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Bad Godesberg: Künstler will Atelier in Malschule umwandeln

Bilder stehen zum Verkauf : Godesberger Künstler will Atelier in Malschule umwandeln

Der Bad Godesberger Maler Manfred Kempen möchte aus seinem Atelier eine Malschule machen. Deshalb verkauft er seine Bilder aus mehr als 30 Jahren künstlerischen Schaffens.

Bäume, ja ganze Wälder, malt Manfred Kempen inzwischen im Schlaf. Mehr als 30 Jahre lang hat er das gemacht. „Es ist keine Herausforderung mehr da“, sagt der Maler aus Bad Godesberg. „Es macht keinen Spaß mehr.“ Also strebt der 60-Jährige eine Veränderung an: Sein Atelier im Mehlemer Bahnhof will er in eine Malschule umwandeln, und dafür müssen all seine Bilder raus, weshalb er einen großen Ausverkauf gestartet hat.

„Es ist jetzt auch eine andere Zeit“, sagt er. „Ich bin bereit dazu.“ Gemerkt hat er das, als er im ersten Corona-Lockdown mit einem neuen Waldbild begann, dieses auf einer weiteren Leinwand fortsetzte und immer weiter machte. Herausgekommen ist ein 28 Meter langes Werk. Danach stellte Kempen fest: „Ich bin eigentlich durch.“ Auch, weil sich in seinem Schaffensprozess ein Kreis geschlossen hat. „Ich habe mit realistischen Bildern begonnen und sie dann immer weiter reduziert in Abstraktionen und Fragmente.“ Dann ging es wieder in Richtung Gegenständlichkeit. „Zuletzt habe ich mir gedacht: Du bist wieder da, wo du angefangen hast.“ An diesem Punkt müsse ein Künstler neue Wege gehen.

Künstler fühlt sich der Natur nahe

Der Natur fühlt er sich nahe, oft sieht man ihn morgens im Wald. „Das Thema Natur habe ich Mitte der 80er für mich definiert“, erzählt er. Wirkliche Vorbilder mag er nicht definieren. Aus dem Werk des Impressionisten Claude Monet (1840 bis 1926) habe er gelernt, „mich mit dem zu beschäftigen, was ich kenne“, und zwar mit der Natur. Und an der Arbeit des gegenwärtigen, internationalen Künstlers Georg Baselitz schätze er die geradlinige und kompromisslose Art, mit Kunst umzugehen. 1988 hatte Kempen seine erste Ausstellung, seitdem malt er Wald und Natur, dazwischen aber auch seinen „Haus-Berg“, den Drachenfels, den er von seinem Atelier aus sehen kann.

Kempen bezeichnet sich als Autodidakt und ist damit glücklich, nicht an einer Kunsthochschule gelernt zu haben. In Düsseldorf sei er abgelehnt worden. „Ich bin meinen Weg gegangen. Der war viel steiniger und holpriger, aber es war meiner.“ Sein Weg war eben die Fokussierung auf bestimmte Motive und Techniken, zudem will er nicht nur darstellen, sondern Stimmung vermitteln. Anders als etwa Baselitz war er nie an der Darstellung von Menschen interessiert. Kempen hat sich auf Acryl und Öl spezialisiert, mit Aquarell will er nicht malen. Auch mit Linoldruck kennt er sich aus, er hat eine eigene Presse. Und er töpfert, aber nicht auf der Drehscheibe, sondern in Aufbautechnik.

Künftige Schüler sollen sich selbst ausdrücken

Das ist auch wichtig für jene, die künftig in seiner Werkstatt mit ihm arbeiten wollen. Kempen möchte keine Malschule im didaktischen Sinn aufmachen. Natürlich kann er Techniken beibringen. Aber für ihn geht es darum, dass die Leute selbst lernen sich auszudrücken.

Grundvoraussetzungen verlangt er nicht – abgesehen von einer grundlegenden Begeisterung. Kempen ist mit Joseph Beuys (1921 bis 1986) der Ansicht, dass jeder Mensch ein Künstler ist, viele es aber nicht wissen und sich nicht trauen. „Ich suche Menschen, die ihre Individualität kreativ ausleben wollen.“ Er stellt sich Gruppen aus drei bis vier Personen vor, die sich wöchentlich treffen, daneben Kurse mit festgelegter Laufzeit, aber auch Einzelunterricht nach Bedarf. Kempen möchte nur mit Erwachsenen arbeiten.

Wann es damit losgehen kann, hängt zum einen vom Verlauf der Pandemie ab, zum anderen muss zunächst das Atelier leer sein. Alle Werke von Kempen stehen zum Verkauf. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.manfredkempen.de sowie unter 0152/29 59 94 03 oder per E-Mail an manfred-kempen@web.de.