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Bonn: Beethoven Orchester setzt das Beethoven-Jahr fort

Kaftan stellt Programm vor : Beethoven Orchester setzt das Beethoven-Jahr fort

Bonns Generalmusikdirektor Dirk Kaftan hat die neue Saison des Beethoven Orchesters vorgestellt, die im September startet. Das Programm mit einigen Star-Künstlern steht auch im Zeichen der Corona-Pandemie. Eine Übersicht.

Der Musikfrachter, mit dem das Beethoven Orchester und die Jubiläumsgesellschaft im vergangenen Frühjahr die beiden Beethoven-Städte Bonn und Wien verbinden wollten, ist für Dirk Kaftan zu einem Symbol in doppelter Hinsicht geworden: Er sollte für die Energie stehen, die im Beethoven-Jubiläumsjahr von Bonn ausgehen würde und lief dann wegen der Corona-Pandemie noch an der Bonner Anlegestelle sprichwörtlich auf Grund. Und mit ihm die meisten Aktivitäten zum Beethoven-Jahr. Statt Beethoven in die Welt hinauszutragen, mussten sich die Musiker auf Kurzarbeit einstellen. „Wir wurden voll ausgebremst“, sagte Kaftan am Donnerstag im Foyer des Bonner Opernhauses bei der Vorstellung der im September beginnenden neuen Saison.

Schon der ungewöhnlich späte Termin für die Saison-Vorstellung deutet darauf hin, dass die anhaltende Corona-Krise die Planung in vielerlei Hinsicht bestimmen würde. „Wir werden ‚Hybrid-Konzerte’ anbieten“, sagte Kaftan. Die Programme seien so zugeschnitten, dass sie „groß und klein gespielt werden können“. Man darf also gespannt sein, in welcher Besetzungsgröße das Orchester antreten wird, wenn am 11. September zur Saisoneröffnung unter anderem Beethovens Sinfonie Nr. 7 gespielt wird.

In den vergangenen Wochen und Monaten hätten Musiker und Sänger des Orchesters und der Oper zahlreiche Mini-Konzertformate ausprobiert und angeboten, seien durch kulturelles und soziales Engagement aufgefallen und hätten digitale Kanäle bespielt. „Ich habe die Musiker und Sänger in der Zeit noch einmal ganz neu kennengelernt“, sagte Kaftan. Auch Kulturdezernentin Birgit Schneider Bönninger bedankte sich bei den Musikern für deren Einsatz.

Diese Energie will Kaftan für die neue Saison nutzen, die insgesamt 67 Konzerte in den gewohnten Reihen und Formaten vom Freitagskonzert über die „Im Spiegel“-Matineen bis zu den „Grenzenlos“- und „Vor Ort“­-Konzerten anbietet. Die Herausforderung: Pragmatisch schauen, was geht, und trotzdem künstlerische Visionen verwirklichen. Oder anders gesagt: Mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben und sich dennoch zum Himmel strecken.

Konzerte in der Oper für 300 Zuhörer

Ganz pragmatisch ist zum Beispiel die Einhaltung der Hygiene-Regeln, die unter anderem Konzerte ohne Pause und Sicherheitsabstände auf der Bühne und im Publikum erfordern. Im Opernhaus sollen pro Vorstellung 300 Zuhörer auf die rund 1000 Plätze verteilt werden. Weshalb einige Konzerte auch zweimal gespielt werden.

Das Eröffnungskonzert vom 11. September erklingt eine Woche darauf noch einmal. Zum Konzept gehört auch, dass die Abos in der nächsten Saison auf Eis gelegt werden. „Die Abonnenten erhalten aber auf die Einzelkarten den üblichen Rabatt“, sagte Orchesterdirektor Michael Horn. Der Vorverkauf für die Konzerte beginnt jeweils vier Wochen vorher. Künstlerisch und organisatorisch ist die Planung darauf ausgerichtet, flexibel auf die Entwicklung der Pandemie reagieren zu können.

„In Bonn war nur Beethovens Fünfte zu hören“

Die künstlerischen Visionen hat man deshalb nicht aus den Augen verloren. So will Kaftan das Programm des unterbrochenen Beethoven-Jubiläums wieder aufnehmen. „In Bonn war ja in diesem Jahr nur Beethovens fünfte Sinfonie zu hören“, sagte er. Deshalb ist die neue Reihe „Beethoven pur“ entwickelt worden, bei der ab dem 12. September die neun Sinfonien zur Aufführung kommen. Die Besetzungsstärke richtet sich nach den Möglichkeiten, die das Virus zulässt, und kann von kammermusikalischer Besetzung bis zur vollen Orchesterstärke mit Chor reichen. Schauplatz ist die Telekom-Zentrale.

Das Abschlusskonzert zum Beethovenjahr 2020 am 16. Dezember soll ebenfalls stattfinden. „Nur glaubt keiner daran, dass wir vor 6000 Zuschauern spielen werden“, sagte Kaftan. Nun ist im Telekom Dome ein kleineres Format geplant, unter anderem mit Uraufführungen von Neoklassik-Star Max Richter und dem US-Musiker Quincy Jones, der unter anderem Produzent von Michael Jackson war. Für Kaftan ist es wichtig, hier so etwas wie „Tiefenkultur“ zu präsentieren, die von der ganzen Stadtgesellschaft angenommen wird. Auch die „Beeethoven-Lounges“ im Pantheon und das multimediale Konzert „X-Rayed“, in welchem der begnadete Musikerklärer Gerard McBurney Beethovens „Siebte“ durchleuchtet, zählen zu den Höhepunkten des wiederaufgenommenen Beethoven-Jahres.

„In Bonn war nur Beethovens Fünfte zu hören“

In der Reihe der Freitagskonzerte sollen auch hochkarätige Solisten und Gastdirigenten für musikalischen Hochgenuss sorgen. Kaftan kündigte den Geiger Christian Tetzlaff, der am 23./30. Oktober mit Beethovens Violinkonzert zu hören sein wird. Aber auch den Dirigenten Neeme Järvi, Vater von Paavo und Kristian Järvi, der am 2. April 2021 das Deutsche Requiem von Johannes Brahms dirigieren soll.

In der Reihe „vor Ort“ setzt das Orchester die Spurensuche nach der Musik fort, die zur Zeit Ludwig van Beethovens in Bonn gespielt wurde. Auch „Grenzenlos“ und „Um Elf“ in der Uni werden fortgesetzt. Besonders hervorzuheben wäre in der Uni-Reihe das Konzert am 29. November, das unter dem Titel „Ruinen“ Beethovens Schauspielmusik zu August von Kotzebues „Die Ruinen von Athen“ mit einem neuen Text von Feridun Zaimoglu präsentiert. „Das soll der Anfang einer Reihe von Menschenrechtskonzerten werden“, sagte Orchesterdramaturg Tilmann Böttcher am Rande der Pressekonferenz. Auch das ist eine Vision.

Ausführliche Infos auch zu den coronabedingten Änderungen und Neuerungen in der Jahresbroschüre und auf der Homepage des Orchesters: www.beethoven-orchester.de