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Umweltschutz an der Swist: Kinder sammeln Müll in Meckenheim

Umweltschutz an der Swist : Kinder sammeln Müll in Meckenheim

Einen Beitrag für den Umweltschutz leisteten rund 130 Kinder in Meckenheim bei einer Müll-Sammelaktion an der Swist. Aufgestöbert haben sie allerhand Unrat. An die Verursacher richten sie einen eindringlichen Appell.

Alte Lederschuhe, verrostete Kennzeichen und sogar ein alter Einkaufswagen – all diese Fundstücke hat eine vom Naturschutbund (Nabu) organisierte Müll-Sammelaktion in Meckenheim zutage gefödert. Mit Gummistiefeln und regenfester Kleidung ausgestattet, haben sich am Dienstag 133 Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren in Kleingruppen ans Werk gemacht, um das Ufer der Swist zu reinigen.

Der Nabu hat das eifrige Putz-Kommando im Rahmen des zehntägigen Ferienprogramms „Blauer Planet Erde“ aus Meckenheim und umliegenden Orten zusammengetrommelt. Das Ziel: „Die Kinder setzen sich in der gemeinsamen Zeit intensiv mit den Themen Natur, Artenschutz und Umweltverschmutzung auseinander“, sagt die Leiterin der NABU-Freizeiten in Meckenheim, Silvia Johna.

Kinder packen kräftig mit an

An diesem Tag wird das dröge Müllsammeln zum feucht-fröhlichen Vergnügen. Zum einen, weil die meisten Kinder knietief im Wasser stehen, während sie den Unrat enthusiastisch in blaue Müllsäcke stopfen. Zum anderen regnet es, was der guten Laune aber keinen Abbruch tut.

Mittendrin tummeln sich Lilly (10) aus Wachtberg und Shol (11) aus Meckenheim. Den beiden jungen Umweltschützern ist bewusst, dass sie mit ihrer Aktion etwas Gutes für Umwelt tun. Denn: „Wir finden überall so viel Plastik, das Jahrzehnte braucht, um zu verrotten“, sagt Shol. „Wenn das Plastik in die Weltmeere gelangt, führt es dazu, dass davon Tiere krank werden oder sogar sterben“, ergänzt Lilly. Beide sind sich einig: „Alle Leute sollten die Umwelt besser schützen und ihren Abfall auch hier in Meckenheim nicht einfach irgendwo hinwerfen. Was wir hier aufsammeln, gehört in den Mülleimer!“

Konzept für Nabu-Nachwuchs geht auf

Der Appell der Nachwuchs-Naturschützer stößt bei Nabu-Programmleiterin Johna auf offene Ohren. Die Diplom-Biologin weiß nur zu gut, wie ernst es derzeit um den blauen Planeten bestellt ist. Umso wichtiger sei die rechtzeitige Sensibilisierung der Kinder für Umweltthemen. „Deshalb wollen wir den Jüngsten etwas mitgeben, was sie anleitet, Themen wie Klima- oder Umweltschutz selbst zu bewerten und deren Notwendigkeit zu erkennen“, so Johna.

Aber sie weiß auch: Eine Müll-Sammelaktion ist erst der Anfang. „Dieses Ferienprogramm hat den Kindern deshalb auch weit mehr zu bieten. Mit eingeplant sind etwa erlebnisreiche Tage im Wald, ein Aktionstag mit Natur-Fotografen und der Besuch bei einem Imker“, sagt sie. Die Nabu-Mitarbeiterin setzt im Sinne der Heranwachsenden auf die intensive Berührung mit der Natur und gemeinsame Aktivitäten im Freien. „Das gleicht für einige einer Entdeckungsreise“, erzählt die Biologin. „Aber nur wer sich im Wald umschaut, kann die Artenvielfalt quasi vor der eigenen Haustür beurteilen und vergleichen.“ Ganz davon abgesehen, dass Ausflüge in den Wald, „gerade in Zeiten der Corona-Pandemie, wunderbar erholsam sein können“.

Alte Hasen leiten die Unerfahrenen an

In Berührung kommen die Kinder während der Nabu-Aktion vor allem auch miteinander. Johna: „Die Interaktion ist sehr wichtig für die Teilnehmenden. Das tut allen, besonders nach dem Einschnitt durch die verhängten Kontaktbeschränkungen, sichtlich gut.“ Auch dass sich die Kinder gegenseitig beraten und helfen, gehört zum Veranstaltungskonzept. Denn die erfahreneren Gruppenmitglieder unter ihnen präsentieren den unerfahreneren häufig interessantes Wissen zum aktuellen Thema. „Vor der Sammelaktion haben wir in den Gruppen anhand kleiner Vorträge etwas darüber erfahren, wie lange es dauert, bis Plastik verrottet. Und, dass die größte schwimmende Insel aus Plastikmüll etwa dreimal so groß ist wie Frankreich. Die Kinder tauschen sich aus. Auf diese Weise lernen die Kleineren von den Größeren, warum etwa ein Thema wie Umweltschutz so wichtig ist“, sagt Johna.

Und das Nachwuchskonzept trägt offenbar Früchte. Viele Kinder nimmt die Nabu-Programmkoordinatorin über mehrere Jahre unter ihre Fittiche, bis die älteren unter ihnen selbst als ehrenamtliche Betreuer anheuern und eigene Gruppen betreuen. „Am aktuellen Programm ist beispielsweise ein Betreuer-Team mit 37 Personen beteiligt“, sagt Johna.

Umweltschutz soll Spaß machen

Eine von ihnen ist die 19-jährige Sarah Rehling. Gemeinsam mit ihrer Schwester Anna watet die Rheinbacherin während der Sammelaktion mit den aufgeregten Kindern durchs Wasser, verteilt nützliche Greifzangen oder steht ausdauernd für Fragen und Anregungen bereit. „Es ist schön, dass die Kinder sich nicht zu fein sind, sich die Hände schmutzig zu machen und bei einer solchen Aktion Müll einzusammeln“, sagt die ehrenamtliche Betreuerin, die wie ihre Schwester Anna auch schon seit mehreren Jahren aktiv ist. „Die Kinder sehen, dass sie etwas Sinnvolles bewirken können. Und ganz nebenbei macht es einen Heidenspaß.“ Nicht nur für Koordinatorin Johna klingt dieses Umweltschutz-Projekt also nach einer rundum sauberen Sache.