1. Bonn
  2. Hardtberg

Stiftung berät Landwirte: Biologische Vielfalt kann Höfe erhalten

Stiftung berät Landwirte : Biologische Vielfalt kann Höfe erhalten

Die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft mit Sitz in Duisdorf berät etwa 500 landwirtschaftliche Betriebe. Dabei verdeutlichen die Berater, wie wichtig die biologische Vielfalt für ist.

„In Corona-Zeiten haben ja viele Menschen den Wert von Natur und Landschaft für sich wiederentdeckt“, sagt Thomas Muchow und freut sich. Der Ökologe und Landschaftsarchitekt leitet die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft (SRKL) mit Sitz an der Duisdorfer Rochus­straße seit ihrer Gründung. Er stellt klar, dass die Landschaft, so wie wir sie heute kennen, keine Natur-, sondern eine Kulturlandschaft ist.

„Was wir sehen, sind die Auswirkungen von Land- und Forstwirtschaft“, sagt er und fügt noch hinzu, dass ohne menschliche Eingriffe auch heute noch 98 Prozent unserer Landschaft aus Buchenwäldern bestehen würden. Allerdings sei die Bewaldung im Rheinland schon seit den Zeiten der Römer sehr gering gewesen, da man bereits zu dieser Zeit viel Fläche für den Getreideanbau zur Versorgung der riesigen Zahl an Pferden brauchte. „Wir haben hier in der Börde extrem fruchtbare Böden“, sagt Muchow. Auf einer Bewertungsskala bis zu 100 Punkten komme man im Rheinland auf Werte zwischen 80 und 100. Dadurch würden im Rheinland – und in ganz Europa – auch vorzugsweise Getreide, Gemüse, Zuckerrüben und dergleichen angebaut.

Diese Form der Landwirtschaft präge die heutigen Kulturlandschaften, durch die auch bestimmte Bodenbrüter wieder zurückgekehrt seien. So wurde auch die Feldlerche auf dem Meßdorfer Feld wieder heimisch. Eine Entwicklung, die von der SRKL mit Aufklärung und Beratung sowie finanziellem Ausgleich für die Landwirte unterstützt wird. Dem Motto folgend, dass Landwirte biologische Vielfalt brauchen und eine biologische Vielfalt nicht ohne Landwirte machbar ist, setzt sich die Stiftung für die Integration von Naturschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft ein.

28 Mitarbeiter, neben der Administration oftmals Agrarwissenschaftler sowie Biologen und Ökologen, beschäftigt die SRKL an ihrem Hauptsitz in Duisdorf. Jeweils drei weitere Mitarbeiter sind in den Niederlassungen in Wesel, Kempen und Eschweiler tätig. „Wenn wir am Niederrhein sagen würden, dass wir aus Bonn kommen“, so der Geschäftsführer, dann sei das Gespräch dort schnell beendet. So seien die drei Niederlassungen notwendig, um vor Ort den Kontakt mit den Landwirten herzustellen. Dass allerdings der Prophet auch im eigenen Land nicht viel bedeute, fügt Muchow mit leisem, kritischem Unterton hinzu, könne man an der verbesserungswürdigen Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn erkennen. Eine Kooperation sei noch längst nicht mit der, die man beispielsweise mit Köln habe, vergleichbar.

Auch wenn die Stiftung bundesweit vernetzt sei, beschränkt sich deren Tätigkeitsfeld auf die Regierungsbezirke Köln und Düsseldorf. Etwa 500 von den im Rheinland tätigen rund 12 000 landwirtschaftlichen Betrieben werden von der SRKL im Rahmen immer wieder erneuerbarer Verträge bis zu 30 Jahre lang beraten und unterstützt. „Im Rahmen eines freiwilligen kooperativen Naturschutzansatzes wollen wir mehr Biodiversität mit den Landwirten in deren Betrieben und auf deren Flächen erreichen“, bringt Muchow das Kernziel der Stiftung auf den Punkt.

Er beschreibt die Landwirte als Partner, denen die Stiftung aus ihren Projekten heraus die Übernahme von Maßnahmen anbietet, die sehr unterschiedlich sein können. „So haben wir beispielsweise Modellprojekte, in denen wir mit den Landwirten etwas ausprobieren wollen“, erklärt Muchow. Und er nennt den Versuch, mit verschiedenem Saatgut auf dem Meßdorfer Feld herauszufinden, wie biodivers es ist und wie der Landwirt damit zurechtkommt. Das habe man seit Anbeginn der SRKL ausprobiert, um zu „vernünftigen Mischungen zu kommen, die landbaulich geeignet sind, aber auch einen ökologischen Nutzen haben“, so der Diplom-Ingenieur und -Ökologe.

Auf die Frage, wie die landwirtschaftlichen Betriebe auf die Beratungsangebote der SRKL reagierten, antwortet Muchow, dass man einen großen Vorteil als Stiftung der rheinischen Landwirtschaft habe, denn „wir haben den sogenannten Stallgeruch“. Man genieße dadurch einen Vertrauensvorsprung. Wenn die Stiftung komme, könnten Landwirte davon ausgehen, dass sie in ihrem Sinne landwirtschaftlich verträglich beraten würden, was sie auf ihren Flächen machen können.

„Ein Teil unserer Tätigkeit ist auch ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb“, erklärt Muchow. Man habe Forschungs- und gemeinnützige Projekte, für die man Mittel von Privatpersonen und Unternehmen sowie der Öffentlichen Hand bekomme. Darüber hinaus sehe die Stiftung ihre Aufgabe auch in der Anlage und Einhaltung von geforderten Ausgleichsflächen, die durch die sogenannte „Eingriffsregelungen“ bei der Bebauung von landwirtschaftlich genutzten Flächen fällig werden. Nicht nur, dass der geforderte ökologische Ausgleich oftmals „vergessen“ werde, so der Landschaftsarchitekt, der in früheren Zeiten viele Gutachten zum Thema geschrieben hat, sondern auch, dass diese Eingriffsregelung zudem auch zur Aufgabe von landwirtschaftlichen Betrieben geführt habe. „Sollte beispielsweise das Meßdorfer Feld zu zehn oder 20 Prozent bebaut werden“, so Muchow, dann verliere der Landwirt diese Fläche, was bereits für seine Maschinenauslastung ein Problem darstellen könnte. Nun verlange man jedoch zusätzlich von ihm noch einen ökologischen Ausgleich in Form eines Wäldchens auf seinem Acker. „Damit hat er bereits die doppelte Fläche verloren“, rechnet Muchow vor. Auf diese Weise entfielen der rheinischen Landwirtschaft bis zu 15 000 Hektar Fläche pro Jahr. Bei einer durchschnittlichen Betriebsgröße von etwa 50 Hektar, entspreche das jährlich rund 300 Betriebe. Darum rate die Stiftung zum ökologischen Ausgleich durch extensive Naturschutzäcker oder Grünland, bei denen die Landwirte eingebunden werden könnten. „Um beispielsweise die Feldlerche zurückzuholen“, sagt Muchow, „brauche man eben keine Bäume, sondern Acker.“ Dann baue der Landwirt zwar nicht mehr im Ertragsbereich an, in dem es darum gehe, möglichst viel Getreide von seinem Acker zu holen, „sondern es geht nun darum, wie hoch seine Biodiversitätsleistung ist. Und die bezahlen wir ihm.“