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Erfolgreiche Zucht: Nachwuchs bei alten Schafrassen in Beuel

Erfolgreiche Zucht : Nachwuchs bei alten Schafrassen in Beuel

Auf einer Streuobstwiese am Rande des Ennertwaldes grasen friedlich Schafe. Besonders daran ist, dass es sich um zwei alte Schafrassen handelt. Hobby-Landwirt Rudolf Lensing-Conrady züchtet die Tiere erfolgreich. Derzeit springen zwölf Lämmer über die Wiese.

Hätten Sie es gewusst? Bei Coburger Füchsen und Rauhwollern handelt es sich um alte Landschafrassen. Wer diese urigen Grasfresser einmal aus der Nähe betrachten will, kann das bei einem Spaziergang auf den Ennertanhöhen zwischen Oberholtorf und Niederholtorf tun. Es lohnt sich derzeit besonders, weil die Mutterschafe in den Osterferien zwölf Lämmer geboren haben – weitere werden erwartet.

Hinter Hobby-Landwirt Rudolf Lensing-Conrady liegen anstrengende Tage: „Die Schafe sind zwar in der Lage, die Lämmer alleine zu gebähren, aber meine Frau und ich halten uns in der Nähe auf, um notfalls assistieren zu können.“ Der Schafsbock hat wieder ganze Arbeit geleistet: Sieben Muttertiere haben zwölf Lämmer zur Welt gebracht. Ein Mutterschaf steht kurz vor der Geburt.

 Coburger Füchse und Rauhwoller grasen friedlich auf der Wiese.
Coburger Füchse und Rauhwoller grasen friedlich auf der Wiese. Foto: Benjamin Westhoff

Alte Landschaf-Rasse 3000 Jahre alt

„Bei den Rauhwollern, die fachlich genau eigentlich Rauhwollige Pommersche Landschafe heißen, handelt es sich um eine ganz alte Rasse. Diese Tiere gab es schon vor mehr als 3000 Jahren. Sie waren vom Aussterben bedroht. Jetzt ist ihr Bestand Dank der Bemühungen der Zuchtverbände wieder gesichert“, berichtet Lensing-Conrady in einem Gespräch mit dem GA. Der 68-Jährige hält die kleine Herde als Rasenmäher ganzjährig auf seinen Streuobstwiesen.

Immer im Juni besucht ein Schafscherer die Herde und befreit die Tiere von ihrer dicken Wolle. Etwa 30 Kilogramm Wolle liegen danach im Stall und warten auf ihre Weiterverarbeitung. Dazu fährt Lensing-Conrady nach Bad Sassen in der hessischen Region Vogelsberg. Dort bringt er die Rohwolle in ein anthroprosophisches Dorf, wo Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen in Wohngemeinschaften leben. „Nachdem die Wolle gewaschen, kardiert und gesponnen ist, bleibt rund die Hälfte des Volumens übrig. Die Wolle kann man dann zum Stricken und zum Filzen verwenden“, sagt der Ruheständler und ehemalige Geschäftsführer des Bonner Fördervereins für Psychomotorik.

Im Herbst wird dann gemeinsam mit Ehefrau Barbara entschieden, welche Lämmer behalten und welche verkauft werden. Die Durchmischung seiner beiden Schafsrassen stuft er als erfolgreich ein, weil die Tiere seitdem widerstandsfähiger geworden sind – vor allem in Bezug auf Krankheiten. Nächster Saisonhöhepunkt auf der kleinen Farm ist die anstehende Obstblüte.  Der Start hängt vor allem von der Lufttemperatur ab. „Wird es wärmer, blühen die Bäume und fliegen die Bienen“, erklärt Rudolf Lensing-Conrady.