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Evangelische Kirchengemeinde Hardtberg: Theologie-Studentin wirbt für nachhaltige Lebensweise

Evangelische Kirchengemeinde Hardtberg : Theologie-Studentin wirbt für nachhaltige Lebensweise

Die 26-jährige Merle Niederwemmer kam 2014 für ein Theologiestudium nach Bonn, in der Evangelischen Kirchengemeinde Hardtberg arbeitet sei als studentische Hilfskraft. Die Gemeindemitglieder versucht sie für den Umweltschutz zu begeistern. Denn nach ihrer Auffassung braucht es dafür nicht viel.

Nach Überwindung der Sintflut, schreibt Pfarrer Georg Schwikart im Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Hardtberg, sei Noah von Gott versprochen worden, dass „solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Da der fromme Wunsch in seiner Unendlichkeit durch die menschengemachten Klimaschäden in Gefahr geraten ist, widmet sich auch das Hardtberger Kirchenblatt in seiner aktuellen Ausgabe (Gemeindebrief Nr. 26 Juni-August) dem Klimaschutz.

Für Merle Niederwemmer fängt Klimaschutz auch bei kleinen Dingen an

Merle Niederwemmer, 26 Jahre alt, die seit zwei Jahren als studentische Hilfskraft neben ihrem Theologiestudium in der Gemeinde tätig ist, fragt in einem Artikel des Gemeindebriefes danach, was jedermann und jede Frau selber zum Klimaschutz beitragen könnte. „Für ökologische Putzmittel braucht man nur frische Zitrone und Natron, wussten Sie das? Haben Sie schon mal gegoogelt, wie schnell man Seife selber machen kann?“, schreibt sie und kommt zu dem Ergebnis, dass „Kleinvieh“ auch Mist mache, dass oftmals schon kleine Schritte zu einem gemeinsamen Erfolg führen können. Man könne auch Kleidung tauschen oder in Secondhandläden kaufen, von denen es in Bonn einige gute gebe. Nachhaltigkeit beginne im Kleinen, könne aber in einer großen Veränderung enden, ist ihre Überzeugung.

Niederwemmer pflanzte mit Polizisten Baum im Hambacher Forst

Sie lacht auf die Frage, ob man sie als eine Umweltaktivistin bezeichnen könne. „Nein“, sagt sie. Sie fände es besser, als umweltbewusst bezeichnet zu werden. Den Ruf der „Aktivistin“ habe sie durch einen Medienbericht bekommen, als ein Bild, auf dem sie zusammen mit einem Polizisten im Hambacher Forst ein Bäumchen pflanzt, rasant viral ging. „Da ist viel Falsches drüber geschrieben worden“, sagt sie. Aber es sei richtig, dass sie versuche, im Rahmen ihrer Möglichkeiten bewusst zu handeln. „Schon mein Budget als Studentin erlaubt es nicht, immer im Unverpacktladen einzukaufen, aber man kann auch beim Discounter darauf achten, möglichst wenig Plastikverpackungen mit nach Hause zu nehmen“, sagt sie. Ihr sei es vor allem wichtig, mit anderen Menschen über Klimaschutz ins Gespräch zu kommen.

Probleme innerhalb der Debatte um den Klimaschutz

Ihr Kommilitone Arne Claßen, 26 Jahre alt, der sich in der Trinitatisgemeinde engagiert und – wie Niederwemmer auch – das Pfarramt anstrebt, sieht das generelle Problem in der Debatte um den Klimaschutz, dass von allen, die sich in dem Bereich engagierten, erwartet würde, sich auch in allen Umweltbelangen zu 100 Prozent richtig zu verhalten. Das sei sehr schade, sagt er, „damit fangen die Leute nicht an, sich in kleinen Schritten in die richtige Richtung zu bewegen.“ Für ihn müssen erst einmal politisch die Rahmenbedingungen geändert werden. Claßen erhofft sich von der Politik klare Ansagen. Auch er ist – wie auch Niederwemmer – erst sehr spät im Studium zur Theologie gekommen. Obwohl aus einem Pfarrhaushalt in Duisburg stammend, hat er erst einmal einen Bachelor in Geografie abgeschlossen, bevor er sich dann einem Theologiestudium zuwandte. Er sei damals so beeindruckt von der Debattenkultur unter den Theologiestudierenden gewesen. „Das war so ganz anders, wie ich das bisher kennengelernt hatte“, sagt er. Zudem fände er das Berufsbild des Pfarrers äußerst spannend, da es viel Eigeninitiative erfordere und nahe am Menschen ist.

Merle Niederwemmer entschied sich für Taufe

Merle Niederwemmer kann sich noch genau an den Moment erinnern, wo sie als Sechsjährige darüber entscheiden konnte, getauft werden. „Ich verstand gar nicht, warum ich plötzlich noch einen Vater haben sollte“, lacht sie. Aber sie käme aus einem kleinen Dorf bei Bad Oeynhausen, in dem die Kirche auch der Treffpunkt gewesen sei. „Irgendwie waren sie alle da.“ Ihr Heimatpfarrer habe ihr schon bei der Konfirmation gesagt, dass er sie sich sehr gut in der Kirchenarbeit vorstellen könnte. Doch nach ihrem Abitur ging sie erst einmal als Bundesfreiwillige für ein halbes Jahr nach St. Petersburg, um dort an einer deutschen Schule zu arbeiten. Der Berufswunsch, eines Tages als Lehrerin zu arbeiten, wurde immer deutlicher. Auch mit den Erfahrungen, die sie noch an einer Schule in Ghana sammeln konnte.

Angehende Lehrerin kam 2014 nach Bonn

So kam sie für ihr Lehramtsstudium 2014 nach Bonn. „Berlin war mir einfach zu groß“, sagt sie. Kurz vor ihrem Bachelor wechselte sie nach sechs Semestern die Fakultät. Auch sie hatte – wie Claßen – den Eindruck gewonnen, dass die Kommilitonen, die Theologie studierten „einen tieferen Einblick“ hatten. Sie entschied sich für ein Praktikum in der Evangelischen Hardtberggemeinde. „Da war es letztlich der vielfältige Lebenslauf von Pfarrer Schwikart, der vom katholischen zum evangelischen Glauben konvertierte und seinen Doktor in Religionswissenschaften gemacht hatte, was mich faszinierte“, so die angehende Pfarrerin. Pfarrer Schwikart habe ihr bereitwillig alles in der täglichen Gemeindearbeit gezeigt, sagt sie. Danach sei es ihr leicht gefallen, sich für den Weg ins Pfarramt zu entscheiden.