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Videokonferenz statt Dienstreise: Was der Flugreisebann der USA für die heimische Wirtschaft bedeutet

Videokonferenz statt Dienstreise : Was der Flugreisebann der USA für die heimische Wirtschaft bedeutet

Die Corona-Pandemie setzt der heimischen Wirtschaft stark zu. Nun setzt US-Präsident Donald Trump mit seinem Flugbann für Staatsbürger aus dem Schengenraum die Unternehmen weiter unter Druck.

Vorerst sind es 30 Tage, an denen Europäer nicht mehr in die USA einreisen dürfen. Der Bann zur Eindämmung des Coronavirus betrifft einen der wichtigsten Handelspartner der regionalen Wirtschaft. Laut Statistik der Industrie- und Handelskammer (IHK) aus dem vergangenen Jahr stehen die USA mit 90 im Handelregister eingetragenen Unternehmen an der Spitze der ausländischen Unternehmen in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis, gefolgt von der Schweiz und Großbritannien. Gemessen an der Zahl der Handelsbeziehungen seien die USA wichtigster außereuopäischer Wirtschaftspartner der Region, so die Kammer.

„Der Einreisebann ist eine Einschränkung für die Wirtschaft“, sagt IHK-Außenwirtschaftsexperte Armin Heider. Ab jetzt bis Ende April fänden allein 30 internationale Messen in den USA statt. Müssen Unternehmer wegen der Reisebeschränkungen oder Ausfall der Veranstaltungen nun auf einen Besuch verzichten, könne das zu Einbußen führen. „Messen spielen gerade wegen der persönlichen Kontakte nach wie vor eine große Rolle“, sagt Heider. „Dort werden oft die Vertragsabschlüsse besiegelt.“ Das Einreiseverbot schade daher nicht nur den deutschen, sondern auch amerikanischen Unternehmen.

Eaton schränkte Dienstreisen schon früh ein

In vielen Firmen hat man sich jedoch schon zu Beginn der Coronakrise an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst. Der Bonner Elektronikkonzern Eaton etwa hat wie viele andere Unternehmen Dienstreisen bereits weitgehend eingeschränkt und persönliche Treffen in Telefon- und Videokonferenzen umorganisiert. „Eaton in Bonn hat daher durch den Einreisebann keine Einschränkungen“, teilte Geschäftsführer Christof Spiegel auf Anfrage mit.

Auch der Leverkusener Chemiekonzern Bayer ist eng mit den USA vernetzt. Durch das Reiseverbot werde sich die Zahl der Dienstreisen noch weiter verringern, sagte ein Sprecher am Donnerstag. „Für die Warenein- und ausfuhr sowie für die Produktionsbetriebe im Land selbst dürften sich zunächst allenfalls geringe Einschränkungen ergeben.“ Auch bei Ford in Köln und Haribo in Grafschaft verwiesen Sprecher auf ohnehin wegen des Coronavirus verhängte Dienstreisestopps. Die Post gibt sich bei der Bewertung des US-Einreisebanns zurückhaltend: „Wir beobachten und bewerten die Entwicklung der aktuellen Situation sehr genau und arbeiten an Lösungen für unsere Kunden“, hieß es.

Tourismusbranche deutlicher betroffen

Die Tourismus- und Luftfahrtbranche könnte die US-Maßnahme dagegen deutlicher treffen. Während der Frankfurter Flughafen von derzeit 70.000 fehlenden Passagieren spricht, will man sich in Köln/Bonn  nicht auf konkrete Zahlen festlegen, auch den Einfluss auf das Frachtgeschäft konnte eine Sprecherin nicht beziffern. Direktverbindungen in die USA im Passagierverkehr gibt es in Köln/Bonn nicht, aber von hier aus starten zahlreiche Zubringerverbindungen für Transatlantikflüge. Die Reisetochter DER des Kölner Rewe-Konzerns teilte mit, alle Reisen, die von der US-Maßnahme betroffen sind, zu kündigen. Derzeit befinde sich eine „niedrige vierstellige an Gästen“ mit DER in den USA. Mit denen will sich der Reiseanbieter in Verbindung setzen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.