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Das Auge frühstückt mit: Diese kleinen Cafés gibt es rund um die Bonner Innenstadt

Das Auge frühstückt mit : Diese kleinen Cafés gibt es rund um die Bonner Innenstadt

Rund um die Bonner Innenstadt haben sich kleine, liebevoll gestaltete Cafés mit inspirierten Angeboten eingerichtet. Viele von ihnen haben den Status des Geheimtipps längst hinter sich gelassen.

Ihren Kollegen in Paris wurde in diesen Tagen schon zum zweiten Mal wegen der Corona-Pandemie durch eine Zwangsschließung die Existenzgrundlage entzogen. In Bonn halten sich die kleinen, inhabergeführten Cafés weiterhin wacker. Besonders Südstadt, Poppelsdorf und Weststadt bewähren sich seit Jahren als Magnet für die Freunde von individuellem Kaffeegenuss mit dem obligatorischen Stück selbstgebackenem Kuchen. Gerade im Herbst wissen versierte Tortenbäcker mit den frischen Ernteerzeugnissen gewinnbringend umzugehen.

Der Käse-Heidelbeerkuchen etwa ist der Renner im Frau Kreuzberg, das Lea Pötter (33) und ihr Mann Olaf Viehmann (41) vor drei Jahren eröffnet haben. „Ich denke, das Besondere ist die Mischform aus allem: Wir bieten nur handgemachte Produkte an, es gibt Frühstück, Mittagessen und Kaffee und Kuchen“. Außerdem beginne jetzt die Suppensaison. Ergänzt wird die Karte von Schmankerln wie den Pastéis de nata, kleinen portugiesischen Blätterteigtörtchen mit Puddingfüllung.

Am Ende der Straße im Wohngebiet der Weststadt liegen die Gebäude der naturwissenschaftlichen Fakultäten, die wie die meisten anderen Institute – und zum Leidwesen der Bonner Cafés – derzeit auf digitalen Lehrbetrieb umgestellt haben. „Wichtig für uns ist deshalb, dass uns auch Leute von außerhalb finden – was sie auch tun“, sagt Viehmann. Hinzu kommt eine individuelle Atmosphäre, die Pötter auf Basis ihrer über zwölfjährigen Gastronomieerfahrung in dem kleinen Gastraum und der Terrasse davor erzeugt hat.

Kein Mangel an Kaffee in Bonn

Damit wären auch die wichtigsten Ingredienzien genannt, die ein gut laufendes Café ausmachen und auf die sich auch die Mitbewerber verstehen. Natürlich müssen Produkte und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen. Neben der individuellen Karte und handfester Backkunst gehört ein guter Resonanzboden in den sozialen Medien zum Erfolgsrezept: Wer etwas Neues ausprobieren möchte oder zu Besuch in Bonn ist, der sucht im Internet mit hoher Wahrscheinlichkeit nach den Begriffen „Frühstück“ und „Bonn“ und kann sich von appetitlichen Fotos, gefälligem Interieur (gern im Landhausstil) und guten Bewertungen anziehen lassen. Dass ein flotter Name nicht minder wichtig ist, zeigt ein Gang über den Bonner Talweg, wo sich mit dem Café Lieblich, dem Café Cultura Süd und der Black Coffee Pharmacy auf wenigen hundert Metern gleich drei Marken etabliert haben.

Hinzu kommen all die sprechenden Namen und Institutionen wie das Sahneweiß an der Kaiserstraße, das Wonnetörtchen an der Rheingasse, das frankophile C’est la vie an der Kölnstraße, das Frau Holle (Breite Straße), Kurt – der Kaffeeröster an der Clemens-August-Straße oder das Coffee Orange an der Fritz-Tillmann-Straße.

„Echte australische Pies müssen auch von einem Australier gebacken werden, und das bin in diesem Falle ich“, sagt Gareth Were. Der 40-Jährige setzte im März 2019 seinen Entschluss um, „ein Stück Australien nach Bonn zu bringen“. Bei seinen zumeist herzhaften Pies, die er und sein Team in beinahe zwei Dutzend Variationen servieren, setzt er auf eigene Rezepturen und Produkte lokaler Erzeuger – wie etwa die Kartoffeln aus Hersel, die die Grundlage für sein Püree bilden. „Wir machen alles selbst – vom Teig über Füllung und Dips bis zum Ketchup“, so Were. Keine Frage, dass dasselbe für die kleinen Cookies und Kuchen auf dem Tresen gilt.

Einen "Ein-Frau-Betrieb" führt derweil seit mehr als zehn Jahren Brigitte Bork mit ihrem Café Kaffeeklatsch an der Georgstraße in der Nordstadt. In den Räumen an der Ecke zur Adolfstraße und mit Blick auf die Franziskuskirche bietet auch sie ihren Gästen am liebsten Selbstgemachtes an: "Ich backe die Kuchen und Torten selbst, zum Angebot gehören auch frische Waffeln und herzhafte Quiche", erzählt sie und ergänzt: "Die Kuchen und Torten variieren etwa alle vier Wochen, dabei richte ich mich nach den Jahreszeiten. Zum dauerhaften Angebot gehören Schokoladentorte, Käsekuchen, Apfelkuchen und Kirschstreusel". Zum Repertoire der Betreiberin gehören die Mohn-Schichttorte und der Mailänder Kirsch ebenso wie Bratapfel-Törtchen, Zwetschge-Mandel, Waldbeerentorte, Erdbeer-Fraisier, Zitronencremetorte und vieles mehr. Neben etwa 20 Innensitzplätzen können die Gäste des zwischen Freitag und Sonntag geöffneten "Kaffeeklatsch" auch im Außenbereich unter der Kiwi gemütlich und ruhig sitzen.

Ein kultiviertes Bönnsch pflegt hingegen Hans-Josef Schlösser. Seit nunmehr zwölf Jahren bewirtet er seine Gäste in dem Café mit dem naheliegenden Namen Herr Schlösser an der Königstraße. Umgeben von Mobiliar aus den 50er und 60er Jahren hat er nicht nur Kaffee zu bieten, sondern auch Abendveranstaltungen. Beim „Supper Club“ im 14-tägigen Rhythmus etwa bleibt das Menü ebenso eine Überraschung wie die Tischpartner, die sich dann zusammenfinden.

Und dann sind da noch diejenigen, bei denen man beim Betreten gar nicht so recht weiß, ob man es eigentlich mit einem Café zu tun hat: Eher auf Teespezialitäten hat sich beispielsweise das Café Blüte an der Ecke Heer-/Wolfstraße spezialisiert, wo es – der Name verrät es schon – nicht zuletzt während der Kirschblüte ein Heimspiel gibt. Gleich gegenüber vereint das Café del arte die Funktionen von Galerie, Laden und Kaffeeverkauf. Dass viele der kleinen Läden besonders zarte Pflänzchen in der Bonner Gastroszene sind und ihnen die Corona-Krise überdies zusetzt, zeigen zwei Meldungen der jüngeren Vergangenheit: „Liebe Gäste, aufgrund der Corona-Situation bleibt das Café leider vorläufig geschlossen“, verkündet derzeit ein Aushang im Café 464 an der Königstraße. Und der Inhaber des Brews Lee Coffee an der Endenicher Straße teilte seinen Kunden bereits im Mai via Facebook mit, dass er das Café coronabedingt schließt und sich auf die Rösterei konzentrieren wolle. An Kaffee, so scheint es, wird es in Bonn auch künftig nicht mangeln.