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Ersatz für ausgefallene Praktika: Realschüler in Niederpleis bauen eine Trockenmauer

Ersatz für ausgefallene Praktika : Realschüler in Niederpleis bauen eine Trockenmauer

Neuntklässler der Realschule in Niederpleis verschönern aktuell ihren Schulhof. 40 Prozent der Schüler konnten coronabedingt ihr Praktikum nicht antreten. Das Bauprojekt stellt eine Alternative dar und hat laut Schulleiterin Monika Mattke auch noch einen anderen Zweck.

Mit einem Vorschlaghammer bearbeitet ein Schüler der Realschule Niederpleis einen schweren Brocken der Bergischen Grauwacke. Seine Mitschüler heben währenddessen mit Spaten den Boden aus. Gemeinsam bauen sie auf dem Schulhof eine Trockenmauer. Eigentlich sollten die Neuntklässler derzeit ein Praktikum absolvieren. Doch wegen der Corona-Pandemie haben viele Betriebe den Schülern abgesagt.

„Es konnten nur etwa 60 Prozent der Schüler ihre Praktikumsstelle antreten“, erklärt Schulleiterin Monika Mattke. Für die übrigen Schüler findet derzeit Unterricht statt. Das Bauprojekt sei daher als Alternative gedacht, um auch ihnen die Möglichkeit zur praktischen Arbeit geben zu können. Lehrer Thomas Diez betreut das Projekt. „Ausbildungsbetriebe bemängeln oft die fehlende Ausdauer der Realschulabsolventen. Die körperliche Arbeit ist für viele ungewohnt“, sagt er. Daher sei das Bauprojekt eine gute Vorbereitung auf das Berufsleben und gebe einen Einblick in den Garten- und Landschaftsbau.

„Ein schönes Umfeld stimmt die Schüler positiver“

Der Pädagoge unterstützt die Schüler nicht nur bei der Planung, er packt auch selbst mit an und hilft dabei, die Steine so zu bearbeiten, dass sie sich gut aufeinanderschichten lassen. Gleichzeitig achtet er darauf, dass sich die Schüler nicht verletzen. „Da müssen wir natürlich aufpassen“, sagt Mattke. „Muskelkater zählt aber nicht dazu“. Die Mauer dient aber nicht nur der Beschäftigung.

„Ein schönes Umfeld stimmt die Schüler positiver und sie lernen dann besser“, meint die Rektorin. Gestartet sind die Arbeiten Anfang November, zeitgleich mit dem angedachten Praktikumsbeginn. „Innerhalb der vergangenen zwei Wochen haben die Schüler fünf Tonnen Stein bearbeitet und insgesamt zehn Tonnen Material bewegt“, berichtet Diez. Insgesamt sind 15 Schüler an dem Bauprojekt beschäftigt. Aus hygienischen Gründen arbeiten sie mit Mund-Nase-Bedeckung und in mehreren Schichten.

Finanziert wurde der Bau der Trockenmauer mit 1320 Euro von der Kreissparkassen-Stiftung, die in die Anschaffung von Werkzeugen und Baumaterial flossen. Wann die Mauer fertiggestellt werden kann, hängt vom Wetter ab. Geplant ist aber, dass im Frühjahr die dahinter liegenden Beete bepflanzt werden können. Die Biologiekurse der Schule sollen dann mit der Pflege der Pflanzen betraut werden.