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Haus der Natur in Bonn: Künstlerin zeigt „Unscheinbare Schönheiten“

Ausstellung in Bonn : Künstlerin zeigt „Unscheinbare Schönheiten“ im Haus der Natur

Ellen R. Dornhaus stellt im Haus der Natur „Unscheinbare Schönheiten“ aus. Dabei zeigt sie Portraits von sowohl bekannten als auch unbekannten Wildkräutern, etwa Gundermann, Behaartes Schaumkraut und Petersilie – die Giftpflanze des Jahres.

Bald kann man das Behaarte Schaumkraut wieder sehen, lateinisch Cardamine hirsuta. Es blüht ab März, ebenso wie Glechoma hederacea, der Gundermann. Weil beide unter die Frühblüher fallen, hat Ellen R. Dornhaus diese beiden Kräuter auf einem Bild zusammengefasst. Beide wurden schön drapiert – sie werfen einen leichten Schatten auf den weißen Untergrund – und dann mit der hochauflösenden Digitalkamera abgelichtet.

So hat es Dornhaus mit etlichen Pflänzchen am Wegesrand gemacht. Oft übersieht man sie, das Schaumkraut zum Beispiel wächst vielleicht zehn Zentimeter hoch und wird von Gräsern oder anderen Pflanzen überragt. „Unscheinbare Schönheiten“ hat die Künstlerin deshalb ihre Ausstellung von Wildkräuter-Portraits im Haus der Natur genannt. Ihnen hat sie in den vergangenen Jahren ihre Aufmerksamkeit gewidmet, und ihre Bilder sind schöne Arrangements, die teils durch Schattenwurf eine scheinbare räumliche Tiefe erhalten. Ihr Vorbild, sagt sie, war Maria Sibylla Merian (1647-1717), eine Naturforscherin und Malerin, die Pflanzen und Insekten in Aquarellen festgehalten hat.

Die Ausstellung hatte sie schon vor Corona eigentlich für einen anderen Ausstellungsraum in Bad Godesberg zusammengestellt, erzählt sie. Aber der stand plötzlich nicht mehr zur Verfügung, dann kam Covid-19. Auf der Suche nach einem neuen Ort für die Werkschau kam Dornhaus auf das Haus der Natur, und dort war dieses Thema sehr willkommen. Man habe sie gebeten, bei der Auswahl Waldkräuter zu bevorzugen, sagt sie – der Kottenforst ist ja ringsherum, da könnte man nach Besichtigung der Ausstellung gleich losgehen und nach den gezeigten Pflanzen Ausschau halten.

Nicht alle Pflanzen auf den Bildern findet man im Wald, das Wilde Alpenveilchen etwa ist eher eine Wiesenpflanze. Es ist geschützt, wie auch die Christrose, und daran hält sich Dornhaus auch. „Aber ich habe sie im Garten angepflanzt.“ Dann dürfe sie sie auch abpflücken, um sie zu portraitieren. Die Bilder sind digital nachbearbeitet. „Das, was ich betonen will, kommt ja nicht durch das bloße Abbild heraus. Das bedeutet: Das, was ich sehe, muss ich durch die Technik verstärken.“ Ihr ist gelungen, den Kräutern eine eigene Ästhetik zu geben, manchmal wirken die Bilder wie Aquarelle.

Dornhaus kommt von der Malerei. Sie hat an der Düsseldorfer Hochschule für Bildende Künste zur Zeit von Josef Beuys Malerei studiert. Sie hat viel gemalt, aber seit 15 Jahren fotografiert sie. Jetzt hat sie also Blau blühendes Immergrün, Günsel und Hexenkraut aufgenommen, und die Brennnessel, vom Menschen ungeliebt, aber Nahrung für viele Raupen. Sie möchte damit auch etwas vermitteln. „Kräuter stehen sozusagen am Anfang unseres Lebens.“ Sie würden von vielen Bestäubern angeflogen, ohne die das Leben nicht funktionieren würde. Sie brauchten mehr Aufmerksamkeit, meint Dornhaus. „Bei Biodiversität ist meistens von Tieren die Rede, von den Pflanzen spricht niemand.“

Auch die Petersilie ist in der Auswahl, die man jetzt im Haus der Natur sehen kann – aus gutem Grund: Ausgerechnet des Deutschen liebstes Würzkraut wurde zur Giftpflanze des Jahres 2023 gekürt. „Wenn sie anfängt, zu blühen, sind die Blätter nicht mehr genießbar. Und die Samen sind giftig.“