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Erstes Oldtimer-Treffen in Beuel nach der Corona-Zwangspause: Mit 115 Jahren der Älteste im Feld

Erstes Oldtimer-Treffen in Beuel nach der Corona-Zwangspause : Mit 115 Jahren der Älteste im Feld

Die Interessengemeinschaft „Beueler Oldtimerfreunde Schääl Sick“ hat ihre mobilen Vehikel aus den Garagen geholt und am Rheinufer präsentiert.

Das älteste Fahrzeug unter den Oldtimern, die sich bei einem Autotreffen am Sonntagnachmittag auf dem Beueler Rheinufer sonnten, war wohl das von Dirk Kümper. Sein blauer Charron HP12 wurde im Jahr 1907 in Frankreich hergestellt und hat somit 115 Jahre auf dem Buckel. Viele Passanten blieben vor dem Automobil stehen und machten dem Besitzer Komplimente.

„Vor 20 Jahren habe ich das Fahrzeug zufällig gesehen und mich direkt verliebt“, erzählte Kümper. Wie viel Geld der 67-jährige Königswinterer dafür ausgegeben hat, wollte er dem GA nicht verraten. „Geld ist zum Wert immer relativ“, sagte er. Seitdem fordert der Oldie viel Zuwendung und Pflege: „Ein Ausflug bedeutet eine Woche Arbeit am Auto“, rechnet Kümper vor. Das Auto sei aber in einem guten Zustand.

Umweltfreundliche Raffinessen

Um das Material, an die heutige Zeit anzupassen, sei die Maschine regelmäßig überholt worden. Außerdem gebe es bei dem Charron einige „technische Raffinessen“. Damit das Öl beim Fahren nicht in der Umwelt landet, bekam das Fahrzeug eine Ölschleuderschmierung als Verlustschmierung – ein Auffangbehälter wurde installiert. Als der einmal der Vergaser aufgrund seiner nahen Bauweise zum Auspuff in Brand geraten war, wurde die veraltete Technik neugestaltet.

Auf Deutschlands Straßen darf Kümper mit seinem Oldie fahren, auch wenn die Strecken nicht weiträumig ausfallen dürfen. „Die Geschwindigkeit liegt maximal bei 45 km/h.“ Angesprochen auf sein Hobby, kam der Fahrer regelgerecht ins Schwärmen: „Es ist einfach etwas anderes einen Oldtimer zu fahren, weil es nicht mehr viele von den Modellen gibt. Es fällt eben aus der Reihe und das ist ein schönes Gefühl.“

In Deutschland gibt es laut Kümper sein Charron nur einmal – auf der Welt sollen insgesamt drei Exemplare existieren. „Das sind die letzten, die es davon noch gibt“, weiß Kümper. Letztlich sei es aber egal, welche Seltenheit, welche Marke oder welches Baujahr ein Fahrzeug habe, denn jeder Oldtimerbesitzer sei einfach stolz auf sein Fahrzeug, erklärt der Fahrer.

Von Trabant bis Porsche

Und die Geschmäcker waren auf dem Oldtimertreffen weitgefächert: Trabant, Opel Kadett C, Mercedes 220 S, Chevrolet Corvette und verschiedene Fahrzeuge der Marke Porsche reihten sich am Nachmittag am Rheinufer auf.

Zur Spitzenzeit zählte die Interessengemeinschaft „Beueler Oldtimerfreunde Schääl Sick“, der Ausrichter des Treffens, zwischen 90 und 100 Fahrzeuge. „Wir haben auch teilnehmende Fahrzeige, die gerade die 30 Jahre überschritten haben“, sagte Jürgen Buchmüller (59). Ab dem 30. Jahr dürfen Fahrzeuge als Oldtimer bezeichnet werden.

Nach den Corona-Jahren hatten die Oldtimerfreunde aus Beuel mit vielen Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen, berichtete Buchmüller, der auch stellvertretender Vorsitzender ist. „Wir haben jetzt alles mobilisiert, um dieses Treffen erstmalig nach der Corona-Pause möglich zu machen und ich glaube, dass die Teilnehmer und Besucher nun zufrieden sind.“ Vorerst sei aber kein weiteres Event geplant, sagt Buchmüller.

„Wir müssen zunächst gucken, welchen Zuspruch wir weiterhin bekommen.“ Derzeit hat der Verein zehn aktive Mitglieder und ist deshalb auf der Suche nach Menschen, die gerne Mithelfen wollen, und die Begeisterung für alte Fahrzeuge und dessen Technik teilen. Der Besitz eines Oldtimers sei für eine Mitgliedschaft aber nicht notwendig, betont Buchmüller. „Interessierte können sich gerne bei uns auf der Homepage melden.“ Das treffen fand am Sonntag in Kooperation mit einem Antimarkt statt.