand. Während die 31 Wohnungen zwischen 39 und 89 Quadratmeter alle schnell belegt waren, herrscht in der Tiefgarage gähnende Leere. „Von den 13 Pflichtplätzen, die wir bauen mussten, sind zwei belegt“, ärgert sich Kleine-Hartlage. Es gebe fünf bis sechs Nachfragen von außerhalb, erzählt Krüger. Und dass dies grundlegend so sei, bei allen Anlagen. „Von unseren Mietern können sich viele kein Auto leisten, weshalb der neue Schlüssel für uns von 0,5 Plätzen pro Wohnung ausreicht“, sagt sein Chef. Wobei sich die mit Auto natürlich auch kostenlose Parkplätze im Umfeld suchen können.

Probleme, die Mieterin Krullmann nicht hat. Sie überlegt schon fleißig, wohin welches Möbelstück passen könnte, freut sich auf die barrierefreie Dusche und den Juli. Dann soll die Küche kommen.