1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Bonn: Ratsbündnis willNeubau des Busbahnhofs ab 2023

Koalitionspläne : Bündnis will Neubau des Bonner Busbahnhofs ab 2023

Die Mehrheitskoalition geht von einem Beschluss für die Kappung des Cityrings vor der Sommerpause aus. Bei der Ausplanung für einen neuen Busbahnhof soll der Autoverkehr keine Berücksichtigung finden.

Das Ratsbündnis aus Grünen, SPD, Linken und Volt dringt auf einen barrierefreien Neubau des Zentralen Busbahnhofs (ZOB) ab dem Jahr 2023. In einem gemeinsamen Antrag für die April-Sitzung des Mobilitätsausschuss formulieren die Koalitionspartner, dass die Verwaltung eine baureife Planung „mit höchster Priorität“ vorlegen soll. In einer digitalen Pressekonferenz erläuterten Verkehrspolitiker der Fraktionen am Mittwoch die Hintergründe. In der Ausplanung soll der Autoverkehr keine Berücksichtigung finden. Wie der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Rolf Beu, erläuterte, gehe das Bündnis davon aus, dass die Ratsmehrheit spätestens vor der Sommerpause einen Beschluss für die neuerliche Kappung des Cityrings fällen wird. Nach der Umsetzung könnten Autos – wie schon in der Vergangenheit probeweise eingeführt – nicht mehr durch die Wesselstraße oder über die Kaiserstraße und die Maximilianstraße vor den Hauptbahnhof gelangen. Dieser Plan ist nicht überraschend: Sowohl Bündnis als auch Oberbürgermeisterin Katja Dörner hatten diesen Schritt angekündigt.

Bei der Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs soll auch das Büro Stefan Schmitz beteiligt werden, das bereits eine Vorplanung vorgelegt hatte. Das Areal zwischen Kaiserplatz, Südunterführung, der Straße „Am Hauptbahnhof“, dem Maximilian-Center und der Maximilianstraße sollen die Planer als Ganzes in den Blick nehmen. Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD, Gabi Mayer, begründete diesen Schritt folgendermaßen: „Der Neubau des ZOB braucht hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Flächen Planungssicherheit, deshalb ist es nur folgerichtig, dass wir jetzt den Cityring für den Individualverkehr schließen wollen.“ Auch nach Ansicht von Karin Langer (Volt) und Patrick Tollasz (Linke) werde dadurch der Weg bereitet, um Fußgängern und Radfahrern sowie dem öffentlichen Nahverkehr mehr Raum zu verschaffen. Langer erklärte, Radfahrer, die beispielsweise durch die Südunterführung zum Kaiserplatz gelangen, sollten in einem Bogen um den künftigen ZOB herumgeführt werden, sodass eine zügigere und sichere Radverbindung geschaffen würde. „Zudem besteht die Chance, das Areal auch städtebaulich deutlich aufzuwerten“, sagte Tollasz. Er betonte, dass die Parkhäuser weiterhin erreichbar bleiben sollen.

Da noch keine baureife Planung vorliegt, sind die tatsächlichen Kosten noch nicht bekannt. Beu geht von einem einstelligen Millionenbetrag aus und kann sich vorstellen, dass der Neubau in etwa anderthalb Jahren zu errichten wäre. Einen Förderantrag hat die Stadt bereits vor Jahren beim Fördergeber, dem Verband Nahverkehr Rheinland (NVR), eingereicht. Da bislang keine fertige Planung vorliegt, hat der NVR über diesen Antrag bisher nicht entschieden. Der Verband übernimmt in der Regel 80 bis 90 Prozent der Kosten. Allerdings prüft er die Förderfähigkeit der einzelnen Maßnahmen genau. Heißt: Kosmetische Sonderwünsche werden im Zweifel nicht bezuschusst. Die Stadtverwaltung hatte das Ziel, ab 2023 mit dem Umbau zu beginnen, zuletzt „als sportlich“ bezeichnet.

Aus Sicht der Koalitionäre ist der ZOB aus den 70er Jahren „ein Relikt aus grauer Vorzeit“. Mit der Kappung des Cityrings und dem Neubau bestehe die Chance, die Innenstadt aufzuwerten und zukunftsfähig zu machen, beispielsweise durch eine attraktivere Anbindung der Universität an die bestehende Fußgängerzone. Der Einzelhandelsverband, der Gewerbeverein City-Marketing und die Industrie- und Handelskammer lehnen dagegen die Unterbrechung des Cityrings für Autofahrer ab. Sie gefährde die Erreichbarkeit der Innenstadt und damit die Umsätze der Händler. Unter anderem die CDU und der Bürger Bund Bonn hatten im Rat in der vergangenen Wahlperiode erfolgreich für die Wiederöffnung des Cityrings gestimmt.