1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Niederkassel

Niederkassel: Stadt arbeitet an der Integration von Geflüchteten

Wohnen und Arbeiten in Niederkassel : Niederkassel arbeitet an der Integration von Geflüchteten

Nachdem der Landesintegrationsrat die Lebenssituation von Geflüchteten in Gemeinschaftsunterkünften monierte, informierte sich der Integrationsrat der Stadt Niederkassel über die Situation vor Ort. Es bestehen Kapazitäten, um weitere Geflüchtete aufzunehmen – nur die Integration bereitet Schwierigkeiten.

„Missstände, wie der Landesintegrationsrat sie anprangert, haben wir nicht“, berichtet Karl Frechen, Flüchtlingskoordinator und Integrationsbeauftragter der Stadt Niederkassel. Die Situation in den Unterkünften Waldstraße, Heinrich-von-Stephan-Straße und Kopernikusstraße sei gut. So teilten sich beispielsweise drei männliche Personen eine Wohnung, alle mit eigenem Zimmer.

 Die Unterkunft an der Waldstraße in Niederkassel.
Die Unterkunft an der Waldstraße in Niederkassel. Foto: Hans-Werner Klinkhammels

Die Stadt Niederkassel bringt derzeit 283 Personen mit Fluchthintergrund unter. 150 davon sind in Asylverfahren gebunden, 110 haben einen Schutzstatus, sind also Bleibeberechtigte mit Anerkennung. „Diese Menschen wohnen noch in Heimen, sind aber freigestellt und könnten auch woanders hingehen“, so Armin Wallraff, Dezernent für Schule, Sport, Kultur und Soziales. Man sei jetzt in der komfortablen Lage, auch Einzelpersonen das Wohnen in Zimmern oder ganzen Wohnungen zu ermöglichen.

Unterbringung in Privatwohnraum

Das komme daher, dass die Stadt keine Übergangsheime abgestoßen habe, erklärt er. Frechen ergänzt, dass man jedoch „nachbetten“ müsse, falls sich die aktuelle Ankommquote erhöhe aufgrund der Flüchtlinge, die über Belarus oder Polen kommen. „Das würde bedeuten, dass dann zwei oder gar drei Menschen auf einem Zimmer übergangsweise untergebracht werden müssten“, erklärt der Flüchtlingskoordinator. Im Jahr 2017 seien bei etwa gleich großer Kapazität noch 500 Personen durch die Stadt aufgenommen worden. „Wenn man mehr Mitbürger in Niederkassel bewegen könnte, Privatwohnraum zur Verfügung zu stellen, wäre das sehr hilfreich.“

Geflüchtete Menschen in privaten Wohnungen unterzubringen sei immer dann leichter, wenn sie der deutschen Sprache mächtig seien und eine Arbeitsstelle hätten. Dies zu erreichen sei aber nicht einfach. So habe ein Bildungsträger kürzlich seine angemieteten Räumlichkeiten im nahe gelegenen Troisdorf-Spich gekündigt – wegen Uneinigkeiten mit dem Integration Point, einer Kooperation des Jobcenter Rhein-Sieg und der Agentur für Arbeit Bonn. Nun müssten die Menschen zu den Kursen nach Siegburg oder Bonn fahren.

Qualifikationen allein reichen nicht

„Wir planen gerade, wie wir hier wieder Abhilfe schaffen können“, informiert Frechen. Und Wallraff stellt klar: „Wer dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht, hat Anspruch auf Integrationskurse.“ Geflüchtete auf den Arbeitsmarkt zu bringen sei einer der wichtigsten Punkte überhaupt, lautet die Ansage aus der Verwaltung. Frechen hat sich die Integration durch Arbeit auch auf die eigene Fahne geschrieben: „Der Markt ist da, es gibt genug Arbeits- und Ausbildungsplätze. Voraussetzung ist aber immer die Deutsche Sprache. Viele bringen gute Qualifikationen mit, aber hier fangen sie ganz neu an. Ein Papier aus Afghanistan nützt nicht viel.“ Nur etwa 40 bis 50 Prozent der Neuankömmlinge könnten die erforderlichen Sprachkenntnisse vorweisen.

Ein Deutschkurs bei der Volkshochschule helfe dabei nicht viel, erklärt die Verwaltung der Stadt Niederkassel. „Die VHS vermittelt mit ihrem niederschwelligen Angebot nur Grundwissen, sie zertifiziert aber nicht", so Frechen. Er plant, einen Azubi-Tag besonders für geflüchtete junge Menschen einzurichten und hat dafür bereits Kontakt zu verschiedenen Firmen aufgenommen. Bei diesem Plan erhält er auch Unterstützung seitens der Stadt.