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Radfahrer verursachen Bodenschäden: Diskussion um Mountainbiker im Kottenforst geht weiter

Radfahrer verursachen Bodenschäden : Diskussion um Mountainbiker im Kottenforst geht weiter

Mountainbiker sorgen auch im Kottenforst bei einigen Waldbesuchern für Ärger. Die Bonner Verwaltung arbeitet nun an einer legalen Strecke.

Mountainbiker, die sich ihre Wege durch den Kottenforst suchen, sorgen hier – wie auch in anderen Wäldern – immer wieder für Ärger bei Spaziergängern. So sollen zeitweise ganze Gruppen die Abhänge am Venusberg herunterfahren. Nach vermehrten Protesten und dem Eingreifen durch Forstbehörde und Stadt, scheinen die Zweiradfahrer nun weniger unterwegs zu sein.

„Die Zerstörung des Kottenforstes durch rücksichtslose Mountainbiker, die außerhalb der Waldwege fahren, ist ein zunehmendes Problem“, mahnt Rolf Böhnke von der Naturschutzinitiative Bonn. Gerade der Venusberghang im Landschaftsschutzgebiet zwischen Poppelsdorf und Bad Godesberg sei ein beliebtes Ziel für die Radsportler. „Die Mountainbiker fahren abseits der Wege und machen das Gelände kaputt“, berichtet Böhnke, der selbst täglich im Wald unterwegs sei. „Zurzeit ist es etwas ruhiger geworden“, so der Spaziergänger.

Erosionen im Waldboden beobachtet auch Stefan Schniotalle. „Mittlerweile ist der gesamte Hang von Mountainbike-Trails durchfurcht, die den Waldboden so verdichten, dass das Wasser schwerer in den Boden eindringen kann“, sagt der Spaziergänger. Ganze Pisten, Rampen und Sprungschanzen hätten sich die Mountainbiker im Wald angelegt. Gleich fünf Abfahrten habe Böhnke schon mit Flatterband gesperrt, um ein „Unrechtsbewusstsein“ bei den Radfahrern zu schaffen. Die Absperrungen seien aber schnell wieder weg gewesen, erzählt er.

Um die Rechtslage zu klären, hat der General Anzeiger bei der Verwaltung nachgefragt. Die Antwort ist eindeutig: „Mountainbiker, die sich außerhalb der zulässigen Straßen und Wege bewegen, verstoßen gegen naturschutzrechtliche und gegen forstrechtliche Bestimmungen“, sagt der stellvertretende Pressesprecher Marc Hoffmann. Verwaltung und Forstämtern sei das Problem im Kottenforst bekannt. So würden Mitarbeiter der zuständigen Behörden und Ämter gezielt kontrollieren und die Trails sowie Sprungschanzen regelmäßig beseitigen. „Aber in kurzer Zeit entstehen sie wieder neu“, so Hoffmann. Eine Lösung soll nun eine legale Mountainbike-Strecke sein, die in Planung sei. „Mit dieser legalen Lösung hofft die Stadtverwaltung, die Nutzungen an illegal angelegten Strecken zurückdrängen zu können“, sagt Hoffmann. Wann und wo die neue Strecke entstehen soll, sei aber noch nicht konkret geplant.

Der Verein Deutsche Initiative Mountainbike begrüßt den Vorstoß der Stadt. „Offroad zu fahren ist technisch und rechtlich nicht okay“, sagt John Bergenholtz, Sprecher des Bereichs Rhein-Sieg. So sei das Anlegen von Strecken abseits der Wege nicht im Interesse des Vereins, außer es sei rechtlich abgesichert. „Wegeregeln, die alle Vereinsmitglieder befolgen sollen, weisen darauf hin, im Wald keine Spuren zu hinterlassen“, so Bergenholtz. Ein legale Mountainbikestrecke könne daher ein guter Ersatz für bestimmte Zielgruppen im Venusberg sein.

Der Sprecher sieht aber auch Probleme, denn so eine Strecke sei meist nur für Kurzfahrer geeignet. „Die Trails sind alle zwischen einem und fünf Kilometer lang – Das ist für viele Mountainbiker zu kurz und fördert illegale Pisten“, erklärt Bergenholtz. Theoretisch könne man aber Mountainbiker im Kottenforst mit so einer Kurzstrecke abholen, sagt der Sprecher. Auch im Faktor Zeit sieht er Probleme. „Legale Strecken werden von der Verwaltung versprochen und dann tut sich lange nichts, Jugendliche bringen aber nicht die Geduld wie Erwachsene auf“, sagt er.

Mit einem Gerücht möchte der Verein Deutsche Initiative Mountainbike noch aufräumen: „Beim Vergleich der Verhaltensweisen von Mountainbikern, Wanderern und Reitern kann keine überproportional hohe Naturbelastung durch Mountainbiker festgestellt werden, die eine vordringliche Reglementierung dieser Nutzergruppe rechtfertigen würde.“ So seien lokale Erosionsschäden auch durch Wanderer möglich. „Der Wald ist für alle da, man muss sich nur einigen“, fordert Bergenholtz.