1. Region
  2. Ahr & Rhein
  3. Remagen

Tierheim in Remagen: Mehr Schützlinge, weniger Spenden​

Auswirkungen von Corona und Flut : Tierheim Remagen betreut so viele Tiere wie nie zuvor

Das Tierheim in Remagen betreut nach Corona und Flut so viele Tiere wie nie zuvor. Gleichzeitig geht die Spendenbereitschaft der Menschen deutlich zurück.

Patchy bellt und bellt. Der braune Cocker-Spaniel-Mischling ist nervös und hat Angst. Kein Wunder, wenn Madeleine von Falkenburg, Teamleiterin und Ausbilderin im Tierheim und Tierschutzverein Kreis Ahrweiler, seine Geschichte erzählt: Der Hund wurde in einen Weiher bei Arzdorf geworfen, ein Mann konnte ihn mit dem Boot retten. So ist er ins Tierheim gekommen, das für Abgabe- und Fundtiere m Kreis Ahrweiler zuständig ist. Patchy leide zudem unter einem schweren Nierenschaden und kaputten Zähnen, so von Falkenburg.

Kaum vorstellbar, dass dieses Tier bald in ein möglichst glückliches neues Umfeld weitervermittelt werden kann. Doch Claus Krah, Vorsitzender des Tierschutzvereins, zeigt sich optimistisch: „Wir haben eine sehr kurze Verweildauer hier. Im Schnitt bleiben die Tiere 23 bis 24 Tage bei uns.“ Seine spontane Idee für Patchy: „Der könnte gut ein Bürohund werden“. Doch damit meint er nicht, dass der Spaniel bald in einem Großraumbüro liegen soll, sondern, dass er zur Resozialisierung eine Zeit lang mit in den Büroräumen des Tierheims bleiben könnte, um die Angst vor den Menschen zu verlieren. Noch lebt er einem der kleinen Zwinger, auf dem 6000-Quadratmeter-Gelände im Blankertshohl in Remagen, das eigentlich aus allen Nähten platzt.

Umzug verzögert sich

Schildkrötengehege, Zwinger, Auslaufflächen, Aufzuchtstation: Das alles befindet sich dort quasi im Garten und in einem einstigen Einfamilienhaus. Nicht gerade ideal für Schildkröte, Hund, Katze und Taube. Und so steht das Projekt Umzug schon lange auf der Agenda des Vereins. Die Mitgliederversammlung hat schon mit Ja zu dem geplanten 2,6-Millionen-Bauprojekt gestimmt. Doch Corona und die Flut haben es ins Stocken gebracht. „Wir hängen mindestens 1,5 Jahre damit hinterher“, so Krah, der gerade in Verhandlungen ist, um neue Flächen im Kreis zu kaufen. Wo sie liegen werden, will er nicht verraten. Nur so viel: Sie sollen größer sein – er spricht von 40.000 Quadratmetern – und werden sicher eher im ländlichen Raum liegen.

Egal wo: die Verpflegung und das Training der Fund- und Abgabetiere kostet viel Geld. Allein die Trainerstunden für einen traumatisierten Hund kosten im Monat 1000 Euro, so Krah, der den Betrieb im Ehrenamt leitet. Und gerade da drückt der Schuh: Die Anzahl der abgegebenen Tiere wächst kontinuierlich, besonders nach Corona und im Ahrtal noch durch die besondere Situation mit der Flut. Auf der anderen Seite nimmt die Spendenbereitschaft der Menschen ab: „Wir können heute einen Spendenrückgang im Vergleich zu einem normalen Betriebsjahr um 70 Prozent feststellen“, so Krah. Doch er lässt den Kopf nicht hängen und hofft – auch in diesen schwierigen Zeiten – mit den richtigen Worten, noch ein paar Euro für die Tiere locker zu machen.

Anrufe aus ganz Deutschland

 Für die Tiere, die häufig während Corona in unvorbereitete Haushalte gekommen sind, und jetzt im Tierheim gelandet sind. Vor einer Weitervermittlung der Tiere in neue Familien besteht das Tierheimteam daher auf Besuchen und Kontrollen bei Interessierten. Wenn er das Wort „Home-Office“ nur höre, gingen bei ihm die Alarmglocken an, so Krah, der dabei seinen Hund Bumble streichelt, der auch aus dem eigenen Haus kommt. Zehn Anrufe pro Tag aus ganz Deutschland würden aktuell von überforderten Besitzern eingehen mit den Worten: „Mein Hund beißt, sie müssen den nehmen.“ Und tatsächlich: Tierheime sind dazu verpflichtet, Tiere zurückzunehmen, wenn sie diese vermittelt haben. Diese Information ist dem Vorsitzenden ganz wichtig: „Wenn die Leute sich ihr Tier nicht mehr leisten können oder damit umgehen können, ist es hier sicher besser aufgehoben.“

Madeleine von Falkenburg, die aktuell vier Festangestellte, sechs Azubis und vier junge Leute im Bundesfreiwilligendienst, betreut, ergänzt: „Aktuell sind auch schwangere Jungkatzen ein großes Problem.“ Alleine dieses Jahr hätten sie sechs Jungkatzen aufnehmen müssen, die im Tierheim ihre Jungen bekommen haben. Da vervielfacht sich die Summe der zu betreuenden Tiere schnell. Oft würden auch die männlichen Tiere aus Zuchten abgegeben werden, was manchmal auch heißt: über den Zaun geworfen. Aktuell leben im Heim 60 bis 70 Katzen, 20 Hunde und etwa 30 Kleintiere von Schildkröte bis Taube. Bei allein 20 Euro pro Zwingerplatz pro Tag, kommt da eine stattliche Summe zusammen. Mit Patenschaften, Spenden und Mitgliederbeiträgen könne man einiges auffangen, „aber so ganz passt es halt nie“, so Krah zum Schluss.