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Helfer beseitigen Flut-Schäden in Archiven: Gefriergetrocknete Akten in Folie

Helfer beseitigen Flut-Schäden in Archiven : Gefriergetrocknete Akten in Folie

Der Bornheimer Archivar Jens Löffler hilft dabei, vom Hochwasser betroffene Archive fachgerecht zu sichern

Als sehr bedrückend empfand Jens Löffler seinen Einsatz in den Flutgebieten Rösrath, Rheinbach und Swisttal. Eine Woche lang half der Archivar für Bornheim und Alfter den Kollegen bei der Rettung wertvoller Dokumente und einzigartiger Unikate. „Die Nässe und Verschlammung waren schier zum Verzweifeln. Ich konnte mich gut in die Situation der Kollegen hineinversetzen. Sie haben sehr viel Zeit in die Pflege ihrer Archive gesteckt. Für manche ist es eine Lebensaufgabe. Und dann das“, erzählte der 34-Jährige.

Dokumente müssen getrocknet werden

Er hat ausgesprochen unterschiedliche Bedingungen in den drei Orten erlebt, entsprechend verschieden waren die Schädigungen der Schriftstücke. Gemeinsam mit seinem Praktikanten Tjark Keske und zahlreichen Archivaren aus der Region und der LVR-Archivberatung hat Löffler im Wasser stehende Kisten (Rösrath) herausgeschleppt, stark verschmutze Schriftstücke mit klarem Wasser abgespült und in Stretchfolie verpackt (Swisttal) oder die ausschließlich durchnässten Dokumente je nach Grad zum Trocknen ausgelegt oder einzelne Akten ebenfalls in Folie eingewickelt.

Denn die besonders durchnässten und verschmutzten Schriftstücke werden in den nächsten Wochen in einem Kühlhaus in Troisdorf lagern, „damit der Zersetzungsprozess aufgehalten und die Schimmelbildung nicht schlimmer wird“, erzählt Swisttals Archivleiterin Hanna Albers. Ihre Einrichtung hat es schlimm erwischt. Auch wenn das Archiv im Alten Pastorat und das Zwischenarchiv in einem Gebäude neben dem Rathaus von der Flut nicht tangiert wurden, von den Akten der Registratur im Keller des Ludendorfer Rathauses wurde bis auf ein Zehntel alles vernichtet.

Haushaltssatzungen haben hohe Priorität

Dort lagerten um die 6000 Akten des Bauamtes und der Alten Registratur (Unterlagen bis 2010) – nur 600, ein Bruchteil des Gemeindegedächtnisses, konnten, wenn auch beschädigt und verschmutzt, gerettet werden. Der Krisenstab um Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner und Vertreter des Bauamtes legten im Vorfeld die Prioritäten nach Notwendigkeit und Dringlichkeit der Dokumente fest. Großen Wert wurde dabei auf die größtmögliche Bergung der Haushaltssatzungen, Jahresrechnungen und Konzessionsverträge ab 1945 sowie Bebauungs- und Erschließungspläne gelegt. Akten zu Hochbaumaßnahmen wie die Renovierung von Schulen, Kitas, der alten Klöster in Heimerzheim und Odendorf, die Pläne des Tiefbauamtes seit Anfang der 60er Jahre zum Wege- und Straßenbau sowie einige Unterlagen des Ordnungsamtes und des Sozialamtes werden künftig fehlen.

Zum Opfer fielen auch die Bauanträge von 1969 bis 2021, die sich jedoch in Kopie beim Rhein-Sieg-Kreis befinden, sodass „Privatleute über uns einen Antrag auf Einsicht stellen können“, sagte Albers. Sie ist froh, dass sie im vergangenen Jahr schon erste Akten des Bauamtes wegen Schimmelbefalls im Keller gesichtet und behandelt hatte, sodass diese im Zwischenarchiv eine sichere Lagerung hatten. Der Schaden für die Gemeinde sei immens, stellt die 38-Jährige immer wieder fest.

Gefriertrocknen als schonendes Verfahren

Einer der Gründe für den hohen Verlust ist der durch die Evakuierung Ludendorfs um eine Woche verspätete Einsatz und die extrem große Verschlammung. „Wäre es ein reiner Wasserschaden gewesen, hätten wir mehr retten können“, ist Albers sich sicher. Sie ist dankbar für die Hilfe anderer Archivare aus der Region – obwohl Swisttal nicht im linksrheinischen Notfallverbund der Archive Mitglied ist.

 Der Aktenkeller im Rathaus Swisttal nach der Flutkatastrophe. Ein großer Teil der Akten ist zerstört.
Der Aktenkeller im Rathaus Swisttal nach der Flutkatastrophe. Ein großer Teil der Akten ist zerstört. Foto: Hanna Albers Swisttal

In den nächsten Wochen werden alle betroffenen Archive Gespräche mit dem LVR über weitere Maßnahmen für die geretteten Schriftstücke führen. Zunächst einmal werden die Dokumente gefriergetrocknet, die effizienteste und schonendste Trocknungsmethode für durchnässte Papiere. Dafür wird es Ausschreibungen an Fachunternehmen geben. „Alle Papiere werden weiter geruchsintensiv sein, sodass man überlegen sollte, diese komplett zu digitalisieren und auf die Originale ganz zu verzichten“, so Albers.

Digitalisierung soll folgen

Konsequenzen aus den Hochwasser-Erfahrungen hat auch Löffler für sich schon gezogen. „Die Archive in Bornheim und Alfter sind zwar nicht gefährdet, dennoch sollte man sich überlegen, ob man die Digitalisate nicht auf Servern in den Rathäusern, sondern geo-redundant, also in Kopie an verschiedenen Orten, lagern sollte“, erklärte der Fachmann, der dabei die Software des digitalen Archivs NRW nutzen möchte. Auch bei der Suche nach mehr Platz fürs Bornheimer Archiv werde Hochwasserschutz eine wesentliche Rolle spielen. Die Räumlichkeiten platzen aus allen Nähten, aktuell erstellt die LVR-Archivberatung ein Gutachten.

Froh ist Löffler, dass Bornheim und Alfter von der Katastrophe nicht derart betroffen waren. Trotz der gedrückten Stimmung zieht er eine positive Bilanz. „Die ungewohnte körperliche Arbeit war zwar sehr anstrengend. Toll war aber die Teamarbeit mit den Kollegen, bei der man auch engeren Kontakt zueinander bekommen hat. Es war schon komisch, dass man für die Rettung und Bergung keine Verantwortung trug. Man konnte zwar Vorschläge und Ideen einbringen, die Ansagen machten aber andere.“