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Evangelischer Kindergarten in Ließem: Koalition will Kita-Neubau an anderer Stelle

Evangelischer Kindergarten in Ließem : Koalition will Kita-Neubau an anderer Stelle

CDU und Grüne in Wachtberg haben einen Antrag eingebracht, wonach die Verwaltung einen neuen Standort samt Grundstückskauf in Ließem prüfen soll.

Alles zurück auf Anfang. So lässt sich der Inhalt einer Pressemitteilung beschreiben, die jetzt die schwarz-grüne Koalition in Wachtberg zur Kita in Ließem herausgegeben hat. Darin teilen die beiden Fraktionen mit, dass sie nun doch gegen einen Neubau auf dem bisherigen Gelände der evangelischen Kita sind.

Wie mehrfach berichtet, war die Substanz der Gebäude an der Marienstraße so schlecht, dass die Politik sich für die Planung einer Neubauvariante ausgesprochen hatte. Genau vor einem Jahr hatte Katharina Chatterjee vom Büro NC Architekten aus Villiprott ihre Machbarkeitsstudie im Bildungsausschuss vorgestellt. Die Gesamtkosten schätzte die Architektin auf rund 2,6 Millionen Euro; der eigentliche Neubau lag bei rund 2,2 Millionen Euro.

„Doch es gibt gewichtige Gründe, eine andere Lösung ins Auge zu fassen“, teilen die Fraktionsvorsitzenden Christoph Fiévet (CDU) und Oliver Henkel (Grüne) nun mit. Ursprünglich sei nämlich geplant gewesen, die Ließemer Gruppen während der Sanierungszeit in der Berkumer Kita Schatzkiste unterzubringen. Denn die Schatzkiste der Limbach-Stiftung sollte im Laufe des Jahres in den neuen Kindergarten an der Alten Molkerei in Berkum umziehen. Da der Start des Neubaus in Berkum noch nicht erfolgt sei, stuft die Koalition die Überlegungen bezüglich der Verschickung der Ließemer Kinder als „gefährdet“ ein. Der Betreiber an der Alten Molkerei, die gemeinnützige Gesellschaft Step Kids KiTas aus Berlin, war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Einen weiteren Grund zum Umdenken sehen CDU und Grüne in der „mit erheblichen Kostenrisiken verbundenen Kernsanierung der alten Ließemer Kita“ – wobei de facto ein zweigeschossiger Neubau von der Architektin geplant wurde. Deshalb wolle man nun eine alternative Lösung prüfen lassen.

„Nicht zuletzt wegen der ungünstigen topografischen Lage kann nur mit erheblichem Aufwand und den damit verbundenen sehr hohen Sanierungskosten der weitere Betrieb des bisherigen Kindergartens gesichert werden“, meint Christoph Fiévet. Ein Neubau an anderer Stelle biete für die Gemeinde zusätzliche Vorteile in der Haushaltsplanung. „Während Sanierungskosten unmittelbar und in voller Höhe zu Buche schlagen, können wir die Kosten für einen Neubau über viele Jahre der tatsächlichen Nutzung verteilen“, führt Oliver Henkel aus.

Verwaltung hat Kindergartenbedarfsplanung erstellt

 Darum will die Koalition nun im Bildungsausschuss den Antrag durchbringen, dass die Verwaltung einen Neubau im Ort prüft und die dafür einschießlich Grunderwerb notwendigen Haushaltsmittel für 2021 und 2022 einstellt.

Wenn der Antrag angenommen werde, prüfe man das Beauftragte natürlich, so Gemeindesprecherin Margrit Märtens auf Anfrage. „Das vergangene Jahr hat die Verwaltung dazu genutzt, die Kindergartenbedarfsplanung zu erstellen“, so Märtens. Es sei aber noch offen, ob wegen des Neubaugebiets Roggenacker in Ließem eventuell sogar dreigruppiger Bedarf bestehe. Ebenfalls noch in Bearbeitung sei der Vorschlag, auf ein Investorenmodell für ein neues Kitagebäude zurückzugreifen.

Pfarrerin Müller in Sorge um baulichen Zustand der Kita

Der Bildungsausschuss hatte im Februar 2020 dem Finanzausschuss zudem empfohlen, 250 000 Euro für die weitere Planung in den Nachtragshaushalt einzustellen. Auf Nachfrage, was mit dem Geld geschehen sei, sagte Märtens: „Die Mittel sind nicht bereitgestellt worden.“

Überrascht von dem neuen Ansatz der Koalition zeigen sich auf GA-Anfrage sowohl Pfarrerin Kathrin Müller wie auch Architektin Chatterjee. Die evangelische Kirchengemeinde Wachtberg nutze als Trägerin des Kindergartens Ließem nur die Räumlichkeiten der Kommune. Deshalb habe man keinen Einfluss auf bauliche Entscheidungen. „Allerdings schauen wir mit Sorge auf den baulichen Zustand der beiden Gebäude und freuen uns, dass wieder Bewegung in die Sache kommt“, sagt Müller. Wenn ein Kindergarten im Ort erhalten werden könne – „auf welchem Gelände auch immer – dann begrüßen wir das sehr“.

Chatterjee, die nach eigenen Angaben viele Gedanken und damit Arbeit in die Vorplanung gesteckt hat, zeigt sich etwas traurig, betont aber auch: „Ich bin generell nie der Entscheider, nur der Ausführer.“ Archiktektonisch könne man jedenfalls viel auf dem Bestandsgrundstück machen.