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Polizei öffnet sich Realschülern: Klara kann in Bonn jetzt ihren Traumberuf lernen

Polizei öffnet sich Realschülern : Klara kann in Bonn jetzt ihren Traumberuf lernen

Die Bonner Polizei stellt das Projekt „FOS Polizei" für Schülerinnen und Schüler mit Mittlerer Reife vor und begrüßt 29 Teilnehmer. Sie haben Interesse an einer beruflichen Zukunft bei der Polizei.

Polizistin zu werden, war für die 17 Jahre alte Sauerländerin Klara Ebeling schon immer so etwas wie ein Traumberuf. Ebenso hat sich der 16 Jahre alte Nico Fürle, der in Königswinter wohnt, bei der Berufswahl bereits früh festgelegt. Kein Wunder: Sein Vater ist Polizeibeamter.

Doch bislang hatten junge Leute wie Klara und Nico praktisch keine Chance, diesen Beruf tatsächlich zu erlernen. Ihr großes Handicap war: Beide besitzen nur einen Realabschluss, also Mittlere Reife. Bislang war aber Abitur bei der Polizei Ausbildungsvoraussetzung.

Doch seit dem 1. August können sich Klara, Nico und viele andere ihren Traum erfüllen. 29 Realschüler haben bei der Bonner Polizei den neuen Bildungsgang FOS Polizei, der sich speziell an Schüler mit Mittlerer Reife richtet, begonnen. Dabei steht FOS für Fachoberschule für Wirtschaft und Verwaltung, Schwerpunkt: Polizeivollzugsdienst. Was es mit dem Projekt auf sich hat, erklärte am Donnerstag Bonns Polizeipräsident Frank Hoever.

Der landesweite Schulversuch FOS Polizei in Nordrhein-Westfalen ist zum Schuljahr 2022/23 an elf Berufskollegs gestartet. Das Bonner Polizeipräsidium mit dem Ludwig-Erhard-Berufskolleg ist einer der elf FOS-Kooperationspartner. Seit dem 1. August stehen daher nun Realschülern die Türen des Bonner Polizeipräsidiums offen. Landesweit sind 340 Realschüler am Start.

Insgesamt 2500 neue Bewerber

Der Andrang auf diese neue Einstiegsmöglichkeit war laut Polizei riesig: Insgesamt zählte man 2500 Bewerber. Hoever hält diese Öffnung des Polizeiberufes auch für sinnvoll: „Der Schulabschluss allein ist nicht ausschlaggebend, ob man ein guter Polizist wird.“ Ausschlaggebend seien auch die charakterliche Eignung, Fitness, Teamgeist und Kommunikationsfähigkeit wie auch Verfassungstreue. Vor allem angesichts der erklärten Absicht der Landesregierung, 3000 neue Polizeibeamte einzustellen, kommt laut Hoever „auch die Polizei irgendwann an den Punkt, wo sie sich auf dem Arbeitsmarkt messen lassen muss“.

Trotzdem erwartet die 29 Realschüler keineswegs ein vereinfachter Einstieg. Vielmehr müssten auch sie den Beruf von der Pike auf lernen, so Hoever. Dazu vermittelt ihnen in den kommenden zwei Jahren Annika Wolff, Projektkoordinatorin bei der Bonner Polizei, nicht nur jede Menge praktische Einblicke – von Wach- und Wechseldienst bis hin zu Spezialeinheiten wie der Reiterstaffel. Vor allem ist weiterhin die Schule, genauer gesagt, der Unterricht am Ludwig-Erhard-Berufskolleg in Bonn, ein Schwerpunkt.

Dort seien die Jugendlichen eine eigene Klasse, wo eben nicht nur Mathe, Englisch und Deutsch verpflichtend sind, erklärte Schulleiter Friedrich Kampmann: „Das Besondere ist, dass wir auch polizeirechtliche Aspekte vermitteln.“ Ziel sei es, dass jeder die Zugangsvoraussetzung für einen anschließenden Bachelorstudiengang an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW schaffe.

Hohe Motivation bei den Anwärtern

Angesichts der hohen Motivation von Klara, Nico und den anderen sieht Polizeipräsident Hoever „gute Chancen, dass wir Sie in zwei Jahren in der Polizeifamilie begrüßen können“. Zumal auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Bonn das Projekt ausdrücklich unterstützt, so deren Vorsitzender Dirk Lennertz. „Man sollte aber nicht auf den Gedanken kommen, Realschüler in NRW direkt in den Polizeidienst einzustellen und somit wieder dem mittleren Dienst eine Tür zu öffnen“, sagte er. Die anspruchsvolle Polizeiarbeit bleibe sicher nur eine Tätigkeit für den gehobenen Dienst.