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Arbeitsmarkt in der Region: Lockdown führt zu mehr Kurzarbeit

Arbeitslosenquote liegt über Bundesdurchschnitt : Lockdown führt auch in der Region zu mehr Kurzarbeit

Die Corona-Krise schlägt nicht voll auf den Arbeitsmarkt durch. Vor allem Kurzarbeit verhindert, dass noch mehr Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren. Doch gerade für Langzeitarbeitslose sind die Perspektiven schlecht.

Eine wachsende Zahl von Kurzarbeitern hält den Arbeitsmarkt im zweiten Lockdown vergleichsweise stabil. „Unternehmen nehmen das Angebot, verkürzt zu arbeiten, gerne an, um es so vermeiden zu können, Personal zu entlassen“, sagte Bernd Lohmüller, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg am Freitag laut Mitteilung. Konkrete Zahlen über die Kurzarbeit im Januar legte das Amt noch nicht vor.

Im Dezember hatten in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis 510 Unternehmen Kurzarbeit neu angemeldet. Zum Vergleich: Im Vorjahresmonat waren es gerade einmal 26 Betriebe. Bundesweit ist in den Monaten November, Dezember und Januar zusammen mehr Kurzarbeit angemeldet worden als in der gesamten Finanzmarktkrise vor gut zehn Jahren, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte. Alleine im Januar hätten 77 000 Betriebe für 745 000 Beschäftigte neu Kurzarbeit angemeldet.

Höchststand im April

Nach vorläufig hochgerechneten Daten sei im November für 2,26 Millionen Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld ausgezahlt worden. Nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp sechs Millionen Beziehern hatte die Kurzarbeit sukzessive abgenommen, seit November gibt es wieder einen Anstieg.

BA-Chef Detlef Scheele nahm die hohe Zahl der Kurzarbeiter auch als Hinweis darauf, dass der Abbau der Arbeitslosigkeit in einer Erholungsphase „sehr langsam“ gehen werde. Betriebe würden zunächst wieder die Kurzarbeiter regulär beschäftigen, erst danach komme es zu Neuanstellungen. Insbesondere gering Qualifizierte, darunter auch viele Zuwanderer mit schlechten Deutschkenntnissen, hätten es schwer.

Insgesamt waren im Januar 2,9 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos, das waren 193 000 mehr als im Dezember. Ein Anstieg ist saisonal wegen des Winters aber üblich. Im Vergleich zum Januar 2020 lag die Arbeitslosenzahl allerdings wegen der Corona-Krise deutlich um 475 000 Menschen höher. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Dezember um 0,4 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent. In der Januar-Statistik sind erstmals die Auswirkungen des im Dezember verhängten, coronabedingten Lockdowns berücksichtigt. Für ihre Statistik hat die Arbeitsagentur Datenmaterial bis zum 13. Januar erfasst.

Weniger neue Stellen

In der Region Bonn/Rhein-Sieg stieg die Arbeitslosenquote im Januar im Vormonatsvergleich um 0,3 Prozentpunkte auf 6,7 Prozent und liegt damit über dem Bundesdurchschnitt. Knapp 33 500 Menschen waren der Arbeitsagentur als jobsuchend gemeldet. Für sie haben sich die Chancen deutlich verschlechtert. Die Zahl der offenen Stellen, die dem Amt neu gemeldet wurden, sank im Januar im Vergleich zum Vormonat um 27,4 Prozent. Vor allem Langzeitarbeitslose leiden in der Region unter der Krise. Ihre Zahl stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich.

Typisch für die Jahreszeit

In NRW zeigte sich der Arbeitsmarkt im Januar relativ stabil. „Die Arbeitslosigkeit entwickelte sich typisch für die Jahreszeit, und nahm im Januar mit rund 34 000 Personen nicht stärker zu als im langjährigen Durchschnitt“, sagte der Chef der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, Torsten Withake, am Freitag in Düsseldorf.

Insgesamt waren im Januar im bevölkerungsreichsten Bundesland 768.512 Personen arbeitslos gemeldet, 4,6 Prozent mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,4 Prozentpunkte auf nun 7,9 Prozent.

„Arbeitsplätze werden aktuell durch Kurzarbeit gesichert. Die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ihren Job verloren haben, lag sogar unter der des Januars vor einem Jahr“, beschrieb Withake die Situation am Arbeitsmarkt. Gleichzeitig zögerten die Unternehmen jedoch mit der Einstellung neuer Mitarbeiter. Die Zahl der Menschen, die eine neue sozialversicherungspflichtige Stelle antraten, sank im Vorjahresvergleich um 3,6 Prozent.

(mit dpa-Material)