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Wohnpark II in Vilich: In Beuel sollen innovative Wohnformen entstehen

Wohnpark II in Vilich : In Beuel sollen innovative Wohnformen entstehen

Grünes Licht gibt es für die Aufstellung eines Bebauungsplans zum Wohnpark II in Vilich. Dies sieht die Interessengemeinschaft, bestehend aus vormals sechs Initiativen, als Chance: Sie will Generationen zusammenbringen und Genossenschaften gründen.

Noch wuchern Brennnesseln, Brombeeren und heimische Wiesenblumen auf der rund 13,5 Hektar großen Fläche zwischen Stadtbahnlinie, Sankt Augustiner Straße sowie Bundesgrenzschutzstraße in Vilich-Müldorf. Doch bis in etwa vier Jahren sollen dort 420 neue Wohneinheiten entstehen. Neben dem Bau von zweigeschossigen Einzel- sowie Doppel- und Mehrfamilienhäusern soll es auch Platz für alternative Wohnformen wie Mehrgenerationen- und Genossenschaftswohnen geben. Seit rund zehn Jahren plant die Stadt südöstlich von Vilich-Müldorf den Wohnpark II, der in direkter Nähe des bestehenden Wohnparks I wachsen soll. Vor wenigen Wochen hat der Rat die Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplans beschlossen.

Für die sechs Bonner Initiativen, die sich im Herbst vergangenen Jahres zur Interessengemeinschaft Wohnpark II zusammengeschlossen haben, ist damit ein lang erwarteter Schritt in die richtige Richtung getan. „Erstmalig sind hier sechs Grundstücke für innovative Wohnformen vorgesehen“, sagt Michael Raetsch als Sprecher der Gemeinschaft, in der sich die Initiativen Amaryllis Plus, Anders Wohnen Bonn, Ermekeil Cohousing, Future Living, Wahlverwandtschaften Bonn sowie Wunschnachbarn Bonn/Rhein-Sieg zusammengeschlossen haben.

Pläne haben auch Vorteile für andere Bewohner

Jahrelang hatten die verschiedenen Gemeinschaften getrennt voneinander nach passenden Grundstücken gesucht, um ihre Vision von alternativen Wohn- und Gemeinschaftsformen zu realisieren. „Hier endlich haben wir die Chance, gemeinsam aktiv zu werden“, sagt Raetsch, als er mit vielen Vertretern der anderen Gruppen das Grundstück in Vilich betrachtete. „Anstatt gegeneinander und in Konkurrenz um die besten Grundstücke zu kämpfen, wollen wir die Sache nun gemeinsam in Angriff nehmen“, so der Sprecher. Dabei haben seiner Ansicht nach ihre Pläne von alternativen Wohnprojekten auch Vorteile für die anderen Bewohner des Parks. „Wir alle haben den Wunsch nach einer funktionierenden Nachbarschaft und wollen Treffpunkte schaffen, die gemeinschaftlich genutzt werden“, ergänzt er.

Gleichwohl ist der Interessengemeinschaft klar, dass die derzeit kalkulierten Grundstückspreise nach wie vor eine große Hürde sind. „Für uns sind sie nicht zu stemmen“, meint Raetsch. Deshalb fordert er, dass den Gruppen die Flächen in Erbpacht zur Verfügung gestellt werden. „Wenn man sich bemüht, alternative Wohn- und Gemeinschaftsprojekte zu realisieren, dann müssen die Voraussetzungen dafür trag- und machbar sein“, sagt er und gibt eine Begründung zum Vorschlag. „Alternative Wohnkonzepte können nicht zum üblichen Marktpreis umgesetzt werden.“

Zudem sollten die unterschiedlich großen Grundstücke für Mehrgenerationen- und Genossenschaftswohnen nicht auf verschiedenen Parzellen innerhalb des neuen Wohnparks verteilt, sondern als Einheit zusammengeschlossen werden. „Der innovative Impuls, den die Stadt hier setzen will, würde so verstärkt. So könnten wir als Grundstücksnachbarn zusammen Projekte realisieren sowie Einrichtungen wie Gemeinschaftsräume, Gästezimmer oder Fahrzeuge gemeinsam nutzen und zusätzlich Nachbarschaftsprojekte wie beispielsweise ein Quartiers-Café anbieten. Hierdurch würden sich große Einsparmöglichkeiten und Synergieeffekte ergeben, von denen alle in dem neuen Wohnpark profitieren“, ist Raetsch überzeugt.

Umzugswagen sollen 2024 rollen

Ökologie sowie städtebauliche Aspekte spielen für die Interessengemeinschaft ebenfalls eine große Rolle. „Umwelt und Klima dürfen bei der Planung nicht außer Acht gelassen werden, um die Lebensqualität der zukünftigen Bewohner nicht zu beeinträchtigen.“

Mit der Offenlegung des Bebauungsplans sind die Mitglieder der Interessengemeinschaft zudem zuversichtlich, dass es nun endlich weitergeht. „Wir rechnen damit, dass 2023/2024 die ersten Umzugswagen anrollen“, sagt ein Sprecher der beteiligten sechs Initiativen und zeigt sich zuversichtlich. Der Bebauungsplan für den Wohnpark liegt von diesem Donnerstag, 20. August, an bis zum 21. September im Stadthaus, Berliner Platz, aus. Ihre Pläne stellt die Interessengemeinschaft in den nächsten Wochen an verschiedenen Informationsständen vor. Weitere Infos, auch zu den Veranstaltungen, gibt es im Internet: www.interessengemeinschaft-wohnpark2.de.