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Coronavirus: Kritik an Testmöglichkeiten für Lehrer in Bonn

Coronavirus : Kritik an Testmöglichkeiten für Lehrer in Bonn

Seit diesem Montag sollen sich alle Beschäftigten an öffentlichen und privaten Schulen sowie in der Kindertagesbetreuung freiwillig auf das Coronavirus testen lassen können. Das klappt in der Bundestadt aber noch nicht so recht.

So meldete sich eine Lehrerin, die namentlich nicht genannt werden will, bei unserer Zeitung. Aus Ploen in Schleswig-Holstein sei sie zurück nach Bonn gekommen und wollte sich testen lassen, da sie leichte Halsschmerzen hatte. Am Montag sei aber kein Durchkommen bei der Hotline des Gesundheitsamtes gewesen. 20 Mal habe sie es am Vormittag versucht, habe es aber noch nicht einmal in die Warteschleife geschafft. „Ich bin Lehrerin und habe ab Freitag wieder die ersten Konferenzen.“ Aber sie möchte es natürlich verhindern, jemanden in ihrer Schule anzustecken.

Rudolf Mueller ist ein weiterer Lehrer, der sich an unsere Zeitung gewandt hat. Er ist am Samstag aus dem Familienurlaub aus den Niederlanden zurückgekehrt. Nach dem Kontakt mit Arztpraxen seien schon „erste Ernüchterungen“ gekommen. So würde ihm der Hausarzt sowie auch andere Praxen diesen Test schlichtweg verweigern. Die Ärzte verweisen vielmehr darauf, sich an eine Bonner Teststelle oder das Gesundheitsamt zu wenden.

Die Stadt ist dabei wieder anderer Ansicht. So antwortet Stadtsprecherin Monika Hörig dem GA: „Das Lehrpersonal in Schulen und die Mitarbeitenden in Kitas müssen sich an ihre Hausarztpraxis oder ein von der Krankenversicherung getragenes Testzentrum wenden, wenn sie sich testen lassen wollen.“

Etwa 5000 Leute müssten in Bonn getestet werden

Das NRW-Gesundheitsministerium hat darüber hinaus verkündet, dass sich alle Lehrer und Kita-Mitarbeiter bis zum 9. Oktober alle zwei Wochen testen lassen können. Ob die Stadt Bonn das für umsetzbar hält, beantwortet Hörig mit „grundsätzlich ja.“ Was die Testungen angeht, kämen etwa 900 bis 1000 Mitarbeiter in städtischen Kindertagesstätten in Frage. „Der Erlass des Schulministeriums spricht von ‚allen an Schule tätigen Personen‘“, so Hörig.

Das wären für Bonn etwa 5000 Personen (zirka 3600 Lehrkräfte und weitere 1000 bis 1500 Personen). In Bonn selbst gibt es nur ein städtisches Diagnostikzentrum. Das befindet sich im Stadtteil Bad Godesberg. „Das Diagnostikzentrum Bonn hatte bisher ausreichend Testkapazitäten für die durch das Gesundheitsamt und die Hausärzte veranlassten Testungen bei symptomatischen Personen,“ antwortet Stadtsprecherin Hörig.

Lehrer geht ungetestet in den Schulbetrieb

Dabei stellt sich die Frage, wie viele Testungen durch das Gesundheitsamt vorgenommen werden können. Günther Jansen, Abtelungsleiter für Infektionsschutz und Umwelthygiene sagte am Donnerstag, dass das Gesundheitsamt es von den Kapazitäten her nicht schaffe. Des Weiteren liege die Kernarbeit dabei, Infektionsketten nachzuvollziehen und Reiserückkehrer zu beraten.

Rudolf Mueller hat mittlerweile aufgegeben, wie er auf eine Anfrage mitteilte. „Nach vielen Telefonaten war uns spätestens am Dienstag irgendwann klar, dass für Reiserückkehrer in Bonn praktisch nichts zu machen ist.“ Er kann das Dilemma der niedergelassenen Ärzte aber durchaus verstehen. „Hier soll schließlich mit hohem Aufwand eine Risikogruppe ‚beprobt‘ werden.“ Aber nun werde er wahrscheinlich als ungetesteter Reiserückkehrer in einen großen Schulbetrieb zurückkehren.