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Familienhebamme aus Bornheim: So ist der Berufsalltag einer Hebamme

Familienhebamme aus Bornheim : So ist der Berufsalltag einer Hebamme

Angelika Heusler ist seit acht Jahren Familienhebamme in Bornheim. Im Interview spricht sie über ihren Arbeitsalltag und die Herausforderungen der Corona-Zeit. Eines steht fest: Die Nachfrage nach Beratung steigt.

Vorgeburtliche Hilfe, Mutter-Kind-Bindung, Strukturierung des Familienalltags mit Kind: Die Aufgaben einer Familienhebamme sind anspruchsvoll. Im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis kümmern sich drei Familienhebammen der Diakonie Bonn um werdende Mütter und junge Familien. Eine von ihnen ist seit acht Jahren Angelika Heusler, die sich ausschließlich um Frauen in und um Bornheim kümmert. Die Nachfrage nach Beratung und Betreuung ist groß. Waren es 2019 noch 45 Frauen in Bornheim, die die Hilfe in Anspruch nahmen, stieg die Zahl 2020 auf 50 Klientinnen. 2021 wird die Zahl noch einmal zunehmen. Über unterschiedliche Betreuungsschwerpunkte von Hebamme und Familienhebamme und den Berufsalltag in Corona-Zeiten sprach die 54-jährige Heusler mit Susanne Träupmann.

Welche Frauen nehmen Ihre Hilfe in Anspruch?

Angelika Heusler: Die Klientel reicht von jungen Frauen über Migrantinnen und berufstätigen Alleinerziehenden bis hin zu finanziell gut situierten Frauen mit psychischen Problemen. Bei ausländischen Frauen stehen oftmals Fragen der finanziellen Unterstützung und Hilfen beim Ausfüllen von Formularen im Vordergrund. Andere Frauen haben Schwierigkeiten in der Bindung zum Kind oder Stillprobleme. Dann gibt es Säuglinge, die Unter- beziehungsweise Übergewicht entwickeln oder nicht durchschlafen. Da gebe ich Tipps und praktische Hilfen.

Wie lange können Mütter Ihre Beratung in Anspruch nehmen?

Heusler: In der Regel geht meine Betreuung bis zum ersten Lebensjahr des Kindes. Manchmal ist mein Besuch ein- oder zweimal in der Woche, manchmal nur einmal im Monat gewünscht. Die durchschnittliche Betreuung beträgt jedoch circa sechs Monate. Manchmal begleite ich eine Familie auch schon während der Schwangerschaft, gelegentlich auch zwei bis drei Monate länger als vorgegeben. Da sollte man nicht päpstlicher sein als der Papst. Es gibt nämlich auch Frauen, die eine längere Unterstützung benötigen. Sie haben Angst, in der Erziehung etwas falsch zu machen.

Wie nehmen Frauen Kontakt mit Ihnen auf?

Heusler: Wir sind ein niederschwelliges und freiwilliges Angebot, das für alle Hilfesuchenden offen ist. Voraussetzung ist jedoch, dass sich die Betroffenen bei uns selber melden.

Hat sich die Betreuung Ihrer Klientinnen durch Corona verändert?

Heusler: In der Anfangszeit waren häusliche Besuche verboten. Als Alternative haben wir mit den Frauen lange Spaziergänge gemacht. Da ergaben sich oftmals gute Gespräche. Denn viele Mütter fühlten sich zu Hause eingesperrt. Spielplätze waren gesperrt, es gab keine Spiel- und Mutter-Kind-Gruppen mehr. In der Zeit wurde die Betreuung intensiver als vorher. Viele Wöchnerinnen wollten nach der Geburt schnell nach Hause, da die Väter weder im Kreissaal noch im Rooming-In dabei sein durften. Aktuell besuche ich die Familien wieder zu Hause. Ich bin geimpft. Dennoch trete ich in voller Montur mit FFP2-Maske, Handschuhen und Desinfektionsmitteln an. Zurzeit bin ich dabei, die Flüchtlinge zu motivieren, sich impfen zu lassen. Diesbezüglich kursierten bisher abstruse Gerüchte.

Sie sind gelernte Geburtshelferin. Warum haben Sie sich 2013 zur Familienhebamme ausbilden lassen?

Heusler: Nach 20 Jahren als angestellte und selbständige Hebamme wollte ich etwas für mich tun. Dazu gehörte auch endlich einmal wieder nachts durchschlafen. Jetzt habe ich eine 20-Stunde-Stelle und kann meine Zeit frei einteilen.

Hebamme zu sein ist mehr Berufung als Beruf. Was war einst Ihre Motivation?

Heusler: Als ich 14 Jahre alt war, brach ich mir ein Bein und lag zufälligerweise auf der gynäkologischen Station. Ich fand das spannend. So absolvierte ich ein Praktikum, das den Berufswunsch verstärkte. Nach dem Abitur war es zunächst schwierig, einen Ausbildungsplatz zu finden. Der Andrang war groß. Auf fünf Azubistellen gab es 1000 Bewerbungen. Zum Glück klappte es. Denn der Beruf ist toll, vielseitig und abwechslungsreich. Man weiß morgens nie, was passiert.

Die meisten Hebammen und Geburtshelfer arbeiten heutzutage in Teilzeit. Woran liegt das?

Heusler: Verteuert hat sich zum einen die obligatorische Versicherung für Hebammen. Auch wenn die Krankenkassen die Hälfte der Kosten übernehmen, so beliefen sich die Jahresbeiträge, die 2013 bei 6000 Euro lagen, 2018 schon auf 8000 Euro. Der Abschluss eines Rahmenvertrages mit dem Deutschen Hebammenverband sieht bis 2024 eine weitere Beitragserhöhung vor. Außerdem ist vor Jahren ein Qualitätsmanagement-Verfahren, das die Arbeitsabläufe dokumentiert, eingeführt worden. Beides ist nicht gerade förderlich für das Berufsbild.