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Neues Buch des Hardtberger Pfarrers Georg Schwikart: Schönes und schreckliches Weihnachten

Neues Buch des Hardtberger Pfarrers Georg Schwikart : Schönes und schreckliches Weihnachten

Der Hardtberger Pfarrer Georg Schwikart hat ein neues Buch veröffentlicht. Darin schreibt er über seine Gedanken über weihnachtliche Gedanken zu Bibeltexten.

„Weihnachtliches“ verspricht Georg Schwikart im Untertitel zu seinem zuletzt erschienenen Buch, „Ein Klaps, ein Schrei und eine neue Zeit beginnt“. Auf knapp hundert Seiten veröffentlicht der evangelische Pfarrer der Hardtberg-Gemeinde darin seine in den letzten 30 Jahren entstandenen Texte zur Menschwerdung Gottes. Darunter sind Gedanken, die der heute 54-Jährige als Student verfasste genauso zu finden, wie seine heute in nachdenklichen Sätzen gefasste Auseinandersetzung mit aktuellen Glaubensfragen. Als freier Schriftsteller und Publizist hat Schwikart bereits zahlreiche Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht und hält Lesungen und Vorträge dazu im deutschen Sprachraum.

Jesus Geburt ist für den promovierten Religionswissenschaftler und Theologen, „die Achse, um die sich alles dreht“. Seine kurzen und nachdenklich stimmenden, manchmal auch provozierenden Texte zu Bibelzitaten, beschreibt der Hardtberg-Pfarrer als Anregung zu dem Versuch, sich Weihnachten neu anzunähern. Weihnachten sei „schön und schrecklich, zum Wohlfühlen und anstrengend, langweilig und aufregend, voller Hoffnung und enttäuschend“, beschreibt Schwikart in seinem Vorwort den bevorstehenden 2021. Geburtstag von Jesus Christus. Damit schürt er und nimmt zugleich wieder die vielfältigen Erwartungen an ein Fest, dass über die Grenzen von Glaubensgemeinschaften hinaus gefeiert wird.

Im Gespräch mit dem GA fügt er hinzu, dass für ihn in der Weihnachtsgeschichte vor Allem auch die Botschaft herauszulesen ist, dass alles gut werde. Eine Botschaft, die gläubige Menschen voller Hoffnung mit der Geburt von Jesus verbinden. Die Weihnachtsgeschichte, die von dem großen Glück der Geburt Jesus in ärmlichsten Verhältnissen erzählt, rühre viele der Menschen, so Schwikart, die oft an reich gedeckten Tischen unter einem üppig geschmückten Weihnachtsbaum säßen und sich dabei oftmals mit Geschenken überhäuften. Die Geburt im notdürftig hergerichteten Stall drücke die Sehnsucht nach einem elementaren Glück der Liebe aus, welches sich in den Krippendarstellungen auf der ganzen Welt widerspiegele. „Du kannst Geschenke für 1000 Euro machen“, stellt Schwikart fest, die dann am nächsten Tag jedoch nur noch „Sachen“ sind.

Viele Menschen, ist Schwikart überzeugt, sehnen sich nach nichts anderem als nach der Liebe ihrer Nächsten. „Ein Ehepaar, das sich auseinander gelebt hat, Kinder, die sich von ihren Eltern nicht verstanden fühlen“, glaubt der Pfarrer, wünschen sich kein Geschenk mehr, als das, von dem anderen wieder wahrgenommen zu werden. Der Blick auf die Krippe könne sie dabei durch den Blick auf das Heile in der Welt verbinden.

„Für mich ist das immer abstrakter geworden“, so Schwikart. Der theologische Inhalt von Weihnachten sei mit der Entwicklung in den letzten zweihundert Jahren, die dazu führte, dass man als Familie an Weihnachten zusammenkommen müsse, total überfordert. Die Erwartung an das Fest in Bezug auf die eigene Familie sei damit oftmals überzogen. „Die Botschaft zu Weihnachten ist ja nicht, dass man als Familie wieder glücklich sein müsse, sondern dass Gott Mensch geworden ist!“. Diese Essenz müsse man sich wieder vergegenwärtigen: Jesus sei ein Mensch gewesen. Er sei gestillt worden, habe gegessen und verdaut. Jesus sei krank gewesen, habe Hunger gekannt und sei am Ende von seinen Freunden verlassen worden. Das alles erzähle das Evangelium. Schwikart leitet daraus ab, dass Gott nachempfinden kann, wie schwer es ist, ein Mensch zu sein. Wir müssten uns ihm nicht erklären. „Gott weiß genau, wie wir fühlen“, sagt er.

Schwikart sieht seine Rolle als Pfarrer unter anderem darin, ein „Übersetzer“ zwischen Theologie und Menschen zu sein. Für ihn ist Weihnachten eine Botschaft an alle. Auch eine Botschaft an diejenigen, die zwar schon immer das Weihnachtsfest feierten, dabei jedoch kaum wüssten, um was es dabei eigentlich gehe. In diesem Sinne ist für Schwikart auch das Singen von „Stille Nacht, heilige Nacht“ eine Versüßlichung des Weihnachtsfestes. „Das brauche ich nicht“, sagt er, lasse es jedoch trotzdem im Weihnachtsgottesdienst singen, da er wisse, dass viele Menschen genau das brauchten. „Doch in Weihnachten ist weitaus mehr Potenzial“, ereifert sich der schreibende Pfarrer und zitiert einige Zeilen seines Gedichtes „Verkündigung“, die zu den ältesten in dem Buch gehören dürften: „Ich verkünde euch eine große Freude! Wir freuen uns. Regelmäßig. In der Regel: mäßig.“

Mit dem Text, „Er kommt (nicht)“, der die versammelten Gläubigen in Schwikarts letztjähriger Weihnachtspredigt für einen Moment lang irritierte, stellt er die Hypothese auf, dass alles im Advent, der Weihnachtsbaum, die Krippe, Geschenke und Festessen sinnlos wären, wenn Er nicht käme. Sein Fazit ist, dass man sich durch Weihnachten „durcharbeiten“ müsse. Am Ende stünde dann etwas, was nicht mehr zu benennen sei. „Am Ende hast du dann etwas Heiliges“, so der Pfarrer. Kurz bevor sein Buch mit einem Text zum Neujahrssegen endet, drückt er es in den 160 Zeichen einer SMS aus: „Weihnachten erstickt in zu vielen Worten. Das Heilige: geboren. Staunen genügt“.

Georg Schwikart: „Ein Klaps, ein Schrei und eine neue Zeit beginnt – Weihnachtliches“, 96 Seiten, Verlag Neue Stadt, 14 Euro