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Rheinische Redensarten: Isch krieje noch ne Bejoovung

Rheinische Redensarten : Isch krieje noch ne Bejoovung

Wir stellen bedeutungstiefe und schöne Redewendungen vor.

An manchen sprachlichen Überbleibseln kann man alte Zeiten ablesen wie ein Archäologe dies an Erdschichten zu tun vermag. Das ist der Fall bei einer rheinischen Redensart, die uns eine nach eigenem Bekunden „eifrige Leserin“ zugeschickt hat.

Es geht um den Satz: „Isch krieje noch ne Bejoovung.“ Dazu hören wir von unserer Tippgeberin, dass früher bei ihr zuhause immer von Bejoovung die Rede war, wenn mal wieder der frühe Tod eines Säuglings zu beklagen war. Ihre Großmutter hatte 15 Kinder geboren, von denen sieben früh starben. Sie selbst vermutete, dass der Begriff eine Lungenentzündung bezeichnete.

Bedeutung ist weiter gefasst

Tatsächlich ist die Bedeutung allerdings weiter gefasst. Das Wort hat sowohl Adam Wrede in seinem Kölnischen Standardwörterbuch erwähnt wie auch Sprachforscher Peter Honnen in seinem Herkunftswörterbuch der Umgangssprache an Rhein und Ruhr.

Die Redewendung könnte man demnach übersetzen mit: Ich bekomme noch die Krise. Das Wort Bejoovung selbst ist wörtlich zu verstehen als Begabung oder alternativ: Be- oder Verzauberung.

Die Verzauberung

Während man darunter üblicherweise eine positive Eigenschaft versteht, wurde die Begrifflichkeit früher auch negativ gedeutet. Es wurde also euphemistisch beziehungsweise beschönigend eingesetzt. Denn „Begabung“ bezeichnete ein besonders Kindern „angehextes“ Übel. Dabei konnte es sich etwa um Krämpfe oder Anfälle handeln, die nicht etwa einer körperlichen Disposition zugeschrieben wurde, sondern einem wie auch immer gearteten Fluch. Übergeordnet war ein allgemeiner Anfall mit nachfolgender Ohnmacht nach einer Schrecksekunde gemeint. Noch allgemeiner bedeutet es einfach: leiden müssen.

Um zu unseren historischen Sprachschichten zurückzukommen, stammt das Wort also aus einer Zeit, als man noch an Hexerei und die Effektivität von Flüchen glaubte. Im Laufe der Jahrhunderte erlebte der Begriff „Begabung“ dann eine Bedeutungseingrenzung hin zu einem rein positiven Begriff, der eine überdurchschnittlich gute Eignung eines Menschen für etwas bezeichnet.

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“, abrufbar auf www.ga.de/podcast. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga.de