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Weck-Werke in Duisdorf: Standort in Bonn existiert seit mehr als 100 Jahren

Mehr als 100 Jahre in Bonn : Zu Besuch im Weck-Werk in Duisdorf

Der Urenkel des Weck-Mitgründers, Georg van Eyck, leitet das Unternehmen in Duisdorf in vierter Generation. Von dort werden die Weck-Gläser seit mehr als 120 Jahren in alle fünf Kontinente geliefert.

„Eigentlich hat das Duisdorfer Glaswerk nur einen einzigen Kunden“, sagt Eberhard Hackelsberger (63), „und das ist die J. Weck GmbH in Öflingen.“ Dort im südlichen Schwarzwald, kurz vor der Schweizer Grenze, leitet der Urenkel des Weck-Mitgründers Georg van Eyck das Unternehmen in vierter Generation. Von dort werden die Weck-Gläser seit mehr als 120 Jahren in alle fünf Kontinente der Welt vertrieben.

„Vielleicht sind es schon über eine Milliarde unserer Gläser, die in den Haushalten zu finden sind“, so Hackelsberger. Seit 1950 kommen die Weck-Gläser aus den inzwischen weitestgehend automatisierten Produktionsanlagen in Duisdorf. Bereits 1911 hatte Weck an derselben Stelle die Einkochtopf- und Thermometer AG (Ekameta) gegründet. 1929 wurde die Produktion der Metallwaren jedoch eingestellt und das Werk in Duisdorf zur Vertriebszentrale für Weck-Produkte im Rheinland. Als zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Weck-Glashütte in Friedrichshain bei Cottbus und die Werke in Penzig bei Görlitz entschädigungslos enteignet wurden, waren dort bereits Hunderte Millionen Gläser produziert worden.

Das Einkochen in Dosen und Gläsern verbreitete sich zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Alles nahm mit Napoleon seinen Anfang, der eine hohe Goldprämie für die Erfindung zur Haltbarmachung von Lebensmitteln auslobte. Er wollte die Verpflegung seiner Armeen und der Marine haltbar machen, um deren Versorgung zu jeder Zeit und an jedem Ort sicherzustellen. Die für damalige Verhältnisse unvorstellbare Summe von 12.000 Goldfrancs erhielt 1810 François Nicolas Appert „für die Kunst, alle animalischen und vegetabilischen Substanzen in voller Frische zu erhalten“.

Täglich verlassen etwa 1,2 Millionen Gläser die Produktionsanlagen. Foto: Stefan Hermes

Doch erst rund 70 Jahre später wurden die Konservendosen und -gläser für Privathaushalte und Landwirte mit der Einführung von Verschlussmaschinen interessant. Ein wirklicher Durchbruch für die Haltbarmachung von Lebensmitteln in allen Gesellschaftsschichten gelang jedoch erst der am 1. Januar 1900 gegründeten Firma J. Weck u. Co. aus dem kleinen badischen Örtchen Öflingen. Plötzlich konnte jeder Lebensmittel ohne großen Aufwand konservieren. Man brauchte nur noch kochendes Wasser sowie Gläser, Gummis und Klammern aus dem Hause Weck.

Synonym für das Einkochen

Dass bis heute noch vom „Einwecken“ gesprochen wird, ist das Indiz dafür, wie sehr die einfache Konservierungsmethode mit den Weck-Gläsern zum Synonym für das Haltbarmachen von Lebensmittel wurde. „Das Patent aufs Einwecken hat aber nicht Johann Weck erhalten, sondern der Chemiker Rudolf Rempel aus Gelsenkirchen“, sagt Hackelsberger. In der Firmenchronik heißt es dazu, dass Rempel am 24. April 1892 seinen „Apparat zum selbstthätigen Schließen und Entluften von Sterilisirgefäßen“ beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin anmeldete.

Wenig später wurde Johann Weck auf das neue Verfahren aufmerksam und war davon begeistert. Der Vegetarier und Anti-Alkoholiker kaufte einen ganzen Waggon Gläser. Und 1895 auch das Patent dazu.

Schnell schien er jedoch festzustellen, dass ihm das Kaufmanns-Gen fehlte. Ganz im Gegenteil zu dem Händler Georg van Eyck. Der hatte bereits an die Hausfrauen in Emmerich und Umgebung mehr Weck-Gläser verkauft als alle anderen Geschäfte in Deutschland zusammen. Johann Weck holte van Eyck nach Öflingen und gemeinsam kam es am 1. Januar des neuen Jahrhunderts zur Gründung der J. Weck Gesellschaft.

Mit einer hohen Lizenzzahlung verließ Weck das gemeinsame Unternehmen jedoch schon nach zwei Jahren. Van Eyck stellte nun Hauswirtschaftslehrerinnen ein, die in Kochschulen, Pfarrhäusern und Krankenhäusern Vorträge mit praktischen Anleitungen gaben, und er verbesserte laufend die Einkochgläser, Gummiringe, Einkochapparate, Thermometer und Hilfsgeräte, die alle unter der Marke Weck verkauft wurden. Damit schuf van Eyck einen der ersten Markenartikel in Deutschland. Doch schon in den Fünfzigerjahren revolutionierte die neue Kühltechnik die Vorratshaltung.

In den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts kamen die ersten Kühlschränke in die Haushalte. Das günstigste Modell von Bosch kostete damals allerdings noch 675 Mark und lag damit bereits über einem damalig durchschnittlichen Monatseinkommen. Anfang der Sechzigerjahre erschwerten dann Aldi und die aufkommenden Tiefkühltruhen das Geschäft mit dem Einwecken. Weck produzierte Glasbausteine und Einweggläser in großer Stückzahl. Die Glasbausteinfertigung musste Hackelsberger 2004 jedoch einstellen, da die Billigkonkurrenz aus Fernost den Markt überschwemmte.

Die Produktion von Gläsern für Senf-, Gurken- und Nussnougat­creme-Produzenten läuft dagegen ungebrochen weiter und sorgt dafür, dass die Glashütte in Bonn-Duisdorf ausgelastet ist. „Hier stellen wir ausschließlich weißes Gebrauchsglas her“, so Hackelsberger.

Die Weck-Gläser für den privaten Haushalt machten dabei inzwischen nur noch etwa zehn Prozent der Produktion aus.