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Domhofschule in Mehlem: Mit aller Kraft gegen das Negativimage

Domhofschule in Mehlem : Mit aller Kraft gegen das Negativimage

Katholisch, interkulturell, bönnsch. An Attributen für die Grundschule am Domhof in Mehlem mangelt es nicht. Auch despektierliche Beinamen muss sie zuweilen ertragen.

Die Mischung ihrer Klientel ist die größte Herausforderung für Isabel Schachtschneider, die seit 2012 Rektorin ist. Beim Termin mit dem General-Anzeiger erzählen sie und eine Mutter von Bemühungen, Erfolgen, Sorgen und Gerüchten.

Gerade in einer Schule mit sehr heterogener Schülerschaft, so ihr Credo, brauche es klare Regeln und Grenzen ebenso wie Kompromissbereitschaft, umschreibt die 36-Jährige ihren Standpunkt und liegt damit auf einer Linie mit ihrer Vorgängerin Annie Kawka-Wegmann. Während Schachtschneider es mit rund 300 Mädchen und Jungen aus 30 verschiedenen Nationen zu tun hat, verfolgt sie ein Ziel: die Domhofschule dauerhaft als Schule zu erhalten, in die alle Familien des Stadtteils ihre Kinder gerne schicken.

Allen Bemühungen zum Trotz bleibt der Ruf der Domhofschule in der Öffentlichkeit ambivalent. Bei etwa 60 Prozent liegt der Anteil der Kinder mit ausländischen Wurzeln, die meisten stammen aus arabischen Familien. Vor einiger Zeit zog eine Familie aus Niedersachsen extra nach Mehlem, weil sie gehört hatte, dass es dort so eine "tolle arabische Schule" geben soll. Gemeint war nicht etwa die benachbarte König-Fahd-Akademie, sondern die Domhofschule. Von der saudischen Einrichtung im Pennenfeld wechseln immer wieder Kinder an die reguläre Grundschule, wenn ihre Genehmigung dort ausläuft.

"Wer im Schulbezirk wohnt, darf nicht abgelehnt werden", verweist Isabel Schachtschneider auf die Rechtslage. So kann es vorkommen, dass plötzlich ein achtjähriger Libyer in der Klasse sitzt, der kein Wort Deutsch kann. Hinzu kommen regelmäßig Berichte, die in dieses Bild zu passen scheinen.

Wie die Geschichte von den Grundschülern, die sich nach den schweren Ausschreitungen von Salafisten am 5. Mai 2012 damit gebrüstet haben, dass Cousins und Onkel bei der Straßenschlacht mit der Polizei an vorderster Front gekämpft hätten. Auch haben nach Informationen des General-Anzeigers die Sicherheitsbehörden einige Eltern im Fokus, die der salafistischen Szene angehöre sollen - ein Phänomen, das es auch an anderen Schulen gibt.

Es gibt aber auch Geschichten, die sich bei Nachfragen als Gerücht entpuppen: etwa dass es kein Kreuz oder keinen Weihnachtsbaum mehr gebe, oder dass mit Rücksicht auf muslimische Kinder keine Weihnachtsfeiern mehr stattfänden. "Unsinn", sagt Isabel Schachtschneider.

Vielmehr werde auch von den muslimischen Kindern erwartet, dass sie an den wöchentlichen Andachten zur Adventszeit teilnehmen, erklärt sie und verhehlt dabei nicht, dass es wiederholt Druck von arabischen Eltern gab, die das christliche Brauchtum lieber in den Hintergrund gerückt sähen. Allerdings, ergänzt Schachtschneider, blieben derlei Extremfälle und "Unterwanderungsversuche" die absolute Ausnahme.

Vielmehr begegneten ihr auch die arabischen Eltern mit Respekt und legten vielfach größten Wert darauf, dass ihre Kinder eine gute schulische Grundlage erhalten. So komme es, dass muslimische Kinder oftmals die Leistungsträger sind. Ebenso sei es Normalität, dass im Schulchor muslimische Kinder deutsche Weihnachtslieder mitsingen.

"Was nicht bedeutet, dass wir hier die Religionen vermischen", sagt die Rektorin. Andererseits hat sie auch Erfahrungen mit Eltern gemacht, die ihre Kinder aus religiösen Gründen von der Flöten-AG abmelden wollten. Bei "klassischen" Konfliktthemen wie Sexualkunde, Schwimmunterricht oder Klassenfahrten sei die Arabischlehrerin eine große Unterstützung.

Auch unter den deutschen Eltern ist die Haltung differenziert. Da gibt es jene, die gerade die Multikulturalität der Schule schätzen und zu großen Zugeständnissen bereit sind. Andere empfinden die Schule inzwischen als zu arabisch. "Wenn das arabische Gepräge in manchen Klassen überwiegt, kann von einer gesunden Mischung keine Rede mehr sein", sagt eine Mutter. Dass es inzwischen Mehlemer Familien gibt, die ihre jüngeren Kinder aufgrund dieser Erfahrungen mit den älteren Geschwistern auf eine Schule in anderen Godesberger Ortsteilen schicken, bestätigt auch Isabel Schachtschneider.

Somit drohe eine Negativspirale: Denn mit jeder alteingesessenen Familie, die der Domhofschule den Rücken kehrt, verstärke sich der Trend. "Aber wir möchten unsere Funktion als wohnortnahe Dorfschule auch langfristig sichern", sagt Schachtschneider. Hoffnung macht ihr diesbezüglich das große Vertrauen, das ihr viele Eltern entgegenbrächten, und das sie mit einem ganzen Strauß an Aktivitäten weiter rechtfertigen will.

Während beispielsweise einerseits schwächere Schüler im Wege des differenzierten Unterrichts gezielt gefördert werden, geben zahlreiche Aktivitäten jedem Kind die Möglichkeit, auf seine Kosten zu kommen: von Begabungsförderung über musikalische Aktivitäten sowie zahlreichen Kultur- und Freizeitaktivitäten.

"Wir glauben an die Domhofschule und setzen darauf, dass die Situation nicht kippt", sagt eine Mutter und ergänzt: "Das können am ehesten die hiesigen Eltern verhindern: indem sie ihre Kinder hierherschicken". Optimistischer sieht es Bernd Ridwan Bauknecht, der seit Jahren als Lehrer für islamischen Religionsunterricht auch an der Domhofschule unterrichtet. "Alle Religionen finden hier ihren Raum, was den gegenseitigen Respekt stärkt.

Auf diese Weise ist spürbar eine Gemeinschaft entstanden", ist Bauknecht überzeugt und ergänzt: "Wir wissen, wie die Domhofschule manchmal wahrgenommen wird. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus."

Stadt setzt auf Prävention

Mehrfach hat das Thema Extremismus und Salafismus an Bonner Schulen zuletzt die Kommunalpolitik beschäftigt. Anlass dazu bot unter anderem eine Große Anfrage der Ratsfraktionen von CDU und FDP. Nach Ansicht der Bezirksregierung als Schulaufsicht, so geht es aus einer Stellungnahme der Stadtverwaltung hervor, ist das Thema Salafismus "derzeit an den Bonner Grundschulen nicht aktuell". Ungeachtet dieser Einschätzung hat die Stadt bei einem Erfahrungsaustausch vor drei Wochen auch Vertreter der Grundschulen einbezogen.

Für die Grundschulen wurde festgestellt, dass hier die Aufgabe vor allem in der Prävention liege, heißt es in einer städtischen Mitteilung zu dem Treffen. Wichtig, so die "übereinstimmende Feststellung", seien dabei der Zugang zu den Familien und ein "selbstverständlicher Einbezug des Islam in den Schulalltag".