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Nachhaltig und natürlich?: Das sagen Experten aus Bonn zu Naturkosmetik

Nachhaltig und natürlich? : Das sagen Experten aus Bonn zu Naturkosmetik

Ein Gang durch die Drogerie verrät: Nachhaltige Kosmetik mit „natürlichen“ Inhaltsstoffen liegt im Trend. Was an den Produkten aus Pflanzen, Früchten und Avocado-Öl dran ist, erläutern eine Naturkosmetikerin und ein Dermatologe aus Bonn.

Kaltgepresstes Passionsfrucht-Öl, biologisch abbaubare Sonnencreme, Fußpeeling ohne Mikroplastik, marrokanisches Arganöl - mit 90 Prozent natürlichem Ursprung: Ein Blick in die Kosmetikregale des Drogeriemarkts um die Ecke zeigt, wie viel Natur in der Pflege für Haut und Haare stecken soll.

Produkte mit Früchten und Pflanzen auf der Verpackung, umweltfreundlich hergestellt, werden beim Verbraucher derzeit immer beliebter: Laut Angaben des Marktforschungsinstitut GfK haben mehr als 96 Prozent aller Haushalte in Deutschland im vergangenen Jahr Bio- oder Ökoprodukte in ihren Einkaufswagen gepackt - darunter auch vermeintlich natürliche Kosmetik. Doch was ist dran an dem Trend?

Natur- und Biokosmetik: keine geschützten Begriffe

Zwischen den Begriffen Naturkosmetik, Biokosmetik, nachhaltiger Kosmetik oder auch veganer Kosmetik verschwimmen zunächst einmal schnell die Grenzen. Nicht weiter verwunderlich, denn diese Begriffe sind der Verbraucherzentrale zufolge nicht geschützt: „Das kann alles heißen“, sagt auch die Naturkosmetikerin Nicole Pavenstädt aus Bonn.

Unternehmen könnten sich etwa „nachhaltig“ auf die Fahne schreiben, wenn zum Beispiel die Lieferung besonders regional oder die Verpackung in irgendeiner Weise umweltschonend sei. Das werde auch als „Greenwashing“ bezeichnet.

Das heiße aber nicht, dass solche Produkte gleichzeitig tatsächlich Bio oder natürlich sein müssen, denn: „Naturkosmetik bedeutet, dass die Inhaltsstoffe zu einem sehr großen Teil pflanzlich sind“, erklärt Pavenstädt. Naturkosmetik soll also nur Stoffe enthalten, die in den Kreislauf der Natur rückführbar sind. Der Unterschied dabei zu Biokosmetik: Dort müssten die pflanzlichen Inhaltsstoffe zusätzlich „zu einem großen Teil biologisch angebaut werden“, sagt die Expertin aus der Südstadt.

Sie hat das Gefühl, dass das Bewusstsein für Naturkosmetik generell gestiegen sei. Die Anfrage sei ein bisschen gestiegen, seitdem sie ihr Studio im Frühjahr 2019 geöffnet hat. Viele Kunden kämen, weil sie entweder schon immer auf diese Art von Hautpflege gesetzt oder einfach Probleme mit ihrer Haut haben.

Laut Pavenstädt kann konventionelle Kosmetik wegen Inhaltsstoffen wie Parabenen, Emulgatoren oder zusätzlichen Düften den Zustand des angeborenen Hauttypen nicht verändern, sondern nur zudecken. Naturkosmetik aber schon. Dort seien lediglich Wirkstoffe enthalten, die das Hautbild verbessern könnten.

Wer im Gang durch die Drogerie unsicher ist, ob eine Hautcreme etwa nicht-synthetische Wirkstoffe enthält, kann sich an bestimmten Siegeln orientieren: Die häufigsten für zertifizierte Naturkosmetik stehenden Symbole in Deutschland sind das NaTrue-Siegel und das BDIH-Siegel. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Die vielen verschiedenen Siegel haben teils unterschiedliche Kriterien.

Das BDIH-Siegel ist ein HInweis auf kontrollierte Naturkosmetik. Foto: DPA

Naturkosmetik kann Allergien verursachen

Als Verbraucher wisse man oft nicht, was genau dahintersteckt, sagt der Arzt Thomas Bieber, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie an der Uniklinik Bonn. Die vermeintliche Naturkosmetik in Drogeriemärkten sieht er eher kritisch: „Das ist großteils Marketing, Kundenfang und Verkaufsstrategie“. EU-weit gelten strikte Regelungen, wie etwa ein Kosmetikprodukt zusammengesetzt sein muss und welche Substanzen in welcher Konzentration erlaubt sind.

Große und bekannte Marken geben sich laut Bieber viel Mühe und investieren viel Geld, diese Vorgaben einzuhalten und dazu zum Beispiel nachhaltig zu produzieren. Deshalb: „Ich empfehle lieber ein Produkt von einer bekannten Firma, wo ich weiß, dass sie sich an die strengen Regeln halten“, rät der Experte.

Auch das NaTrue-Siegel steht für kontrollierte Naturkosmetik. Foto: DPA

Zu ihm kämen sehr viele Patienten, die durch die vermeintliche Natur- oder Biokosmetik Probleme bekommen hätten: „Die meisten Fälle von wüsten Kontaktallergien entstehen aufgrund dieser Produkte“ – zum Beispiel von Salben aus der Ringelblume, die gerne bei trockener oder rissiger Haut benutzt wird. Auch bei synthetischer Kosmetik könnten zwar Allergien auftreten, das sei dort aber eher überschaubar: Unternehmen würden dort viel Zeit in die Testung dieser Produkte stecken.

Generell habe der Dermatologe nichts gegen Naturkosmetika. Nur: Bei der Frage, ob sich kleinere Marken für diese Pflegemittel auch so strikt an die EU-Regelungen halten, da sei er sich nicht sicher. Am besten sei es für die Haut, Kosmetikprodukte so weit wie möglich wegzulassen.

Naturkosmetik in Bonn

Trotz allem haben sich einige Studios und Läden in Bonn zuletzt gehäuft, die eigenen Angaben zufolge mit naturkosmetischen Produkten arbeiten. Ein Überblick:

Es handelt sich hierbei um eine beliebige Auflistung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat oder objektiven Kriterien gefolgt wäre. Es handelt sich ebenfalls nicht um eine Rangfolge. Die Reihenfolge ist willkürlich. Haben Sie Ergänzungen? Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail an online@ga-bonn.de.