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Aktion auf dem Bonner Münsterplatz: Auf einen Kaffee mit dem Polizeipräsidenten

Aktion auf dem Bonner Münsterplatz : Auf einen Kaffee mit dem Polizeipräsidenten

Die Bonner Polizeibehörde spendierte Getränke auf dem Münsterplatz, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Hintergrund war die NRW-weite Aktion „Coffee with a Cop“.

Polizist Hanses, so verraten es Uniform und metallenes Namensschild, holt den Schlagstock raus. Die Reaktion der Koblenzer Architekturstudenten, die vor ihm im Halbkreis auf dem Münsterplatz stehen, bewegt sich irgendwo zwischen Ehrfurcht und Vorwitz. Ob damit wirklich zugeschlagen wird wie mit einer Waffe? „Es ist mehr ein Werkzeug, zum Abdrängen zum Beispiel“, erklärt Hanses. Und wie sieht es mit Elektroschockern, den Taser-Pistolen, aus? Die kämen in Bonn vorerst nicht zum Einsatz, weil sie in anderen Behörden erst einmal erprobt werden.

Bonns Polizeipräsident Frank Hoever war an diesem Mittwochvormittag nicht so leicht zu erkennen wie Polizist Hanses. Beigefarbener Trenchcoat, grauer Rollkragenpulli, „etwas frisch angezogen“, wie er zugibt. Das war wohl auch der Grund, warum deutlich mehr heiße Schokolade als Kaffee gereicht wurde. „Coffee with a Cop“ heißt die Aktion, die derzeit durch ganz NRW tourt und bei der die Polizeibehörden mit den Bürgern unkonventionell ins Gespräch kommen sollen. „Wirklich darauf vorbereiten kann man sich nicht“, sagte Hoever. Und so war es selbst für langgediente Beamte wie ihn eine neue Erfahrung.

Es dauerte keine zehn Minuten, da sprachen schon die ersten Neugierigen die Polizisten an, die neben dem Café-Wagen auch Zelt und Polizeiauto platziert hatten. Fred Vogel etwa, der selbst mal Polizist war. „Die Polizeiarbeit ist heute eine ganz andere“, erzählte er. Wurde es früher ruhig, sobald sich ein Polizist nähere, würde das heute zunehmend für Provokationen sorgen. Das Thema Respekt von Ordnungskräften sorgte auch einen Stehtisch weiter für Gesprächsstoff. „Ich finde es schrecklich, dass die angegriffen werden, die uns beschützen“, sagte eine Frau.

Vielfältige und gute Resonanz

Eine ältere Dame interessierte sich eher für den Enkeltrick und wie man sich dagegen wehren kann. Ein Mann brauchte wiederum eine Führerschein-Beratung. Er wollte wissen, ob er noch 7,5-Tonner fahren dürfe. Eine Schulklasse fixierte sich sofort auf den Streifenwagen, durfte mal ans Steuer und das Blaulicht anschalten. Wer älter war und sich vorstellen konnte, selbst mal den Polizeiberuf zu ergreifen, konnte sich sogar direkt vor Ort beraten lassen. Es gab aber auch durchaus kritische Themen. So erzählte eine Frau, dass der Fall von Niklas P., der in Bad Godesberg an den Folgen einer Schlägerei starb, sie immer noch beschäftige.  Es kam die Frage nach mehr Polizeipräsenz auf und wie Kriminalität und Gewalt in Bonn verhindert werden könnten.

Von einer so vielfältigen und vor allem „guten Resonanz“ war Behördenchef Hoever überrascht. Er sieht das Format, dessen Vorbild aus den USA stammt und dort schon einige Jahre praktiziert wird, als Chance, „das Ohr nah am Bürger zu haben“. „Es ist persönlicher und ungezwungener als unser bisheriger Bürgerdialog, bei dem wir Lob und Beschwerden entgegennehmen“, sagte er. Es müsse eben nicht zwangsweise um die Polizei gehen, sondern es könne auch „einfach Smalltalk“ gehalten werden.

„Coffee with a Cop“ ist zunächst als einmalige Aktion gedacht, die vom Landesinnenministerium organisiert wird. An rund 30 Städten in NRW macht der Café-Wagen Halt und spendiert Getränke. Bonn war nach Hagen die zweite Station. Die Bonner Behörde kann sich durchaus vorstellen, die Bürger künftig häufiger und regelmäßig einzuladen. In welcher Form, sei aber noch zu klären.