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1. FC Köln vor dem Duell mit Augsburg: FC will nächsten Schritt zum Klassenerhalt machen

1. FC Köln vor dem Duell mit Augsburg : FC will nächsten Schritt zum Klassenerhalt machen

Der 1. FC Köln will nach dem Kraftakt gegen Leipzig auch in Augsburg nicht nachlassen. Trainer Friedhelm Funkel setzt dabei auf Aggressivität und Leidenschaft.

Der Abend zuvor hatte tiefe Spuren hinterlassen. Er wirkte wie jemand, der gerade aus einem märchenhaften 100 Jahre langen Schlaf erwacht war, besser: Friedhelm Funkel wirkte am Mittag danach immer noch wie jemand, der einige Jährchen Schlaf gerade gut gebrauchen könnte. Der Dienstagabend war an die Substanz gegangen, bei der Mannschaft, bei ihm. Also sagte Funkel etwas, was ihm durchaus anzusehen war: „Das Spiel hat viel Kraft gekostet.“ Tatsächlich war der unerwartete 2:1-Sieg gegen RB Leipzig nicht nur an die Nerven gegangen, sondern hatte den Protagonisten auch körperlich alles abverlangt. Allen. „Ich werde mich heute Nachmittag ein, zwei Stündchen hinlegen“, sagte der Trainer des 1. FC Köln am Mittwoch schließlich, „und dann werde ich wieder so regeneriert sein, dass ich morgen bei 100-Prozent meiner Kraft bin.“

Doch der Erfolg über den Favoriten hatte nicht nur Kraft gekostet, sondern auch neue Kräfte freigesetzt. Er hat die Mannschaft nach den bitteren Niederlagen gegen Mainz und Leverkusen, wenn man so will, wachgeküsst, der Hoffnung auf den Klassenerhalt neue Nahrung gegeben. Wobei das mit der Nahrung in diesen Tagen der intensiven Spielabfolge doch einer diffizileren Betrachtung unterliegt. Wie überhaupt die gesamte Herangehensweise in der englischen Woche nach dem schweren Spiel gegen Leipzig und vor der ebenso schweren Aufgabe beim FC Augsburg an diesem Freitag (20.30 Uhr/Dazn) unter dem Credo der Körper- und Geist-Pflege steht.

Klarer Fokus für die Spieler

Die bedingungslose Fokussierung auf den Beruf und auf das Spiel in der Fuggerstadt hat für Funkel oberste Priorität. Es sei wichtig, sagte der 67-Jährige, in den zwei Tagen bis zu der Partie zu 100-Prozent professionell zu leben. „Das glaube ich auch, dass sie das tun werden“, betonte er mit Blick auf seine Spieler. „Trotzdem spricht man das jetzt als Trainer auch an, dass man viel schläft – nicht nur der Trainer nachmittags –, sondern, dass auch die Spieler mal einen Nachmittagsschlaf machen.“ Sich gesund zu ernähren und pflegen zu lassen, das ist selbstredend im Wellness-Programm nach der Leipzig-Partie eingespeist. Die Spieler seien viel marschiert, hat Funkel beobachtet, „und sie müssen es gegen Augsburg wieder“.

Dass die Profis des Trainers Anspruch gedankenlos beiseite wischen, scheint nahezu ausgeschlossen. Schließlich präsentieren sie sich bislang in dieser Saison körperlich auf sehr gehobenem Niveau, was auch Funkel-Vorgänger Markus Gisdol anzurechnen ist. Mit ihrer Laufleistung steht die Mannschaft auf Platz sieben aller Bundesligisten. Im Schnitt spult sie in 90 Minuten 117,45 Kilometer herunter, das ist beachtlich. Alarmierend nur, dass die Augsburger auf Platz zwei dieser Rangliste geführt werden (im Schnitt: 118,79 km). Ohnehin ist der FCA ein unangenehmer Kontrahent und alles andere als ein Lieblingsgegner der Kölner: Das letzte Dutzend Duelle gegen ihn ist nun nicht dazu geeignet, Zuversicht im Lager des FC zu verbreiten: sechs Niederlagen und sechs Remis. Zwar haben die Augsburger in der Liga zuletzt geschwächelt und aus den Duellen mit Absteiger Schalke (0:1), Bielefeld (0:0) und Frankfurt (0:2) nur ein Pünktchen gezogen, doch mit 33 Zählern haben sie ein ordentliches Polster auf die unmittelbare Krisenregion der Tabelle geschaffen. Was erschwerend hinzukommt für den FC: Besonders ausgeschlafen haben sie sich bisher nicht präsentiert nach starken Spielen gegen Top-Teams wie Dortmund und Leipzig. Nach dem beachtlichen 0:0 bei den Rasenballsportlern in der Hinrunde setzte es für die Kölner gleich danach ein 0:1 gegen: Augsburg. Die Kategorie des Gegners, versicherte Funkel, darf keine Bedeutung einnehmen. Seine Forderung für das Freitag-Gastspiel: „Wir müssen mit derselben Leidenschaft und demselben Einsatz in das Spiel in Augsburg gehen wie gegen Leipzig. Es darf keine Rolle spielen, gegen wen man spielt“, sagte Funkel. Und war dann plötzlich hellwach: „Ich kann mich erinnern, dass wir auch schon gegen direkte Konkurrenten in dieser Saison gewonnen haben – in Mainz und gegen Bielefeld.“

Lärm vom Seitenrand soll helfen

Ohnehin ist das Selbstvertrauen trotz der bitteren Pleite gegen Mainz nicht aus der Mannschaft gewichen, auch nicht nach der vermeidbaren Niederlage gegen Leverkusen darauf. Der Erfolg gegen Leipzig sollte der Mannschaft einen kräftigen Schub gegeben haben. Dadurch, so die Hoffnung Funkels, sei die Mannschaft „noch selbstbewusster geworden“. Ein Sieg gegen RB nach einer „ganz schwierigen Anfangsphase“ gelinge eben nur mit „Selbstvertrauen und auch spielerischer Qualität“.

Hoffnung macht zudem, dass die übliche FC-Stille in der Stille der Geisterspiele zuletzt oft unterbrochen wurde – durch lautstarke Anfeuerungen, von außen und innen. Da war gegen Leipzig der Trainer voller Intensität zu hören, Abwehrspieler Rafael Czichos artikulierte sich impulsiv gegenüber den Unparteiischen, und von der Bank/Tribüne gab es unüberhörbare Anfeuerungen. Emotionen. Die gefallen auch Funkel. „Ich habe es gegen Leipzig im Rücken gehört, wie die Spieler auf der Tribüne – ob jetzt im Kader oder nicht – mitgefiebert, ihre Mitspieler unterstützt, Beifall gespendet haben. Das war ein super Gefühl, wie die gesamte Mannschaft und das Funktionsteam mitgezogen haben“, sagte er. Und: „Genau mit der Leidenschaft und den Emotionen auf dem Platz müssen wir die Spiele angehen.“ Dies müsse man nun den Augsburgern vermitteln – auf dem Platz. „Das wird ein anderes Spiel als gegen Leipzig. Sie werden viel körperliche Präsenz zeigen.“

Beflügelt werden sie gleichwohl sein, die Kölner Profis um Kilometermacher Ellyes Skhiri, der der laufstärkste Spieler der gesamten Liga ist (12,87 km pro Spiel), zudem halbwegs ausgeruht, wenn sie Funkels Maßnahmenkatalog denn ordnungsgemäß befolgt haben. Dann wird auch der zuletzt überragende Anführer Jonas Hector wohl wieder einigermaßen hergestellt sein. Nach dem Kraftakt gegen Leipzig wollte ihn Kollege Sebastiaan Bornauw noch „nach Hause einladen und ihm ein paar Pommes machen“, sagte der Belgier. „Aber da wir in drei Tagen spielen, lasse ich ihn schlafen.“ Pflegestufe 1 eben für den Kapitän.