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An der Kinderklinik: Impfzentrum soll in Sankt Augustin entstehen

An der Kinderklinik : Impfzentrum soll in Sankt Augustin entstehen

Der Rhein-Sieg-Kreis will an der Kinderklinik Sankt Augustin ein Impfzentrum errichten. Ab Mitte Dezember sollen dort bis zu 2000 Bürger pro Tag geimpft werden können.

Das Corona-Impfzentrum des Rhein-Sieg-Kreises wird an der Kinderklinik Sankt Augustin eingerichtet. Genauer gesagt im ehemaligen Kinderherzzentrum des Asklepioshauses. Das ist ein S-förmiges Gebäude hinter dem Hauptgebäude. Mit dieser Neuigkeit ging am Dienstagmittag Landrat Sebastian Schuster an die Öffentlichkeit. Der Kreis hatte in den vergangenen Wochen intensiv nach mindestens einem Standort im Kreisgebiet gesucht, denn bereits ab Mitte Dezember sollen die ersten Impfungen stattfinden können. Da passte es ganz gut, dass Asklepios in Sankt Augustin freie Räume hat.

Wie Krankenhausgeschäftsführerin Stefanie Wied mitteilte, wird zunächst auf der dritten Etage die Möglichkeit geschaffen, zu impfen. Es sei aber auch eine Verdopplung auf zwei Etagen möglich. Nun muss alles sehr schnell gehen, denn bereits in zwei Wochen soll die Infrastruktur stehen. Für den Standort spricht, dass er sowohl mit dem Auto als auch per Bus und Bahn gut angebunden ist. Das Gebäude ist räumlich vom Rest des Klinikbetriebs getrennt, sodass man sich nicht ins Gehege kommt. Innerhalb von fünf Tagen seien nun die Verhandlungen zwischen Kreisverwaltung und Asklepios zur Unterschriftsreife gediehen. Beide Seiten bewerten die Vereinbarung als Bekenntnis zur Kinderklinik und deren Standort.

Was genau geplant ist: Auf zunächst einer Etage mit 600 Quadratmetern werden vier Impfsektoren eingerichtet. Im Fachjagon werden sie „Impfstraßen“ genannt, weil die Menschen von der einen Seite her die Räume betreten, alle Stationen mit Anmeldung, Aufklärung, Impfung und Nachsorge durchlaufen und auf der anderen Seite die Station wieder verlassen. In zwei Mal Sechs-Stunden-Schichten können dann bis zu 240 Menschen pro Impfstraße und Tag geimpft werden. In einer zweiten Ausbaustufe kann noch die sechste Etage dazugenommen werden. Dann könnten zusammengenommen täglich knapp 2000 Bürger geimpft werden. Bei einer Impfbereitschaft von 70 Prozent der 600 000 Einwohner würde der Impfvorgang bis Ende Juli dauern.

In den kommenden beiden Wochen muss also nun die Infrastruktur aufgebaut werden. Unter anderem braucht es Kühlungsmöglichkeiten für den Impfstoff. Der Kreis geht davon aus, dass die Räume zwar ab Mitte Dezember für die Massenimpfung zur Verfügung stehen. Es werden aber wohl zunächst nur so wenige Impfdosen vorhanden sein, dass erst einmal die mobilen Impfteams in die Altenheime ausrücken, um dort die anfälligen Menschen hohen Alters oder mit Vorerkrankungen zu impfen.

Ursprünglich hatte der Landrat beim Land ein zweites Impfzentrum für den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis beantragt. Das werde aber nun erst einmal bis Mitte Dezember zurückgestellt. Das Sozialministerium habe so viel mit der ersten Ausbaustufe von insgesamt 50 Impfzentren im Land zu tun, dass ein zweites wohl erst im Januar oder Februar ins Auge gefasst werden könne. „Ich bin nicht abgeschmettert worden“, sagte Landrat Schuster am Dienstag. Er sei mit seinem Argument der besonderen geografischen Lage des Kreises gehört worden.

Corona-Inzidenz im Rhein-Sieg-Kreis bei 130

Die Corona-Lage stellte sich am Dienstag (Stand 15.30 Uhr) so dar: 883 akute Fälle im Rhein-Sieg-Kreis, 5090 Menschen sind in Quarantäne. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 130. Wie Landrat Schuster sagt, sind am Montag zahlreiche Erlasse aus Düsseldorf eingegangen. Unter anderem für den Fall, dass der Inzidenzwert über 200 steigt. „Das wäre eine besonders extreme Infektionslage, die zu weiteren Maßnahmen zwingen würde“, so Schuster. Wenn die Grenze überschritten werde, stünden Abstimmungsgspräche mit der Bezirksregierung und dem Gesundheitsministerium an. „Dann wäre punktuell ein totaler Lockdown möglich“, so Schuster. Er hoffe aber, dass es nicht so weit komme. Er möchte vielmehr weiter an dem Ziel arbeiten, wieder unter eine Inzidenz von 50 zu kommen.

Um das zu erreichen hat der Kreis bei der Bundeswehr den Antrag gestellt, auch weiterhin die Unterstützung der Soldaten für die Kontaktnachverfolgung des Kreisgesundheitsamtes zu erhalten. Das habe die Bundeswehr jetzt zunächst bis zum 8. Januar genehmigt. Wie berichtet, macht die Analyse von Kontakten infizierter Bürger und die Benachrichtigung der möglicherweise ebenfalls Infizierten einen Hauptteil der täglichen Arbeit beim Gesundheitsamt aus.

Aktuell nehmen die Infektionen in den Seniorenheimen des Kreises wieder zu. Laut Kreisstatistik waren am Stichtag Samstag drei Prozent der Erkrankten in Kindergärten, 14 Prozent in Schulen und 42 Prozent in Seniorenheimen, Krankenhäusern und Wohneinrichtungen. Im Kindergarten gebe es pro Ausbruch einen weiteren Erkrankten, in den Schulen zwei weitere Erkrankte, in den Seniorenheimen seien es deutlich mehr. Es ist aber laut Kreis nicht davon zu sprechen, dass Seniorenheime flächendeckend betroffen seien. Vielmehr handele es sich um einzelne Hotspots, bei denen dann viele Erkrankte identifiziert würden.

Aktuell sind in Siegburg zwei Seniorenheime betroffen mit 41 erkrankten Bewohnern, zwei sind mit oder an Corona gestorben. Insgesamt hatte Siegburg am Dienstag 125 akute Coronafälle.

Die Sieben-Tage-Inzidenz betrug im Rhein-Sieg-Kreis am Dienstag 130 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner. Das ist ein leichter Rückgang, am Montag lag der Wert bei 136,7. Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden im Rhein-Sieg-Kreis 7970 Personen positiv auf Sars-CoV-2 getestet, 883 Personen zählt der Kreis als aktuelle Fälle. Als genesen gelten 6992 Personen. 95 Personen sind bisher an Covid-19 gestroben. Allein in den vergangenen 24 Stunden starben vier Menschen – jeweils einer in Königswinter, Meckenheim, Troisdorf und Windeck. 5090 Bürger im Kreis sind in häuslicher Quarantäne.