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Kommentar zur Landwirtschaftskammer: Falsche Strategie

Kommentar zur Landwirtschaftskammer : Falsche Strategie

Die Stadt Bonn hat Möglichkeiten für eine sinnvolle Planung mit Wohnungen auf dem Areal der Landwirtschaftskammer in Roleber vertan. Dabei wäre genug Zeit gewesen.

Dumm gelaufen, Spiel verzockt, Chance vertan - so lautet die Zwischenbilanz für das Projekt „Neubaugebiet Roleber“. Die Stadt Bonn hat aufgrund ihrer Unentschlossenheit und ihrer schlechten Kommunikationsfähigkeit ein durchaus vernünftiges Vorhaben fast gegen die Wand gefahren.

Zur Erinnerung: Für rund 30.000 Euro hat die Stadt 2013 ein Gutachten in Auftrag gegeben, um sich bestätigen zu lassen, dass in der Bundesstadt Wohnraummangel herrscht. Mit dieser überraschenden Aussage wollte man wohl die Bedenkenträger beruhigen, die überall dann im Stadtgebiet auftauchen, wenn Neubaugebiete geplant werden.

Ab Mai 2014 erhielt die Stadt Informationen zum Stand der gutachterlichen Auswertung, die ab Sommer 2015 in ihrer Endfassung vorlag. Dann geschah mit dem Papier im Stadthaus so lange nichts, dass im Sommer 2016 noch mal eine Aktualisierung in Auftrag gegeben werden musste. Im Herbst 2016 folgte der Paukenschlag: Die Verwaltung legt den Ratsgremien eine Beschlussvorlage mit den bekannten Eckdaten vor - zur Überraschung vieler Politiker und erst recht der Bürger.

Die Schelte ist nachvollziehbar

Erinnert sei daran, dass nahezu parallel im Frühjahr 2014 die Verwaltung den Auftrag erhalten hat, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan für die Umnutzung des Kammergebäudes in Wohnraum zu erarbeiten. Damals war die Rede von 100 Wohneinheiten und 300 Neubürgern. Politik und Bürgerschaft waren auch damals skeptisch, akzeptierten aber die Vorstellungen der Stadt, weil noch im Juni 2014 eine Mitarbeiterin des Planungsdezernats bei einer städtischen Bürgerversammlung versichert hatte, an ein größeres Wohngebiet denke man derzeit nicht. Fazit: In der Öffentlichkeit redet man von 100 Wohneinheiten, im Stadthaus wird die Zahl mal eben verdreifacht. Dass die Stadt dafür jetzt die Schelte einfährt, ist nachvollziehbar.

Und wie einfach wäre es gewesen: Die Stadt wusste spätestens seit 2013, dass die Landwirtschaftskammer Bonn den Rücken kehren wird. Man hatte Zeit genug, um die kompletten 16 Hektar von einem verhandlungswilligen Partner zu einem realistischen Preis zu erwerben. Das Gelände hätte man in frühzeitiger Absprache mit Politik und Bürgerschaft scheibchenweise über einen größeren Zeitraum bebauen, die Häuser samt Grundstück verkaufen und einen respektablen Gewinn erwirtschaften können. So etwas nennt man geschickte Vorratshaltung. Leider kann man die Uhr nicht zurück drehen.