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Friedhelm Funkel wird Trainer des 1. FC Köln: Ein Funkel Hoffnung

Friedhelm Funkel wird Trainer des 1. FC Köln : Ein Funkel Hoffnung

Feuerwehrmann Friedhelm Funkel springt beim 1. FC Köln als Trainer ein. Die Mission Klassenerhalt dürfte schwierig werden.

Und dann ging plötzlich alles ganz schnell: Keine zwölf Stunden, nachdem der 1. FC Köln den Rauswurf von Markus Gisdol offiziell bestätigte, wurde bereits der Nachfolger verkündet. Friedhelm Funkel soll den FC vor dem siebten Abstieg der Vereinsgeschichte bewahren. 

Für Funkel eine bekannte Situation. Immer, wenn es in der Bundesliga brennt, wird sein Name als der des rettenden Feuerwehrmannes genannt. Und beim FC brennt es lichterloh. Nach der unglücklichen 2:3-Niederlage gegen den 1. FSV Mainz belegen die Kölner den 17. Tabellenrang, mit drei Zählern Rückstand auf den Relegationsplatz. „Friedhelm Funkel hat nicht nur große Erfahrung, sondern ist auch mit solchen Situationen absolut vertraut. Er wird unsere Mannschaft bis zum Saisonende führen, mit dem Ziel, den Klassenerhalt zu erreichen“, sagte Sportdirektor Horst Heldt.

Funkel stand 2002 beim FC vor einer ähnlichen Aufgabe. Damals übernahm er die Kölner ebenfalls auf einem Abstiegsrang, seine Verpflichtung brachte den Geißböcken auch einige Punkte, den Abstieg konnte der Neusser aber nicht verhindern. Funkel gelang zwar der direkte Wiederaufstieg, nach einer anhaltenden Negativserie musste er den Verein im Herbst 2003 jedoch wieder verlassen. An diese Zeit denkt der 67-Jährige, der eigentlich sein Karriere-Ende bereits verkündet hatte, nicht mehr. „In der Zusammenarbeit mit den Jungs gilt es ab sofort, mit dem gleichen Einsatz die notwendigen Punkte zu holen, um in der Liga zu bleiben“, sagte Funkel.

Doch die Aufgabe wird keine leichte sein. Zunächst trifft der FC auf Leverkusen, dann auf Leipzig, es folgen vier weitere Duelle gegen Teams auf Augenhöhe. Es bleibt also nicht mehr viel Zeit, die Funkel zur Rettung hat. Auch, weil Sportdirektor Heldt sich ganz offensichtlich überaus schwer mit der Entlassung seines Freundes Gisdol tat. Die offizielle Bestätigung erfolgte am Sonntag wenige Minuten vor Mitternacht: „Der 1. FC Köln hat die Zusammenarbeit mit Cheftrainer Markus Gisdol beendet“, hieß es vonseiten des Clubs. Die Vereinsbosse informierten über die Trainer-Trennung, die nach der 2:3-Niederlage im Abstiegsgipfel gegen Mainz erwartet, nach der Maschinerie des Geschäfts unausweichlich, definitiv überfällig gewesen war.

Das siebte Endspiel war eins zu viel

Sechsmal stand der bisherige Kölner Coach vor einem vermeintlichen Endspiel, immer wieder zog er seinen Kopf aus der Schlinge, dieses Mal nicht schnell genug. „Obwohl die Leistung heute wieder gut war, haben wir keine Punkte geholt. Das war eine bittere Niederlage“, sagte FC-Sportdirektor Horst Heldt. „Wir müssen Ergebnisse erzielen. In dieser Hinsicht haben wir in den letzten Wochen stagniert.“ Umso erstaunlicher, dass Gisdol Endspiel um Endspiel erhielt.

Denn die Bilanz sprach nicht für den Trainer. Gisdol holte mit den Geißböcken im Schnitt nur 1,07 Punkte pro Spiel. Im Winter 2019 hatte der heute 51-Jährige den FC übernommen und mit einer beeindruckenden Serie vor dem Abstieg bewahrt. Mit den Geisterspielen im März 2020 begann aber eine ebenso beeindruckende Negativserie. 18 Partien in Folge blieb Köln ohne Erfolg, hielt mit Glück die Klasse und befand sich in der neuen Spielzeit von Beginn an in Abstiegsnot.

 Abgang: Markus Gisdol hat beim 1. FC Köln ausgedient.
Abgang: Markus Gisdol hat beim 1. FC Köln ausgedient. Foto: dpa/Thilo Schmuelgen

Erst der 2:1-Triumph über Borussia Dortmund Ende November 2020 brachte eine kurzfristige Wende und rettete Gisdol erst mal den Job. Zuletzt gewann Köln im Derby gegen Gladbach vor zwei Monaten. Ein weiteres Endspiel, das Gisdol vor dem Aus bewahrte. Bis zu diesem Zeitpunkt setzte der Coach taktisch eher auf Zerstören statt auf Risiko – auch gegen Mannschaften auf Augenhöhe. Erst in den vergangenen Spielen stärkte Gisdol die Offensive.

Zu spät. Zwar zeigten die Domstädter in der Folge auch gegen Dortmund und Wolfsburg durchaus gute Leistungen, für einen Sieg reichte das aber nicht. Auch, weil ihnen im Angriff die Qualität fehlt. Simon Terodde und Jhon Cordoba wurden im Sommer, Anthony Modeste im Winter abgegeben. Die Neuverpflichtungen Sebastian Andersson, Emmanuel Dennis und Tolu Arokodare konnten die Lücken nicht füllen. Dafür verfügt der FC über ein Überangebot im zentralen Mittelfeld. Warum mit Max Meyer ein weiterer Spieler für diese Position geholt wurde, bleibt offen. Bei der Kaderzusammenstellung und der Nachjustierung im Winter wurden eklatante Fehler gemacht – nicht nur von Gisdol.

Gisdol: „Ich wünsche meinen Jungs alles Gute“

Dass die gute Leistung des FC gegen Mainz nicht zu einer weiteren Nachspielzeit für Gisdol reichte, zeigten bereits die Reaktionen nach dem Schlusspfiff. Jonas Hector saß vor einer Bande, die Hand vorm Gesicht, der Blick starr. Nur wenige Meter entfernt saß Timo Horn in seinem Tor, aus dem er wenige Minuten zuvor den Ball holen musste. Sprachlos, fassungslos. Auch er ahnte bereits, dass diese Niederlage nicht nur tabellarische Folgen haben würde.

„Die Mannschaft hat unter schwierigen Bedingungen immer alles gegeben“, sagte Gisdol nach seinem Aus. „Ich wünsche meinen Jungs für den Saisonendspurt alles Gute und drücke ihnen und dem FC die Daumen, damit sie in der Bundesliga bleiben.“ Dafür soll nun Feuerwehrmann Funkel sorgen.