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Bauarbeiten am Kanal: An der Ampel in Dransdorf liegen die Nerven blank

Bauarbeiten am Kanal : An der Ampel in Dransdorf liegen die Nerven blank

Die Stadt baut seit rund einem Monat wieder am Kanal in der Alfterer Straße in Dransdorf. Jetzt verzögern sich die Arbeiten um weitere vier Wochen. Die Anwohner sind schon jetzt genervt.

Es dauert nur ein paar Sekunden, dann stehen schon wieder fünf Autos vor der roten Baustellenampel in der Siemensstraße. Hubert Schneider hält vorm Pfarrbüro, steigt aus seinem Wagen, schaut sich die wartenden Autos an, sagt dann: „Das ist total beschissen.“

Er wohnt direkt um die Ecke in der Meßdorfer Straße. Nebenan in der Alfterer Straße arbeitet die Stadt an einem Kanal – schon seit September 2019. Weil es Probleme gab mussten die Arbeiten zwischenzeitlich aber eingestellt werden und konnten erst im Januar weitergehen. Seit Ende Juni macht die Stadt weiter und die Ampeln sind da. Sie regeln den Verkehr, wo sonst die Alfterer Straße, die Siemensstraße und Grootestraße auf einen Kreisverkehr treffen.

Nun sind laut Presseamt weitere Probleme bei den Arbeiten aufgetaucht: Das Schachtbauwerk, das in den Kanal eingebaut werden sollte, sei noch nicht fertig, weil die Arbeiter Kabel und Leitungen fanden, von denen niemand wusste. Zudem mussten sie nicht mehr genutzte Gas- und Wasserleitungen entfernen.  Ende September wollte die Stadt fertig sein, nun werden die Arbeiten vier Wochen länger dauern.

Rückstau von der Ampel versperrt Einfahrt

Schneider kommt mit seinem Wagen seit Wochen kaum noch in die eigene Garage, weil der Rückstau von der Ampel die Einfahrt versperrt. „Durch den Kreisel läuft der Verkehr hier normalerweise wunderbar“, sagt er. Derzeit sei das anders. „Die Autofahrer gehen sich hier oft fast an die Gurgel.“ Besonders schlimm, sagt er, ist es in der Zeit zwischen 7 und 9 Uhr und nachmittags zwischen 15.30 und 18.30 Uhr.

Die wartenden Autos stehen direkt unter seinem Fenster. „Das kannst du dann nicht aufmachen“, sagt er. „Die Abgasstinkerei, das Geschrei – Stress pur.“ Besonders schlimm sei auch, wenn sich die Gelenkbusse in der ohnehin schon sehr engen Meßdorfer Straße festfahren. Das habe er schon mehrmals beobachtet. Nicht nur für die Autofahrer ist die Baustelle ein Ärgernis. „Die Schilder und Ampeln stehen auf dem Gehweg“, sagt Schneider. „Zweimal hab ich schon Leuten geholfen, die mit dem Rollator dadurch wollten.“

Eine Baustellenampel versperrt den Gehweg in der Meßdorfer Straße. Foto: dennis scherer

Während Schneider noch erzählt, was alles schiefläuft, kommt sein Nachbar Elias Baschir vorbei. Er kann auch nicht ohne Weiteres mit dem Wagen in die Garage, parkt das Auto deshalb jetzt immer auf dem Parkplatz neben der Freiwilligen Feuerwehr. Er ärgert sich. „Ich hab‘ seit zwei Wochen keine Arbeiter mehr auf der Baustelle gesehen“, sagt er. „Dann hab‘ ich bei der Stadt angerufen, aber da geht keiner ans Telefon.“ Aus dem Presseamt heißt es dazu: „Die Bautätigkeiten wurden und werden kontinuierlich weitergeführt.“ Aus dem schimpfenden Duo wird ein Trio, als sich der Besitzer der Wäscherei hinzugesellt, die sich am Kreisverkehr befindet.

Wirkt sich auch auf Pünktlichkeit des Nahverkehrs aus

„Es ist mit längeren Wartezeiten an der Baustellenampel zu rechnen. Es wird daher empfohlen, den Bereich großräumig zu umfahren“, hatte das Presseamt seinerzeit mitgeteilt. Für viele offenbar nicht so leicht. Vor allem aber nicht für die Busfahrer. An der Haltestelle Dransdorf Kirche halten die Linien 610, 611 und 631. Ein Fahrer hält, ein Zischen, die Tür öffnet sich, dann sagt er: „Ab 11, 12 Uhr haben wir immer Verspätung – 10 bis 15 Minuten hält das hier auf.“ Und dann ist der Bus schon wieder unterwegs. Auf der anderen Straßenseite versuchen die Autofahrer in den rund 40 Sekunden, die die Ampel grün ist, rüberzukommen. Für alle, die es nicht schaffen, heißt es mindestens zwei Minuten warten. So lange dauert eine Rotphase.

Foto: Grafik GA

Ein paar Meter entfernt von der Bushaltestelle betreibt Cihan Gül seine Pizzeria. Wie die Lage so ist mit der Baustelle? Er sagt, wie sie ist, und schiebt nach: „Kannst du das schreiben?“ Korrigiert sich dann und sagt: „bescheiden.“ Wegen der Baustelle würden seine Fahrer nicht durchkommen. „Unsere Lieferungen verzögern sich.“ Schlimm sei es bis 19 Uhr, danach gehe es wieder einigermaßen.

Etwas die Straße runter macht Andreas Klein gerade seinen Umzug, bringt Bücher und CDs in die neue Wohnung. Auch seine Einfahrt ist von wartenden Autos versperrt. „Das ist ein bisschen strapaziös hier“, sagt er. Um an den wartenden Autos vorbeizukommen, würden Radfahrer auch immer wieder auf den Gehweg ausweichen. „Hier ist schon oft Chaos“, sagt er und steigt dann in seinen Wagen. 500.000 Euro kosten die Arbeiten am Kanal – und viele Nerven.