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Remagens Galeristin Rosemarie Bassi wird 80

Galeristin Bassi wird 80 : Ein Leben im Zeichen der Kunst

Rosemarie Bassi blickt ein Leben im Zeichen der Kunst zurück. Die Remagener Galeristin durchlief die Wiener Akademie der Bildenden Kunst, ging auf Tuchfühlung mit Film und Fernsehen und Koryphäen der Kunstszene. In Kürze wird Bassi 80 Jahre alt. Gefeiert wird standesgemäß – mit einer Ausstellung.

Rosemarie Bassi, Galeristin seit 42 Jahren, wird in diesen Tagen 80 Jahre alt. Und noch immer kann sie nicht ohne die Kunst. Als Ausnahmetalent wurde die erst 14-Jährige an der Wiener Akademie der Bildenden Kunst zugelassen. Das Studium forderte sie. Indes reichte die Energie noch für ein Kontrastprogramm: Mit ihrer Schwester – der Vater zahlte den beiden eine gemeinsame Wohnung – besuchte sie eine Mannequinschule. Zudem machte sie Werbung für SW-Möbel. Im Film „Die Halbzarte“ mit Romy Schneider und Carlos Thompson in den Haupt- sowie Magda Schneider, Josef Meinrad und Helmut Lohner in den Nebenrollen trat sie mit Studenten-Freunden in Tanzszenen auf.

 Dezember 2002: Galeristin Bassi mit Künstler Skizzo.
Dezember 2002: Galeristin Bassi mit Künstler Skizzo. Foto: Hildegard Ginzler

Das Einmaleins der Malerei

Für die Kunstbegeisterte erfüllte sich mit dem Studium an der Wiener Akademie ein Traum. Bei Professor Robin Christian Andersen, dessen Vater schon von Bassis Urgroßvater mütterlicherseits, einem Großgrund- Glashüttenbesitzer, gefördert wurde, begann eine intensive Unterweisung in Zeichnung und Malerei. Da der geschätzte Professor aber „sehr bestimmend“ war, so Bassi, wechselte sie für vier Semester an die Akademie für Angewandte Kunst zu Professor Carl Unger. „In einem fast schulhaften Unterricht vermittelte er alle Techniken und Basiskenntnisse“, sagts sie. Jeden Vormittag ging es ans Aktzeichnen, nachmittags standen Fresko, Mosaik, Techniken der Grafik, Zeichnung und Malerei auf dem Lehrprogramm. Danach studierte sie wieder an der Akademie der Bildenden Kunst. Auf der bei Kunst-Studenten so begehrten Meisterschule für Malerei von Professor Albert Paris Gütersloh fand Studentin Rosemarie als Einzige ohne Prüfung Aufnahme. Bei Oscar Kokoschka in Salzburg lernte sie die Aquarellmalerei.

Aufenthalte in Rom und Hongkong

 Bei einer Vernissage im April 2002 treffen sich Dr. Christa Sauer, Gesandte der Österreichischen Botschaft (v. l.), Künstlerin Monika Fioreschy und Rosemarie Bassi.
Bei einer Vernissage im April 2002 treffen sich Dr. Christa Sauer, Gesandte der Österreichischen Botschaft (v. l.), Künstlerin Monika Fioreschy und Rosemarie Bassi. Foto: Hildegard Ginzler

Nach dem Studium stellte sie in Italien aus. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Ferruccio Bassi kennen, ein Kameramann, der fürs italienische Fernsehen von den Kriegsschauplätzen Vietnams und Kambodschas berichtete. Nach mehrjährigen Aufenthalten in Rom und Hongkong, wo sie in den Perlenhandel einstieg, ging es durch die Versetzung des Ehemannes 1974 nach Bonn, wo sie sich zunächst der Erziehung der Kinder Giorgio, Luca, Gianni, Vanda und Peter widmete und in dieser Zeit „Berge von Essen“ kocht.

 Im Gespräch (2010): Dr. Gerlinde Schrammel (l.), Rosemarie Bassi und Istvan Szanto.
Im Gespräch (2010): Dr. Gerlinde Schrammel (l.), Rosemarie Bassi und Istvan Szanto. Foto: Hildegard Ginzler

Ihre erste Galerie hatte die in Persenbeug, Niederösterreich, Geborene bereits 1979 im Rolandshof in Rolandseck. Im selben Jahr und damit als erste Galerie in Deutschland stellte sie die Fluxuskünstlerin Mary Bauermeister aus. Bauermeister reüssierte in Amerika, schrieb aber auch deshalb Kunstgeschichte, weil sich schon Anfang der 1960er in ihrem Kölner Atelier in der Lintgasse 28 die Avantgarde der Kunst traf, etwa Nam June Paik, John Cage und weitere Persönlichkeiten des kulturellen Lebens wie auch ihr späterer Ehemann Karlheinz Stockhausen.

Bassi organisierte Schauen mit großen Namen der Wiener Schule des Phantastischen Realismus wie Ernst Fuchs und Arik Brauer. Beide in der ersten Reihe dieser Kunstrichtung stehenden Protagonisten kamen zu ihr an den Rhein in die Galerie Villa Rolandseck. Mit Fuchs gab es in der Saison 1983/84 eine Präsentation im gesamten Haus der Alten Oper Frankfurt. 1985 brachte sie auch die ungarische Avantgarde nach Deutschland und führte in Italien, Assisi, die Wiener-Schule-Künstler Fuchs, Brauer, Hausner, Hutter, Lehmden zu einer Schau in der Basilika di San Francesco zusammen.

 Feierlich geht es bei der Jubiläumsausstellung „Mi retorni in mente“ zu: Rosemarie Bassi (mit Manuskript) und Künstler im Juli 2018.
Feierlich geht es bei der Jubiläumsausstellung „Mi retorni in mente“ zu: Rosemarie Bassi (mit Manuskript) und Künstler im Juli 2018. Foto: Hildegard Ginzler

„Wish Tree“ eröffnet Ende November

Es folgten Ausstellungen etwa mit Brauer, Bele Bachem und Miguel Fabruccini in Hamburg, Heilbronn und weiteren deutschen Städten. 1990/91 erwarb Bassi nahe dem Rolandshof die stattliche Villa Rolandseck im gleichnamigen Remagener Ortsteil, wo sie erneut eine Galerie einrichtete, nun unter dem Label „Europäisches Kulturzentrum“ und verbunden mit Skulpturenpark, Rahmen- und Grafikatelier sowie Malschule.

Seither entfaltete sich ein spannendes Ausstellungsgeschehen, um die Werke nationaler, internationaler aber auch regionaler Künstler. Weitere Galerieorte plus Impulse für die Kunst sollten folgen. So betrieb Bassi zwischenzeitlich auch in Bad Breisig eine Dependance. Sie zog mit ihrer Galerie von Rolandseck in Remagens Bachstraße, tauschte diese intime Räumlichkeit aber schon vor Jahren gegen die helle, große Location in der Marktstraße 109 ein.

Und wo begeht eine für Ihr Bemühen um Kunst und Kultur mit dem silbernen Ehrenzeichen Österreichs und dem Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnete Galeristin ihren Geburtstag? „Wo und wie könnte ich meinen 80. Geburtstag besser feiern als mit einer ganz besonderen Ausstellung in meiner Galerie“, sagt Bassi. „Wish Tree“ heißt die Präsentation, die am Sonntag, 28. November eröffnet. Das Geburtstagskind versichert: „Wenn man 80 wird, geht nicht wirklich die Sonne unter. Nein, ich denke, man hat so viel in diesen Jahren gelernt, dass die Sonne der Erfahrung ganz oft strahlend aufgeht.“