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Ausbildung im Einzelhandel: Junge Mentoren für Azubis in Alfter

Ausbildung im Einzelhandel : Junge Mentoren für Azubis in Alfter

Sie sind Vorbilder für ihre Kollegen: Mamadou Diallo und Dominik Bachmann nehmen in einem Alfterer Supermarkt eine besondere Rolle ein.

Die Schneidemaschinen an der Wurst- und Käsetheke müssen aussehen wie neu. Doch bei einem Gerät hatte Michael Münch die Stelle hinter dem Sägeblatt vergessen. Zu viel anderes habe er im Kopf gehabt, blickt der angehende Einzelhandelskaufmann zurück. Für seine Ausbildung ist der 30-Jährige von einem anderen Supermarkt zu Edeka Mohr in Alfter-Ort gewechselt. Auf den Fehler hatte Mamadou Diallo seinen neuen Kollegen sofort aufmerksam gemacht. „Nicht alles gleichzeitig anfangen“, habe er Münch geraten. „Sonst bist du überfordert und weißt nicht mehr, wo du warst.“ Mit solchen Ratschlägen versuche Diallo, dem Kollegen zu helfen. Dass dieser „weiterkommt“, sei ihm wichtig.

Diallo, der vor fünf Jahren als Geflüchteter aus Guinea nach Deutschland kam, hat seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Sommer mit Bravour bestanden. Und zwar als einer der landesweit Besten. Aus Bonn wechselte der 23-Jährige anschließend in den Alfterer Markt, wo er nun eine besondere Rolle einnimmt. Er ist einer von zwei Mentoren, die sich dort um Auszubildende kümmern. Mit seinem Schützling Münch arbeitete Diallo zunächst einen ganzen Monat lang in einer Schicht zusammen.

Für seinen Aufstieg, davon ist Diallo überzeugt, spielt die eigene Fluchtgeschichte eine große Rolle. Wenn er daran denke, wo er vor fünf Jahren war und wo er jetzt ist, dann sei das ein großer Unterschied. „Das gibt mir Kraft“, sagt er. Diallos Mentoren-Kollege ist Dominik Bachmann. Das besondere bei ihm: Der 25-Jährige ist selbst noch Auszubildender im dritten Lehrjahr. „Das ist eine Position, in der man Verantwortung übernehmen kann“, sagt Bachmann über seine Rolle als Mentor. Die Aufgabe gebe ihm die Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln. Am Anfang habe zu den anderen Auszubildenden ein noch eher kollegiales Verhältnis bestanden. Jetzt sähen sie ihn als „weisungsbefugt“ - für Bachmann eine Herausforderung.

Das Mentoren-Programm bei Edeka Mohr gibt es seit August, berichtet Ausbildungsleiterin Silvia Löschner. Auf die Idee sei sie nach Gesprächen mit der Schichtleitung gekommen, weil es diese geärgert habe, dass sie sich nicht immer um die Auszubildenden kümmern könne. Deshalb hätten sie Aufgaben abgegeben. So seien die Mentoren etwa darin geschult worden, Kritik zu üben. Auch bei Beurteilungsgesprächen sei vorgesehen, dass die Mentoren dabei sind und ihre Einschätzung zur Leistung des Auszubildenden abgeben.

Mit Blick auf Diallo, glaubt auch Löschner, dass dessen Geschichte ihn besonders zu der Aufgabe befähigt. Durch seine Erlebnisse auf der Flucht sei er sehr stark gereift. Anderen wolle er nun vermitteln: „Wenn man etwas erreichen will, muss man etwas dafür tun.“ Das Mentoren-Programm, macht Löschner deutlich, biete Vorteile für beide Seiten. Für die Mentoren, weil es sie auf künftige Führungspositionen vorbereite; für die Auszubildenden, weil sie nun niedrigschwellig Ansprechpartner hätten.

Letzteres bestätigt der Auszubildende Michael Münch, trotz oder vielleicht gerade wegen Ermahnungen, die von jungen Kollegen kommen – und nicht gleich vom Marktleiter. Die Kommunikation mit den Mentoren findet für Münch auf einem anderen „Level“ statt. In dem Supermarkt, in dem er zuvor arbeitete, habe es ein solches Programm nicht gegeben.