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Kommentar zum alten Schlachthof: Kulturszene beleben

Kommentar zum alten Schlachthof : Kulturszene beleben

Die Stadtverwaltung will im Kaufvertrag für den alten Schlachthof festzurren, dass auch eine Konzerthalle zum neuen Nutzungskonzept des Areals gehören soll. Das ist erfreulich. So könnte die freie Kulturszene in Bonn belebt werden, kommentiert GA-Redakteur Andreas Baumann.

Der alte Schlachthof ist ein Schandfleck mit Gefahrenpotenzial. Verfall, Vandalismus, wilde Müllkippen, Schadstoffe: Nicht nur, dass die Kommune einen Wachdienst dafür bezahlen muss, das Gelände gegen unbefugtes Betreten abzusichern. Eine Schande ist auch, dass dieses große Areal in zentraler Weststadtlage schon seit 2012 brachliegt – ganz so, als würde Bonn nicht unter Gewerbeflächenmangel leiden. Für die Firmen, die den Schlachthof vor acht Jahren auf Drängen der Kommune verlassen mussten, kann das nur der blanke Hohn sein.

Um es klar zu sagen: Die Wirtschaftsförderung der Stadt hat an der Immenburgstraße bisher keinen guten Job gemacht – selbst wenn man zugesteht, dass die Interessen der Müllverwertungsanlage, der Entsorger Remondis und Bonnorange sowie von Privatfirmen nicht leicht unter einen Hut zu bekommen sind. Erst die Stadtwerke Bonn (SWB) durchschlagen jetzt den Knoten. Es ist absolut richtig, dem kommunalen Konzern den Schlachthof zu verkaufen: Damit bleibt der wertvolle Grund und Boden indirekt in öffentlicher Hand.

Eine geniale Lösung ist die gemeinsame Projektgesellschaft, in der die SWB und der Eigentümer der Nachbargrundstücke ihre Aktivitäten bündeln wollen. So kann man Blockaden vermeiden, Interessen ausgleichen und das ganze Dreieck zwischen Bahntrasse, Immenburgstraße und Am Dickobskreuz aus einem Guss entwickeln.

Besonders erfreulich: Die Stadtverwaltung will im Kaufvertrag festzurren, dass auch eine Konzerthalle zum neuen Nutzungskonzept des Areals gehören soll. Die Ratsmehrheit steht ohnehin hinter der Idee eines Zentrums für Rock und Pop, die eine Gruppe von Veranstaltern um den früheren Rheinkultur-Macher Holger Jan Schmidt seit Jahren verfolgt. So wie es jetzt aussieht, wird die neue Gesellschaft, an der die Stadtwerke 51 Prozent halten sollen, alle Bauprojekte steuern – mutmaßlich mit Generalunternehmern, die sie beauftragt.

Die Betreiber einer Konzerthalle wären dann nur Mieter des Gebäudes, was ihr wirtschaftliches Risiko im Vergleich zu einer selbst finanzierten Baumaßnahme deutlich verringern würde. Für die Miete ist ein städtischer Zuschuss denkbar, denn eine solche Halle würde eine Marktlücke schließen und die freie Kulturszene in Bonn weiter beleben. Deshalb lautet das Zwischenfazit: Noch nie standen die Chancen für das Westwerk so gut wie im Moment.