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Ingenieurskunst aus Remagen: Hotspot für innovatives Bauen mit Holz

Ingenieurskunst aus Remagen : Hotspot für innovatives Bauen mit Holz

Die Ingenieure von Pirmin Jung arbeiten in der ehemaligen Güterhalle des Remagener Bahnhofs.

Zimmermannstracht? Fehlanzeige. Nicht mit Zollstock, Winkelmaß und Säge wird hier gearbeitet - trotzdem dreht sich in der ehemaligen Güterhalle des Remagener Bahnhofs neuerdings alles ums Bauen mit Holz. Die gut zwei Dutzend Mitarbeiter der Pirmin Jung Deutschland GmbH, der neuen Eigentümerin der betagten Halle, sind nämlich von Sinzig in das umfänglich sanierte und modernisierte Gebäude umgezogen, wo sie nahezu ausschließlich am Computer arbeiten.

Das Unternehmen unterstützt Architekten und Bauherren bei der Realisierung von Projektideen mit dem natürlichen Baustoff, entwickelt für jedes Projekt eine geeignete Konstruktionslösung in Holz und sichert während der Ausführung die Qualität.

Längst hat das 1996 als Ein-Mann-Betrieb gegründete Unternehmen mit Hauptsitz und drei weiteren Standorten in der Schweiz sowie einem weiteren Standort in Deutschland viele Projekte nicht nur in der Schweiz, Deutschland und in den Nachbarländern realisiert und auch im Kreis Ahrweiler Referenzen hinterlassen. Die Aufstockung des ehemaligen Katasteramtsgebäudes in Ahrweiler gehört ebenso dazu wie der Anbau an das Romantik-Hotel von Brogsitter in Walporzheim.

Die Statik für das „fliegende Dach“, die „Z-Bank“, die „spirituelle Tankstelle“, die „Futterkrippe“ und die übrigen hölzernen Objekte entlang des 8,2 Kilometer langen Birnen-Rundwanderwegs, der im Mai 2015 in Lantershofen seiner Bestimmung übergeben wurde, stammt ebenfalls von Pirmin Jung, dem Remagener Geschäftsführer Tobias Götz und deren Mitarbeitern.

Aktuell arbeiten die Neu-Remagener im Auftrag der Stadt an einer Machbarkeitsstudie zu einer Fußgänger- und Radbrücke in Höhe der ehemaligen Ludendorff-Brücke über den Rhein. „Holz befindet sich als Baustoff im Aufwind“, sagt Geschäftsführer Götz, „denn es steht für nachhaltiges und – dank vormontierter Teile – zeitsparendes Bauen.“

In Sachen Brandschutz und Belastbarkeit stehe Holz dem Bauen mit Stahl und Beton in nichts nach. Aber wie sieht es mit der Haltbarkeit aus? „In Asien gibt‘s 600 Jahre alte Pagoden, die noch bestens in Schuss sind – das spricht doch für sich selbst“, sagt Götz.

Immer häufiger werde mit Holz auch groß gebaut: Schulen, Sporthallen, mehrgeschossige Büro- und Wohngebäude etwa. Tobias Götz: „Heute ist in dieser Richtung nichts mehr unmöglich.“

Vor dem Einzug wurden die Lagerhalle des ehemaligen Remagener Güterbahnhofs und ihr Kopfbau mit viel Aufwand energetisch saniert, modernisiert und umgestaltet. Entlang der Fenster sind PC-Arbeitsplätze eingerichtet worden, in der Mitte verläuft, ganz aus Holz gebaut und in warmes Licht getaucht, eine Zeile aus Funktions- und Besprechungsräumen. Ein Raum mit gepolsterten Sitzbänken ist einem historischen Eisenbahnabteil nachempfunden. Schallschutzmaßnahmen sorgen dafür, dass es in dem Gebäude selbst dann ruhig bleibt, wenn ein IC durch den Bahnhof rauscht.

An dem in Richtung Apollinarisberg liegenden Ende des Gebäudes befindet sich ein Pausenbereich. Im gegenüberliegenden Flügel sind Ruheräume sowie weitere Besprechungsräume untergebracht, im ersten Geschoss des Kopfbaus eine komplette Wohnung für Gäste und Mitarbeiter aus anderen Standorten. Die beiden großen Dachflächen der Halle werde nahezu vollständig von einer Photovoltaik-Anlage bedeckt.

Dennoch verleugnet die Lagerhalle ihren Ursprung nicht. Die Rampe auf der Bahnseite blieb erhalten, wurde aus Sicherheitsgründen aber mit einem Geländer versehen. Die ehemalige auf der zur Bundesstraße hin gelegenen Seite ist ebenfalls noch deutlich erkennbar, und man meint fast, jeden Augenblick müsse ein Lkw vorfahren, der Stückgut anliefert oder abholt, wie das dort viele Jahrzehnte lang geschah.

Denn der neue Firmensitz war Teil der ehemaligen Güterabfertigung des Remagener Bahnhofs. Fast zwei Dutzend Interessenten meldeten sich bei der Stadt Remagen, als sie das Gebäude im Jahr 2017 zum Kauf anbot.

Dass die Holzbauingenieure mit den schweizerischen Wurzeln den Zuschlag erhielten, lag wohl auch daran, dass sie für Innovation, Nachhaltigkeit und Klimaschutz stehen – und dadurch auch der Stadt Remagen gut zu Gesicht.