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Goldener Anker in Bad Neuenahr: Versteigerung im Hotel - Mehr als 10.000 Teile unter dem Hammer

Versteigerung in Bad Neuenahr : Im Hotel Goldener Anker kommen mehr als 10.000 Teile unter den Hammer

Toni und Alice Giffels versteigern zwei Tage lang das Inventar ihres seit Januar geschlossenen Vier-Sterne-Hotels Goldener Anker. Unter anderem die lederbezogene weiße Anker-Bar mitsamt Spirituosen sucht für 5000 Euro noch einen Liebhaber.

400 Tischdecken, 250 Lampen, 80 Mini-Bars, 140 Betten nebst Lattenrosten und Matratzen, Teller, Tassen, Vasen oder Sektkübel gefällig? Seit Freitagnachmittag läuft im seit einigen Monaten geschlossenen ehemaligen Vier-Sterne-Hotel Giffels Goldener Anker an der Bad Neuenahrer Mittelstraße, im Herzen des Kurviertels, der Ausverkauf. Per Auktion. Mehr als 10 000 Teile aus dem 150 Jahre alten Traditionshaus kommen unter den Hammer.

Auktionator Wolfgang Huste hat von Beginn an reichlich zu tun. Denn ein ganzes Hotel-Inventar unter den Hammer zu bringen, ist auch für den erfahrenen Versteigerer kein Pappenstiel. „Wir bieten hier nicht jedes Löffelchen an“, stellt Huste flott klar. Die Ware ist nur paketweise zu haben. In 400 Aufrufen werden die Objekte der Begierde zusammengefasst. Allerdings: Am Freitagnachmittag verläuft die Versteigerung zunächst eher schleppend. Das wird sich an diesem Samstag ändern, wenn bereits angemeldete Hoteliers und Gastronomen um Bett, Blumenständer, Bierglas, Büfett, Beistelltisch und Badezimmergarnitur bieten.

Ganze Zimmereinrichtungen sind im Angebot. Ein Kölner Hotelier hat bereits ein Auge darauf geworfen. Huste hat den Mindestpreis auf 1500 Euro festgesetzt. Inklusive Kingsize-Bett, Fernseher, Lampen und Gemälden.

Für 5000 Euro ist derzeit noch die 35 Quadratmeter große „Anker-Bar“ zu haben. Komplett eingerichtet, samt Spirituosen, lederbezogenen Eckbänken und Hockern. Auktionator Huste: „Damit kann sich jemand eine Existenz gründen.“ Hotel-Chef Toni Giffels hat die Bar 1980 in Rotterdam bauen lassen. Ganz in Weiß. An dieser Bar mit ihrer viereckigen Marmortheke sind wichtige Entscheidungen getroffen worden, weiß Giffels’ Ehefrau Alice, die angespannt die Auktion verfolgt. „Ich wünschte, einer aus Bad Neuenahr würde die Bar holen. Sie gehört in diese Stadt“, meint die Gastronomin, die kaum mehr Herr ihrer Emotionen zu sein scheint: „Mir tut das Herz weh. Jede müde Mark haben wir in dieses Hotel gesteckt“, sagt sie und blickt voller Wehmut in den Versteigerungsraum. Für sie ist es ein Abschied voller Emotionen. Und Ehemann Toni ist erst gar nicht zur Versteigerung gekommen.

„Wir machen das jetzt kurz und schmerzlos“, kündigt Huste an, der den Hammer schwingen lässt. Gerade ist ein Ölgemälde für 100 Euro weggegangen. Eine Minibar wechselt für 30 Euro den Besitzer, ein mit Blattgold umrahmtes Blumenbild für 110 Euro. Flott ist auch die Schuhputzmaschine an den Mann gebracht. 50 Euro und beim erfolgreichen Bieter sind blitzblanke Schuhe nun auch zu Hause garantiert.

Diese Truhe wartet ebenfalls auf einen Käufer. Foto: Martin Gausmann

80 Flaschen Spirituosen ersteigert jemand für 190 Euro. Gerne hätte Huste die noble „Anker-Bar“ gleich dazu mitgeliefert. Sie wird wohl erst am Samstag unter Hustes schwingenden Hammer kommen. So geht es bis zum Abend weiter. Der Auktionator, in Bad Neuenahr bei den Linken in der Kommunalpolitik aktiv und für die Linkspartei im Kreistag mit Sitz und Stimme vertreten, zeigt bei der Versteigerung jedenfalls mit Humor auf, dass er von Kapitalismus in Wahrheit viel versteht. Geschickt trieb er die Preise in die Höhe. Und vergaß nicht, daran zu erinnern, dass Karl Marx bei einem Aufenthalt in der damals aufstrebenden Kurstadt Neuenahr vermutlich auch im Hotel Giffels „sein Bierchen getrunken hat“. Was dann so manches Konvolut an Gläsern schon wieder interessanter machte.

Am Samstag wird die Versteigerung ab 14 Uhr fortgesetzt.