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Neue Show in Bonn: GOP Theater begeistert Publikum mit „Freaks“

Neue Show in Bonn : GOP Theater begeistert Publikum mit „Freaks“

Seltsam und irre sind die Hauptdarsteller in der neuen Show „Freaks“ im GOP Varietétheater in Bonn. Doch die Außenseiter kommen beim Publikum gut an und haben einige Überraschungen parat.

Sie sind seltsam, sie sind irre, sie sind anders: Die bärtige Lady und die Spinnenfrau, die Schwertschluckerin und die Nordmänner, der Narr und die Verrückte. Sie alle bilden jene Schar von Außenseitern, die das GOP in seiner neuen Show „Freaks“ auf die Bühne holt. Gemeinsam zelebrieren sie das Ungewöhnliche und Einzigartige, indem sie das Bonner Varietétheater in ein Tollhaus verwandeln, in dem alles erlaubt ist. Bei der Premiere kommt dieser Ansatz auf jeden Fall an, dank starker Typen – und einigen atemberaubenden Nummern.

Als Inspiration für das Programm diente das inzwischen legendäre Kuriositätenkabinett des Zirkuspioniers P. T. Barnum, dessen Geschichte 2017 in der Musical-Verfilmung „The Greatest Showman“ idealisiert wurde. Doch im Gegensatz zum „American Museum“ Ende des 19. Jahrhunderts lassen sich die heutigen Freaks nicht vorführen, sondern vielmehr feiern. Vieles von dem, was sie zeigen, ist Artistik auf höchstem Niveau, so wie die Dolchspitzen-Nummer der beiden Muskelpakete Vladimir Snitko und Vladimir Karvatyuk. Auch ohne diesen Balance-Akt würden die beiden Ukrainer zu den Höhepunkten der Show zählen, dafür beherrschen sie ihre Kunst einfach zu gut. Unglaublich, mit welcher Leichtigkeit und Ruhe sie sich in die Höhe wuchten, ganz bewusst ohne Schwung und ohne Hektik. Später wirbeln sie auch noch ihre Partnerin Kateryna durch die Luft. Stark – doch die wirklich ungewöhnlichen Figuren sind andere. Die Spinnenfrau Estrella zum Beispiel, die schon fast unheimlich über die Bühne huscht, oder die rundum tätowierte Fakir-Diva Fibi, die ohne zu zögern lange Klingen in ihrer Kehle verschwinden lässt.

Meisterhafte Psychopathin

Das Publikum ist von dieser Freak-Show angetan, auch wenn nicht jede Figur gleichermaßen ins Konzept passt. Doch jene, die es tun, erhalten den größten Applaus. Besonders Vanessa Collini wird euphorisch empfangen, die die Wahnsinnige aus der Psychiatrie meisterhaft spielt. Vor allem ihr Zusammenspiel mit Sébastien Tardif sorgt für herrlich schräge Momente: Der charmante Clown, der auch mal Opfer aus dem Publikum auf die Bühne holt und dabei haarscharf an der nächsten Peinlichkeit vorbeigleitet, versucht mit der Irren zu flirten und muss schnell feststellen, dass dies gar nicht so leicht und erst recht nicht so ungefährlich ist, wie zunächst angenommen.

Eine durchkomponierte, poetisch-magische Handlung wie etwa in „Toys“ entfällt in „Freaks“ jedoch. Stattdessen hält ein Zeremonienmeister die Fäden in der Hand: Elyas Khan, eine elektrifizierende Erscheinung ganz in weiß, ein Virtuose am Bass und ein Maestro an den Effektgeräten. Jede Szene unterlegt er mit eigenwilligen Sounds, mit verzerrten Geräuschen und Endlosschleifen, mit pulsierenden Grooves und mit elektronischen Phrasen. Wer sich darauf einlassen kann, kann noch bis zum 3. Mai eine ebenso groteske wie schöne Zirkuswelt mit echten Unikaten entdecken, die vielleicht nicht verzaubert, aber begeistert. In den Osterfeien von NRW und Rheinland-Pfalz ist „Freaks“ für Kinder bis 14 Jahre in Begleitung eines regulär zahlenden Erwachsenen übrigens kostenfrei.